50 Jahre Frühförderung im Andreaswerk
Tatjana Rohe, Koordinatorin am Standort Steinfeld, gibt Einblick in die Arbeit: „Für die Kinder soll es eine Spielstunde sein.“
Redaktion | 23.12.2025
Tatjana Rohe, Koordinatorin am Standort Steinfeld, gibt Einblick in die Arbeit: „Für die Kinder soll es eine Spielstunde sein.“
Redaktion | 23.12.2025

Tatjana Rohe leitet seit April 2025 als Koordinatorin den Standort Steinfeld der Frühförderung im Andreaswerk. Foto: Andreaswerk
Betritt Tatjana Rohe morgens das Frühförderhaus in Steinfeld, herrscht in dem 2001 bezogenen Gebäude an der Schemder Bergmark bereits reges Treiben. In der Gemeinschaftsküche stellt eine Kollegin die Kaffeemaschine an, andere bereiten einen Raum für ihre erste Fördereinheit vor oder tauschen sich auf dem Flur aus, so heißt es in einer Mitteilung zum 50-jährigen Bestehen der Frühförderung im Andreaswerk am Standort Steinfeld. „Kommunikation ist bei uns ganz wichtig. Wir sind ein sehr interdisziplinäres Team – mit Heilerziehungspflegern, Erziehern, Sonderpädagogen, Ergotherapeuten und anderen Fachkräften. Davon profitieren wir alle, weil wir uns gegenseitig unterstützen, Fragen stellen und voneinander lernen können“, erläutert Koordinatorin Tatjana Rohe. Sie selbst hat zuvor in einem Kindergarten gearbeitet, absolvierte nebenbei eine Ausbildung zur Heilpädagogin. Der anschließende Wunsch, stärker im Bereich Förderung tätig zu sein, führte Tatjana Rohe im August 2022 in die Frühförderung des Andreaswerkes. Seit April 2025 leitet sie als Koordinatorin den Standort Steinfeld und ist dort erste Ansprechpartnerin für die Familien, den Landkreis als Kostenträger und das Team. Einige ihrer Kolleginnen und Kollegen arbeiten bereits seit 20, 30 oder mehr Jahren in dem Geschäftsbereich, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Gestartet war die Frühförderung 1975 mit 25 Förderplätzen an der Grafenhorststraße in Vechta. Heute betreuen die Mitarbeitenden am Tannenhof in Vechta und am Standort Steinfeld insgesamt fast 160 Kinder im Alter von null bis 6 Jahren. Weitere rund 150 Kinder, Jugendliche und Erwachsene nutzen das Angebot der im Jahr 2013 hinzugekommenen Autismusambulanz, die Menschen im Autismus-Spektrum unterstützt und begleitet. Im Frühförderhaus Steinfeld sind inzwischen die meisten Räume belegt, Kinder werden gebracht oder abgeholt, Eltern schauen kurz herein oder bleiben für ein Gespräch. „Manchmal haben wir hier 2 Stunden, in denen richtig viel los ist. Und dann wird es plötzlich ganz ruhig, weil die Fachkräfte in anderen Einrichtungen unterwegs sind oder direkt bei den Familien zu Hause fördern“, erzählt Tatjana Rohe und lächelt. Für sie gehört das zur besonderen Atmosphäre in der Frühförderung – und zu den speziellen Herausforderungen dieses Bereiches. „Aufgrund der vielen Fahrtzeiten müssen wir unseren Tag sehr gut planen und durchstrukturieren“, betont sie. Für ihr erstes Förderkind an diesem Tag hat die Heilpädagogin einen Kaufmannsladen vorbereitet – eine spielerische Einladung an die 4-Jährige, mit ihr ins Gespräch zu kommen. „Ich versuche natürlich, den Ablauf der Förderung etwas zu lenken. Das Kind entscheidet jedoch immer mit, wie unsere gemeinsame Zeit aussieht“, sagt Tatjana Rohe. Denn: Für die kleinen Klientinnen und Klienten dürfe es sich nicht zu sehr nach Förderung oder gar nach Zwang anfühlen. „Für sie soll es eine Spielstunde sein“, ergänzt die Koordinatorin. Wie die 4-Jährige kommen aktuell viele Kinder aufgrund einer Auffälligkeit in der sprachlichen Entwicklung oder im Bereich der Fein- und Grobmotorik in die Frühförderung. Kurz nach der Pandemie zum Beispiel sei es häufiger um den sozial-emotionalen Bereich gegangen, erinnert sich Rohe. Bemerkt werden die Auffälligkeiten oder Besonderheiten in der Entwicklung teils von den Eltern selbst, oft aber auch vom Kinderarzt oder dem Kindergarten. Um Frühförderung für ihr Kind zu erhalten, müssen Eltern im nächsten Schritt einen Antrag auf Finanzierung beim Landkreis stellen. „Bei diesem Prozess begleiten und beraten wir natürlich gerne“, ermuntert die Koordinatorin, sie oder ihr Team bei Fragen oder Unsicherheiten unverbindlich zu kontaktieren. Ein Jahr lang erhalten die Kinder anschließend Förderung – eine Stunde pro Woche. Bei Bedarf können es in einigen Fällen auch 2 Stunden sein. „Manchmal zeigen sich sehr schnell erste Erfolge, manchmal dauert es länger. Jedes Kind ist anders“, weiß die Heilpädagogin. Haften, ist sie überzeugt, bleibe immer etwas. Auch bei ihr ist in den vergangenen Jahren einiges haften geblieben: besondere Momente mit den Kindern, kleine Erfolge ebenso wie große Fortschritte. Das motiviert sie jeden Tag aufs Neue. Was ihr noch Energie für den Arbeitsalltag gibt? Kaffee, schmunzelt sie. Der Kontakt zu ihren Kolleginnen und Kollegen.Teilweise wird auch bei den Familien zu Hause gefördert
Eltern müssen Antrag auf Finanzierung beim Landkreis stellen
Vor allem aber ihre eigenen Kinder, die sie manchmal auch an ihrem Arbeitsplatz besuchen. „Meine Kinder lieben die Frühförderung und die Atmosphäre hier“, verrät Tatjana Rohe. So wie sie selbst.
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