Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Welttag des Buches: Das sind unsere Favoriten

Am heutigen Samstag (23. April) wird der Welttag des Buches begangen. Mitglieder unserer Redaktion stellen aus diesem Anlass ihre ganz persönlichen Lieblingsschmöker vor.

Artikel teilen:
Zum Weltbuchtag verraten wir Ihnen, welche Bücher die Redakteurinnen und Redakteure der OM-Medien am liebsten gelesen haben. Symbolfoto: dpa

Zum Weltbuchtag verraten wir Ihnen, welche Bücher die Redakteurinnen und Redakteure der OM-Medien am liebsten gelesen haben. Symbolfoto: dpa

Sascha Filipenko, "Der ehemalige Sohn": Das Buch des belarussischen Journalisten und Autors ist in seiner Heimat nur unter der Ladentheke erhältlich. Der Hauptfigur des Romans, dem jugendlichen Franzisk, droht wegen schlechter Leistungen der Ausschluss aus dem Konservatorium. Statt Cello zu üben, will er ein Rockkonzert in Minsk besuchen und gerät auf dem Weg dorthin in ein Gewitter. Vor einer U-Bahn-Station kommt es zu einer Massenpanik. Franzisk fällt ins Koma, aus der er Jahre später erwacht, nur um festzustellen, dass sich in seinem Land nichts verändert hat. Die 2014 geschriebene Satire nimmt die bleierne Atmosphäre in Belarus aufs Korn, das seit 1994 vom autokratischen Regierungschef Alexander Lukaschenko regiert wird. Nach den mutmaßlich gefälschten Präsidentschaftswahlen 2020 schlug dieser die Demokratiebewegung gewaltsam nieder und steht im Ukraine-Krieg auf der Seite seines russischen Diktatoren-Kollegen. Sascha Filipenko lebt heute im Exil im Ausland (Georg Meyer).


Harry Mulisch, "Die Entdeckung des Himmels": Es gibt nur eine Handvoll Bücher, die ich zweimal gelesen habe. "Die Entdeckung des Himmels" von Harry Mulisch, erschienen 1993, habe ich im Abstand von mehreren jahren sogar dreimal von vorne bis hinten verschlungen. Mit vier Hauptpersonen – Max Delius, Onno Quist, Ada Brons und Quinten Quist – zeichnet Mulisch ein Gesellschaftsbild der Niederlande der 1960er bis 1980er Jahre, in dem sich auch viele Parallelen zur Entwicklung Deutschlands in dieser Zeit finden lassen. Die Handlung ist komplex und, da als Rahmen zwei Engel das Leben der beiden Freunde Onno und Max in einem göttlichen Plan steuern und kommentieren, irgendwo auch abstrus. Aber Mulisch schafft es, daraus einen fesselnden Roman zu stricken, der bei jedem Lesen überraschend ist und mit einem Fundus an nahezu enzyklopädischen Wissen immer wieder neue Zugänge eröffnet. Elke Heidenreich hat das Buch bei seinem Erscheinen genau deswegen komplett verrissen, mich begeistert es bis heute. (Heiner Stix)


Ewald Arenz, "Der große Sommer" (2021) und "Alte Sorten" (2019): Ewald Arenz ist für mich die Entdeckung der letzten 15 Jahre. Arenz schreibt nicht kompliziert, er verzichtet auf Experimente und schreibt einfach schön, liebevoll und auf hohem sprachlichen Niveau. In "Alte Sorten" erzählt er von der 17-jährigen Sally, die aus einer Klinik für essgestörte Menschen abhaut und ziellos durch die unterfränkischen Weinberge stromert, um nicht entdeckt zu werden. Sie trifft auf die wortkarge Bäuerin Liss, die in ihrem Dorf isoliert lebt und arbeitet. Zwischen den beiden Außenseiterinnen entsteht eine Freundschaft, die fragil bleibt, aber dennoch Konflikte übersteht.
"Der große Sommer" erzählt leichtfüßig, lebendig und in feinen Farben von der ersten großen Liebe eines Jugendlichen und vom Aufwachsen in einer süddeutschen Stadt in den 1980er-Jahren. Frieders Versetzung ist gefährdet, er fährt nicht mit den Eltern in den Urlaub, sondern muss beim strengen Großvater für die Nachprüfung büffeln. Und ausgerechnet in dieser Zeit lernt er Beate kennen und muss jetzt den emotionalen und zeitlichen Spagat zwischen erster Liebe und schulischer Verpflichtung schaffen. (Heiner Stix)

  • Info: Ewald Arenz kommt im September auf Einladung des Kulturkreises Friesoythe-Basel-Saterland für eine Lesung nach Friesoythe.

Jiddu Krishnamurti, "Über die Liebe" (2011, 5. Auflage): Jiddu Krishnamurti, geboren 1895 in Indien, gestorben 1986 in den USA, war einer der großen Revolutionäre des 20. Jahrhunderts und einer der unabhängigsten Denker, die sich je der Erforschung der menschlichen Natur zuwandten. Auf Vortragsreisen und in mehr als 60 Büchern legte er Suchenden in aller Welt seine Auffassung eines geistigen Erwachens ohne die Vermittlung traditioneller religiöser Methoden dar. In "Über die Liebe" thematisiert er die beiden großen Themen "Freiheit" und "Liebe". Der Band vereint erstmals seine berührendsten Texte zum Thema "Liebe", die zum Tiefsten gehören, was er je geschrieben oder gesprochen hat. Es ist ein aufrüttelndes Dokument geistiger Klarheit und selbstloser Hingabe. (Max Meyer)


Rupert Sheldrake, "Der siebte Sinn der Tiere" (2007): Wir alle haben telepathische Fähigkeiten, Vorahnungen, die uns und anderen das Leben retten können, und andere bislang unerklärliche Wahrnehmungen, wie das Gefühl, von jemanden angestarrt zu werden – sie gehören zu unserer biologischen Ausstattung. In seinem Buch "Der siebte Sinn der Tiere" hat Rupert Sheldrake nachgewiesen, dass diese Fähigkeiten im Tierreich weit verbreitet sind. Wir Menschen haben zwar viel von dieser Sensibilität verloren, haben diese Fähigkeiten aber trotzdem mit vielen Arten gemein. Das lässt sich mit einfachen Experimenten nachweisen. Sheldrakes Forschungen führen zu einem neuen Verständnis der Natur des menschlichen Geistes. Der Geist, so seine These, beschränkt sich nicht auf das Gehirn, sondern umfasst ausgedehnte Einflussfelder, die weit über Gehirn und Körper hinausreichen. Seine Thesen belegt er eindrucksvoll. (Max Meyer)


Claus Leggewie/Harald Welzer, "Das Ende der Welt, wie wir sie kannten" (2011): Finanz- und Wirtschaftskrise, Klimawandel, schwindende Ressourcen und der Raubbau an der Zukunft der kommenden Generationen bilden einen beispiellosen sozialen Sprengstoff. Die Analyse in "Das Ende der Welt, wie wir sie kannten" der sich auftürmenden Krisen zeigt, wie Demokratien dabei unter die Räder kommen, wenn sie nicht radikal erneuert werden und den Weg aus der Leitkultur der Verschwendung finden. (Max Meyer)

Zu den Autoren:
Claus Leggewie, geboren 1950, Professor für Politikwissenschaft und Publizist, ist Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, wo er den Forschungsschwerpunkt KlimaKultur ins Leben rief. Von 1995 bis 1997 war er erster Inhaber des Max Weber-Chair an der New York University; er bekleidete Gastprofessuren an der Université Paris-Nanterre und am Institut für die Wissenschaften vom Menschen Wien und war 1999/2000 Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin.

Harald Welzer ist einer der streitbarsten Intellektuellen in Deutschland. Mit Witz und scharfsinnigen Argumenten engagiert er sich für eine bessere und offene Gesellschaft, für Nachhaltigkeit und Demokratie. Er ist Direktor von Futurzwei. Stiftung Zukunftsfähigkeit und Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg. Daneben lehrt er an der Universität St. Gallen und an der ETH Zürich. (Max Meyer)


Rupert Spira, "Bewusstsein ist alles" (2011): Rupert Spira lädt dazu ein, die Welt mit neuen Augen zu sehen – ganz von der eigenen Erfahrung ausgehend. Mit Erfahrung meint er "reine Erfahrung" ohne subjektive Wertungen, unverfälscht durch Interpretationen. Mit einer Reihe von "Experimenten" lässt Spira seine Leserinnen und Leser diese reine Erfahrung konkret erleben. Die Leserinnen und Leser sind sozusagen das Versuchskaninchen. Von dieser eigentlichen Quelle der Erkenntnis führt der Autor zu einem tiefgreifenden, erweiterten Verständnis von Erfahrung und Bewusstsein. Am Ende der Reise wird klar, dass es nur Bewusstsein gibt und nichts außerhalb von Bewusstsein. Ob Christentum, Hinduismus, Buddhismus, Zen, Sufismus, Judentum oder Advaita-Vedanta – allen großen spirituellen Traditionen ist dieses Prinzip gemeinsam: Bewusstsein ist alles. Und diese Erkenntnis – sobald sie konkret erlebt und erfahren werden kann – schafft Raum im persönlichen Erleben und befreit unmittelbar von Ballast und Beschränkungen. Alle, die tiefer einsteigen wollen, lernen hier ein neues Herangehen kennen: Wenn unsere Identifizierung mit dem, was wir "Ich" nennen, sich auflöst, wenn unser Bewusstsein sich in diesem Sinne erweitert, entfaltet sich unser Leben mit innerem Frieden und Leichtigkeit. (Max Meyer)


Eckhart Tolle, "Eine neue Erde" (2005): Wer bin ich? Und nein – nicht wenn ja, wie viele. Sondern was bin ich in meiner Essenz? In Eckhart tolles Buch "Eine neue Erde" geht es um keine philosophischen Theorien für das eigene "Ich". Es geht vielmehr um alles, was hinter der Konditionierung des Menschseins liegt. "Eine neue Erde" beschäftigt sich mit dem geistig-seelischen Zustand der Menschheit. Tolle geht davon aus, dass der krankhafte Zustand des menschlichen Geistes zu einer kollektiven Fehlentwicklung geführt hat und wir vor einer gefährlichen Weggabelung stehen. Unsere bisherige Sicht der Welt funktioniert nicht mehr, sagt er. Wenn wir sie nicht ändern, bewegten wir uns auf zunehmend gefährlichem Terrain mit dem Potenzial zur Selbstzerstörung. Für Tolle existiert jedoch eine Alternative zu diesem düsteren Zukunftsszenario: ein innerer Quantensprung, verbunden mit einem fundamentalen Wandel, weg vom Ego und hin zum Bewusstsein. Tolle ist davon überzeugt, dass wir am Anfang dieser Transformation stehen. (Max Meyer)


Pim van Lommel, "Endloses Bewusstsein" (2007): Das Herz steht still, und der Monitor zeigt keine Hirnfunktion mehr an. Nimmt der Mensch in diesem Zustand noch etwas wahr? Der Kardiologie Dr. Pim van Lommel sagt ganz klar: Ja! Er untersucht Nahtoderfahrungen aus wissenschaftlicher Sicht und gilt weltweit als einer der führenden Forscher auf diesem Gebiet. Van Lommel illustriert seine Untersuchungen anhand vieler Erfahrungsberichte und präsentiert in diesem Buch seine spektakulärsten Erkenntnisse: Das Bewusstsein existiert über den Tod hinaus und ist nicht an den lebendigen Körper gebunden. Selbst wenn das Gehirn nachweislich nicht mehr funktioniert, können Menschen klares Bewusstsein haben – eine Einsicht, die uns dazu zwingt, unser bisheriges Verständnis von Leben und Tod von Grund auf zu überdenken.

PS: Van Lommel wagt einen kleinen Exkurs im Buch zum Thema Quantenphysik und formuliert selbst für Laien anschaulich, was die bahnbrechenden Erkenntnisse dieses Wissenschaftsfeldes mit sich bringen. (Max Meyer)


Juli Zeh, "Unter Leuten" (2016) und "Über Menschen" (2021): Die beiden Romane der ausgebildeten Juristen Judith Zeh haben im Grunde nichts miteinander zu tun, sind aber – nicht allein wegen ihres Titels – als Paar zu denken und zu lesen. In beiden Büchern geht es um das Leben auf dem Land, um das soziale Gefüge im Dorf, um zwei Welten, die aufeinander prallen. In "Unter Leuten" spaltet der geplante Windpark eines westdeutschen Investors die Gemeinschaft eines kleinen brandenburgischen Dorfes. Teils seltsame, oft wechselnde Koalitionen zeigen, wie die Wahrnehmung eines Sachverhaltes letztlich auf die Perspektive ankommt. Und die kann sich zwischendrin auch mal verändern.
Auch in "Über Menschen" steht das Dorf im Mittelpunkt. Doras Lebensmittelpunkt wandert langsam aus der Großstadt in die Provinz. Anfangs hin- und hergerissen zwischen altem und neuem Leben, Freundschaften, Liebe, Familie erliegt sie immer mehr der Sogwirkung des Dorfes und seiner Widersprüche, dem Miteinander im Gegeneinander, der sozialen Kontrolle im sozialen Netz, den charakterstarken, schwierigen Menschen. Aus dem "Projekt Zweitwohnsitz" wird für die kosmopolitische, gehetzte Werbetexterin eine Reifeprüfung. (Heiner Stix)


Walter Kempowski, "Tadellöser & Wolff" (1971): "Wie isses denn nun wieder möglich?" – eine oft gestellte Frage in diesem einzigartigen Roman. Ja, wie isses denn nun möglich, dass Walter Kempowski, dieser große Chronist des deutschen Bürgertums, nie den Literaturnobelpreis erhalten hat? Wer "Tadellöser & Wolff" und die weiteren Romane im Rahmen seiner Chronik gelesen hat, wird es schwerlich verstehen. In "Tadelöser & Wolff" beschreibt der 1929 in Rostock geborene und dort auch aufgewachsene Kempowski, Sohn des Reeders und Schiffmaklers Karl Georg Kempowski (im gleichnamigen Film von Karl Lieffen glänzend in Szene gesetzt), seine Kindheitsjahre beginnend ab 1938 vor allem während des 2. Weltkriegs. Ein prägendes Merkmal dieses Romans mit starken autobiografischen Zügen sind bestimmte Sprüche und Ausdrücke wie etwas "Gutmannsdörfer" oder eben "Tadellöser und Wolff" für besonders geglückte Dinge. Der noch junge Walter Kempowski – er starb 2007 in Rotenburg an der Wümme – pendelt quasi zwischen 2 Welten, ist zum einen in der Hitlerjugend aktiv, liebt aber auf der anderen Seite längere Haare und den von den Nazis verpönten Jazz, den er über seinen Bruder Robert und dessen Freunde kennenlernt. Wer "Tadellöser & Wolff" gelesen hat, wird sicherlich auch zu den weiteren Romanen in der Chronik des deutschen Bürgertums greifen. (Klaus-Peter Lammert)


Georges Simenon, "Maigret und die alten Leute" (1960) und "Der Zug" (1961):  Was macht ein Schriftsteller, wenn er in eine Krise gerät, die ihn an seinen literarischen Fähigkeiten zweifeln lässt? Gibt er das Schreiben auf? Oder versucht er sich an einer anderen Geschichte?

Vor dieser Entscheidung stand 1960 der belgische Schriftsteller Georges Simenon. Eigentlich plante der Vielschreiber einen Roman "voller Sonne und Zärtlichkeit" über zwei junge Verliebte. Doch der 57-Jährige fand keinen Zugang zur Handlung und den Figuren. Verzweifelt brach er ab und war wohl drauf und dran, mit dem Schreiben aufzuhören. Doch er besann sich und wendete sich stattdessen einem alten "Freund" zu, der ihn schon fast sein gesamtes Schriftstellerleben begleitet hatte: Kommissar Jules Maigret von der Pariser Kriminalpolizei. Und: anstelle zweier junger Verliebter, steht ein altes Paar im Mittelpunkt, dessen Liebe bereits ein halbes Jahrhundert anhält. Der Fall: Der Graf de Saint-Hilaire, ein alter Ex-Diplomat, wird von seiner Haushälterin erschossen aufgefunden. Bis zu seinem Tod pflegte er eine Beziehung mit seiner Jugendliebe, der frischverwitweten Prinzessin de V. – allerdings ohne dass sich die beiden im Verlauf der vergangenen fünf Dekaden jemals gesprochen hätten – Stattdessen schrieben sie sich täglich innige Liebesbriefe...

Ein sonnendurchflutetes Paris im Mai und ein Kommissar, der seine Liebe zu Madame Maigret wieder entdeckt – Der Roman liest sich so leicht, dass nichts auf die Schreibblockade seines Autors hindeutet. Mehr noch: Simenon fasste neuen Mut und griff seine ursprüngliche Idee wieder auf, bei der es sich um seinen Roman "Der Zug" handeln dürfte:

Als am 10. Mai 1940 die Deutschen mit dem Westfeldzug beginnen, beschließt der Rundfunkmechaniker Marcel Féron mit seiner Familie, aus dem Norden Frankreichs Richtung Süden zu fliehen. Er wird von seiner schwangeren Frau und Tochter, die in der ersten Klasse des titelgebenden Zuges unterkommen, getrennt und muss im Viehwagon reisen, wo er die deutsche Halbjüdin Anna Kupfer kennenlernt. Mit ihr erlebt er für die Dauer der Irrfahrt eine kurze, intime Liebesbeziehung, immer in der Gewissheit, dass sie keine gemeinsame Zukunft haben werden.

So unterschiedlich die beiden Romane auch scheinen, verbindet sie die gleiche helle, von einer Mai-Sonne durchflutete Atmosphäre und die Geschichte zweier Paare, die ihre Liebe unter unmöglichen Umständen (er-)leben. (Casjen Duzat)


Heinrich Böll, "Irisches Tagebuch" (1957): "Es gibt dieses Irland: Wer aber hinfährt und es nicht findet, hat keine Ersatzansprüche an den Autor." Das schrieb Heinrich Böll 1957 ins Vorwort des Klassikers für Fans der grünen Insel. Wie weit sich in den Kapiteln Fiktion und Erlebtes vermischen, ist schwer zu sagen, zumal Irland zu einem Zeitpunkt beschrieben wird, als es noch eines der ärmsten Länder Westeuropas in isolierter Randlage war. Den Hintergrund der Erzählungen bilden die Rückständigkeit der Infrastruktur, die traditionelle Religiosität der Iren und der Aderlass durch Auswanderung nach Großbritannien und Übersee. Dabei vermittelt Böll in der Beschreibung persönlicher Begegnungen einen teils schwermütigen, jedoch durchweg positiven Eindruck von Irland und den Iren.

Ich kann mich erinnern, beim Lesen einiger Passagen eine Gänsehaut bekommen zu haben, so sehr haben mich die Worte des Nobelpreisträgers gepackt. Ersatzansprüche muss ich an den Autor nicht stellen, denn bei verschiedenen Gelegenheiten habe ich das von ihm skizzierte Irland auch über 50 Jahre danach noch gefunden. Nicht in Gänze und nicht täglich, aber jeder kann ein wenig davon entdecken. (Thomas Vorwerk)


Bragi Olafsson, „Die Haustiere“ (2006): Ein Gefangener in den eigenen vier Wänden, das ist Emil. Der Protagonist in Bragi Olafssons Roman hat dieses Schicksal mehr oder weniger freiwillig gewählt. Mit Corona hat das Ganze nichts zu tun – das Buch stammt aus dem Jahr 2006. Grund für Emils Rückzug ist ein ungebetener Gast. Weil ihm nicht geöffnet wird, steigt dieser kurzerhand durchs Fenster. Emil findet unter seinem eigenen Bett Zuflucht und wird so zum stillen Beobachter verdammt. Ein Kammerspiel mit begrenzter Perspektive – schließlich erfährt der Leser nur das, was Emil sieht. Das ist naturgemäß aus der Versteckperspektive nicht viel. Glücklicherweise neigt der Eindringling zu Selbstgesprächen. „Die Haustiere“ ist eine äußerst ungewöhnliche und zugleich unterhaltsame Geschichte. Bei der übrigens auch drei – getötete – Haustiere eine Rolle spielen. Wenn's ein wenig bizarr sein darf, ist die Flucht unters Bett die richtige Wahl. Übrigens ist der Isländer Bragi Olafsson hierzulande womöglich mehr Menschen als Bassist der isländischen Band The Sugarcubes denn als Autor bekannt. (Kerstin Köhne)

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Welttag des Buches: Das sind unsere Favoriten - OM online