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Ärzte wollen Corona-Vorhersage verbessern

Mediziner entwickeln eine neue Methode in der Pandemie-Bekämpfung. Vorgestellt wurde diese beim niedersächsischen Digitalgipfel Gesundheit.

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Stelte seine neue Methode vor: Prof. Dr. Gordon Pipa beim vierten niedersächsischen Digitalgipfel Gesundheit der Ärztekammer Niedersachsen und der Hochschule Hannover. Foto: ÄKN

Stelte seine neue Methode vor: Prof. Dr. Gordon Pipa beim vierten niedersächsischen Digitalgipfel Gesundheit der Ärztekammer Niedersachsen und der Hochschule Hannover. Foto: ÄKN

Mit Blick auf eine nächste Pandemie sollen die Vorhersagemöglichkeiten verbessert werden. Eine neue Methode dazu entwickeln zurzeit Prof. Dr. Gordon Pipa, Vorsitzender der Abteilung Neuroinformatik am Institut für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück, und sein Team gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut.

Den aktuellen Stand stellte er beim vierten niedersächsischen Digitalgipfel Gesundheit der Ärztekammer Niedersachsen und der Hochschule Hannover vor, an dem auch Mediziner aus dem Kreis Cloppenburg teilnahmen. Nach Angaben von Pipa gehe es um eine effektivere Notfallplanung von Krankenhäusern und anderen beteiligten Einrichtungen sowie den Gesundheitsämtern. Dazu sei es wichtig, die während der Coronapandemie teils begrenzten Vorhersagemöglichkeiten zu erweitern. Nach Pipas Worten soll dazu ein Dateninterventionsteam aufgebaut werden, das eine bessere Katastrophenvorbereitung erlaube.

Betrachtung über Kreisgrenzen hinweg

Dieses solle auch verhindern, dass die Coronaplanung wie jetzt teilweise an Landkreisgrenzen scheitere. Das neue System beziehe den Corona-Einfluss angrenzender Regionen in die Prognosen ein. Was nütze es, wenn die Zahlen in einem Landkreis niedrig seien, aber in einer Nachbarstadt eines Anrainerlandkreises durch die Decke gingen. Das verfälsche alle Prognosen und stelle die ergriffenen Maßnahmen in Frage.

„Auf diese Weise ist eine Einschätzung der Situation einschließlich statistischer Unsicherheiten möglich, die auch bei niedrigen Fallzahlen hilfreiche Informationen liefern kann“

Prof. Dr. Gordon Pipa

Das neue Modell berücksichtige nicht nur geographische Bereiche statt politischer Verwaltungseinheiten, sondern berechne zudem viele mögliche Pandemie-Verläufe. „Auf diese Weise ist eine Einschätzung der Situation einschließlich statistischer Unsicherheiten möglich, die auch bei niedrigen Fallzahlen hilfreiche Informationen liefern kann“, so Pipa.

Damit könnten die Neuroinformatiker auch dann bereits verlässlich Prognosen liefern, wenn die RKI-Zahlen aufgrund von Verzögerungen bei der Datenübermittlung noch lückenhaft sind. Denn ein Nachteil sogenannter „mechanistischer Modelle“ wie beim RKI sei, dass sie nur begrenzt Vorhersagen machen könnten. „In Pandemien ist es wichtig, neben dem wahrscheinlichsten Verlauf, auch eine Vorhersage für Szenarien mit mehr oder weniger drastischen Verläufen zu machen“, sagt Pipa.

Zusammenarbeit im Team sollte geübt werden

Die Zusammenarbeit im künftigen Dateninterventionsteam sollte wie im traditionellen Katastrophenschutz regelmäßig geübt werden, empfiehlt der Professor. Zudem brauche es eine Ethikkommission, die schnell und effizient eine Abwägung vom Nutzen und Gefahren von Daten vorbereite.

Die Neuroinformatiker der Universität Osnabrück stellen gemeinsam mit Datenspezialisten des Forschungszentrums Jülich tagesaktuelle Schätzungen der gemeldeten Neu-Infektionen und eine 5-Tages-Vorhersage für jeden deutschen Landkreis her.

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