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60 Sekunden freier Fall: Wie ein ALS-Patient sich in Damme einen Traum erfüllt

Der Verein „Lebenswunsch“ ermöglicht Marco Herbst seinen ersten Fallschirmsprung. Nach der Landung weint der Hospizbewohner Freudentränen.

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Marco Herbst und sein Tandemmaster Mikel flogen rund 60 Sekunden in freiem Fall Richtung Boden. Foto: Lebenswunsch e.V.

Marco Herbst und sein Tandemmaster Mikel flogen rund 60 Sekunden in freiem Fall Richtung Boden. Foto: Lebenswunsch e.V.

Ein bewegender Wunsch geht in Erfüllung: Trotz schwerer ALS-Erkrankung springt Hospizbewohner Marco Herbst (56) in Damme mit dem Fallschirm. Ermöglicht hatte dies der Verein „Lebenswunsch“, der uns Herbsts Geschichte gemailt hat:

Noch vor wenigen Tagen saß Marco Herbst im Hospiz am Meer (Hage) und äußerte einen großen Lebenswunsch: einmal einen Fallschirmsprung erleben. Der 56-Jährige, der in seinem Leben bereits die halbe Welt bereist hat, strahlt trotz seiner fortschreitenden ALS-Erkrankung eine bemerkenswerte innere Zufriedenheit aus, die auch die Stimmung im Hospiz positiv prägt.

Das Hospizteam zögerte nicht lange. „Kaum war der Wunsch ausgesprochen, haben wir uns ins Zeug gelegt“, sagt Mark Castens, Vorsitzender des Vereins Lebenswunsch aus der Gemeinde Ovelgönne. Aufgrund von Herbsts stark eingeschränkter Mobilität durch die unheilbare Nervenerkrankung war die Suche nach einem geeigneten Anbieter jedoch nicht einfach. Die Lösung: der Fallschirmsport Damme. Inhaberin Grit Burgert zeigte sich sofort begeistert und bereit, die besonderen Anforderungen zu erfüllen. Bei idealem Wetter wurde der Sprung 2 Tage später terminiert.

Marco Herbst (Mitte) war nach der Landung überglücklich. Auch für Thomas Büger (links), der den Sprung gefilmt hatte, und Palliativfachkraft Norma Freeman war es ein besonderes Erlebnis. Foto: Lebenswunsch e.V.Marco Herbst (Mitte) war nach der Landung überglücklich. Auch für Thomas Büger (links), der den Sprung gefilmt hatte, und Palliativfachkraft Norma Freeman war es ein besonderes Erlebnis. Foto: Lebenswunsch e.V.

Am frühen Morgen startete das Abenteuer. Die „Wunscherfüller“ holten den ALS-Patienten gemeinsam mit seiner Schwester Manuela, seiner Nichte Lea und Palliativfachkraft Norma Freeman am Hospiz ab. Freeman, die der 56-Jährige ausdrücklich an seiner Seite wünschte, begleitete ihn nicht nur emotional, sondern auch medizinisch.

Während der 2,5-stündigen Fahrt nach Damme versicherte Herbst immer wieder lächelnd, er sei überhaupt nicht aufgeregt – eine Aussage, die er auch nach der Begrüßung durch Grit Burgert und seinen Tandemmaster Mikel wiederholte.

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Das Team von Fallschirmsport Damme bereitete Herbst und seine Pflegerin in aller Ruhe auf den Sprung vor. Der ALS-Patient wurde in ein spezielles Gurtgeschirr geschnallt, das seinen körperlichen Einschränkungen Rechnung trägt. Danach wurde er mit dem Rollstuhl bis direkt ans Flugzeug geschoben. Wenig später kam der freie Fall: Marco Herbst hing sicher an den Seilen seines Tandemmeisters und wurde dabei von Thomas Büger gefilmt. Nach der sicheren Landung wurde der 56-Jährige von seinen Gefühlen übermannt und weinte vor Freude.

Für alle Beteiligten sei es ein unvergessliches Erlebnis voller Emotionen und Menschlichkeit gewesen, heißt es. „Marco Herbst hat sich mit diesem mutigen Schritt einen lang gehegten Traum erfüllt – und gezeigt, dass selbst in schweren Zeiten große Abenteuer möglich sind“, schreibt der Verein Lebenswunsch.

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