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Von Steinfeld in die Welt und zurück: Roggenkamp spielt in der Kleinen Galerie

Der Profi-Musiker überzeugte mit 16 Jahren beim Wettbewerb "Jugend musiziert" auf Bundesebene. Heute ist er 52 Jahre und erzählt, was ihn umtreibt und in die alte Heimat verschlägt.

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Volle Leidenschaft: Wolfgang Roggenkamp spielt auf einem Open-Air an der Hammond-Orgel. Foto: Umme

Volle Leidenschaft: Wolfgang Roggenkamp spielt auf einem Open-Air an der Hammond-Orgel. Foto: Umme

Musik war schon immer sein Leben: Mit 7 Jahren begann Wolfgang Roggenkamp, auf alten Waschmitteleimern Schlagzeug zu spielen. Keine 10 Jahre später durfte er sich Bundessieger des Wettbewerbs "Jugend musiziert" nennen, ehe er darauffolgend im Alter von 16 Jahren ein Musikstudium in Osnabrück startete.

52 Jahre ist Wolfgang Roggenkamp nun alt und hat viel erlebt. Doch besonders die jüngere Vergangenheit war für den Berufsmusiker eine schwierige Zeit.

"Angefangen hat alles in meinem Elternhaus in einem kleinen Zimmer im Keller, direkt unter der Küche", erinnert sich der Sohn eines Wiegemeisters aus Steinfeld und einer Schneiderin aus Mühlen. Dort durfte Roggenkamp in den 70er und 80er Jahren auf seinem ersten eigenen Schlagzeug spielen. Eine alte Beatles-Kassette seines Bruders hatte ihn zuvor auf den Geschmack gebracht. "Ich hab den ganzen Tag gespielt. Freiwillig habe ich den Keller selten verlassen."

1981 war dann Roggenkamps erster  Auftritt, bei "Mölms Thea" in Steinfeld (heute Steinfelder Hof). Der damals 11-Jährige war gemeinsam mit Jürgen Pöhlking (Farfisa-Orgel) der Pausenfüller eines Konzerts des Kolpingorchesters Steinfeld. "Damals hab ich 84 D-Mark von den Seniorinnen zugesteckt bekommen", sagt der Musiker und muss lachen. Eine schöne Erinnerung.

Kehrt für ein Konzert zurück in die Heimat: Am 5. August wird Wolfgang Roggenkamp mit seinem Trio Organics“ in der Kleinen Steinfelder Galerie auftreten. Foto: PollertKehrt für ein Konzert zurück in die Heimat: Am 5. August wird Wolfgang Roggenkamp mit seinem Trio „Organics“ in der Kleinen Steinfelder Galerie auftreten. Foto: Pollert

In dieser Zeit begann Roggenkamp, Musikunterricht zu nehmen. "Ich war ein Kind der Dinklager Musikschule", sagt der Steinfelder über sich selbst. Wenig später erlebte er sein erstes richtiges Jazz-Konzert: Er hörte den Drummer Elvin Jones im "Pumpwerk" in Wilhelmshaven.

Jones, Mitglied in einem Quartett der Jazz-Legende John Coltrane, wurde Roggenkamps Vorbild. "Das war ein magischer Moment. Ich habe Elvin Jones angeschaut und er lächelte mich immer wieder an. Ich saß den ganzen Abend direkt vor seiner Bass-Drum."

Doch auch der Nachwuchs-Drummer aus Steinfeld entwickelte sich weiter. Mit 16 Jahren nahm er am Wettbewerb "Jugend musiziert" teil. Bis ins Bundesfinale kam Roggenkamp und belegte in seiner Altersklasse einen ersten Platz. "Das war meine Fahrkarte raus aus dieser katholisch geprägten Region. Ich wollte mehr spielen als Kirchen- und Tanzmusik; nämlich Jazz, Rock und Blues", sagt der heute 52-Jährige. Schritt eins: Er zog für ein Studium der klassischen Musik nach Osnabrück.

Mit 18 dann ging es auf Tour. Roggenkamp schloss sich einer Big Band mit der Sängerin Silvia Droste an; es ging nach Dänemark. Ein Jahr später folgte eine große Südamerika-Tournee. Doch auch studiert wurde fleißig: An der Folkwang Hochschule in Essen machte Roggenkamp 1993 sein Schlagzeug-Diplom mit der Note 1,0. Zwischenzeitlich tourte er mit einer Big Band durch die Karibik, gründete sein erstes eigenes Trio und veröffentlichte seine ersten eigenen Kompositionen, unter anderem "African Blues".

Weitere Musikprojekte folgten. Dazu Studien am "Berklee College of Music" in Boston (USA) und die Arbeit als Musikschullehrer und Schlagzeugdozent. Viele Berühmtheiten lernte der Steinfelder kennen. Den mittlerweile verstorbenen Jazzmusiker Roger Cicero zum Beispiel, der für ihn zu einem Auftritt des Trios MC Hammond nach Osnabrück kam und als Gastsänger auftrat. Oder den Schauspieler Ben Becker, mit dem Roggenkamp 2001 auf Tour war.

Die Karriere startete am Schlagzeug: Roggenkamp spielte auch mit Jan Akkerman und Rob von den Ärzten zusammen. Foto: SoccoliDie Karriere startete am Schlagzeug: Roggenkamp spielte auch mit Jan Akkerman und Rob von den Ärzten zusammen. Foto: Soccoli

In jüngerer Vergangenheit spielte Roggenkamp auf einem Marteria-Song die Orgel. Das Gründungsmitglied und der Schlagzeuger von Deep Purple, Ian Paice, lobte nach einem Auftritt des Gregor Hilden Organ Trios auf dem Drums & Percussion Festival in Paderborn das Orgelspiel des Vollblutmusikers. Oft sendet er auch Drum-Tracks zu New Yorker Studios, wo er zum Beispiel mit dem Bassisten von Billy Idol oder dem Keyboarder von Bryan Adams, Jonny Mandel, zusammen zu hören ist.

Und Corona? "Anfangs war es sehr schwierig, als Musiker über die Runden zu kommen. Aber auch nach Corona erlebe ich jetzt eine Art von Kunstkrise in der Gesellschaft." Er sei dankbar für die einmalige Hilfe des Staates, sagt der 52-Jährige. Dennoch fühle er sich von der Politik oft im Stich gelassen: "An den Wochenenden spiele ich Konzerte und in der Woche gebe ich Musikunterricht. Ich habe das Gefühl, wir Musikerinnen und Musiker können fast nur noch im Sommer entspannt aufspielen und Geld verdienen. Während der Corona-Phase wurde uns die Arbeit verweigert und jetzt ist noch nicht wieder dieselbe Bereitschaft da, zu den Konzerten zu kommen. Viele scheinen entwöhnt zu sein."

Dennoch freue er sich über jeden Auftritt. Insbesondere auf das anstehende Gartenkonzert in seiner Heimat. Das seit 12 Jahren bestehende Trio "Organics" um Patrick Farrant an der Gitarre, Christian Schoenefeldt an den Drums und Wolfgang Roggenkamp an der Hammondorgel tritt am Freitag (5. August) um 19.30 Uhr in der von Roggenkamp wertgeschätzten Kleinen Steinfelder Galerie von Ute und David Beavan auf.

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