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Visbeks Kultur-Chefin Annelies Muhle geht – und bleibt doch

Die Kulturbeauftragte der Gemeinde ist seit dem 1. Mai offiziell im Ruhestand. Ein Leben in Vollzeitrente ist für sie aber nicht denkbar.

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Beeindruckende Chronik: Annelies Muhle hat alle Werbeplakate der Kulturkreisveranstaltungen als Miniaturausgaben in großformatigen Mappen verewigt. Foto: Albers/Gemeinde Visbek

Beeindruckende Chronik: Annelies Muhle hat alle Werbeplakate der Kulturkreisveranstaltungen als Miniaturausgaben in großformatigen Mappen verewigt. Foto: Albers/Gemeinde Visbek

Die große Bühne überlässt sie normalerweise anderen Leuten. Doch jetzt kam Annelies Muhle nicht umhin, selbst im Rampenlicht zu stehen. Denn Visbeks Kulturbeauftragte ist seit 1. Mai im Ruhestand, wenn auch mit einem kleinen „aber“: Sie bleibt weiterhin mit einigen Stunden als Kulturbeauftragte der Gemeinde im Dienst.

„Ich hab' Arbeit nie als Arbeit angesehen“, kommentiert die 64-Jährige ihre Entscheidung, weiterzumachen. In einer Feierstunde würdigte Bürgermeister Gerd Meyer Muhles Einsatz für die Gemeinde. „Es gibt Menschen, die ihre Arbeit machen – und es gibt Menschen, die eine Aufgabe mit Leben füllen – von Leidenschaft und unermüdlichem Engagement getragen“, sagte er. Auch Personalratsvorsitzender Christian Erdmann und Hauptamtsleiter Jörg Reinke fanden lobende
Worte für ihre Kollegin.

Annelies Muhle begann ihre Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Gemeinde Visbek am 1. August 1979. Nach dem erfolgreichen Abschluss wechselte sie zum Landkreis Vechta, wo sie bis 1984 im Hauptamt arbeitete, ehe es zur Gemeinde zurückging – als Nachfolgerin von Cäcilia Muhle. Die Einstellung sei „allein aus Kostengründen“ erfolgt, weil man sich dadurch ein neues Namensschild sparen konnte, habe ihr damaliger Chef, Gemeindedirektor Anton Fangmann, gerne gescherzt.

Erst zehn, heute dreimal so viele Leute

All die Jahre über war Annelies Muhle für das Melde- und Passwesen zuständig, irgendwann kam der Bereich Wahlen hinzu, bevor die Rechterfelderin schließlich 2003 zur ersten Kulturbeauftragten der Gemeinde Visbek ernannt wurde. Darüber hinaus ist sie seit 1993 Gleichstellungsbeauftragte.
„Ich habe das alles immer gerne gemacht“, sagt sie, mit allen Veränderungen und Entwicklungen, die dazugehören. Und das sind einige. Früher mussten beispielsweise alle Pässe per Hand geschrieben werden, ebenso die Wahlscheine. Einmal im Jahr wurden Lohnsteuerkarten an die Bürger ausgegeben. An diesem Tag, dem 20. September, galt eine Urlaubssperre.

Als sie Mitte der 1980er Jahre ihre Tätigkeit im Rathaus aufnahm, bestand das Team aus zehn Leuten, heute sind es dreimal so viele. „Am Anfang waren wir im Meldeamt zu zweit, Marianne Hitz und ich. Einer von uns musste immer da sein.“

Diese Zeit beschreibt Annelies Muhle als „etwas familiärer“. Vor allem in den vergangenen 10 Jahren habe es größere personelle Veränderungen gegeben; die meisten der Kollegen, mit denen sie seit den 1980ern oder 90ern zusammenarbeitete, sind jetzt im Ruhestand. Viele junge Kollegen sind nachgerückt, und auch die sorgen dafür, dass Annelies Muhle sich bei der Gemeinde wohlfühlt und sagt: „Ich mag das einfach gerne tun.“

„Ich hasse Veränderungen.“

Annelies Muhle

Mit „das“ meint sie insbesondere die Arbeit als Kulturbeauftragte. Als Anfang der 2000er unter Bürgermeister Heiner Thölke die Idee aufkam, die Kulturarbeit in der Gemeinde zu fördern, habe sie zunächst gesagt: „Ich habe von Kultur keine Ahnung.“ Trotzdem nahm sie den Job an, auch weil ihr eine Freundin den wertvollen Rat gab: „Du musst ja nicht alles mögen, aber es wird dich auch nicht dümmer machen.“ Heute sagt sie, dass dieser Tipp Gold wert war. „Ich durfte in all den Jahren so viele Menschen kennenlernen und neue Sichtweisen auf die Welt erfahren.“

Und so kann sie auf mittlerweile 23 erfolgreiche Jahre Kulturarbeit blicken. „Mein Wunsch war immer, dass ich ruhiger werde, aber das werde ich nicht“, sagt sie. Vielleicht ist das auch ein Grund für ihren Erfolg, denn die Kulturarbeit in Visbek ist weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt.
Die Arbeit als Kulturbeauftragte hat nicht nur ihr Arbeitsleben entscheidend verändert: 2010 lernte sie über den Kulturkreis ihren Lebensgefährten Hans-Bernd Hermes kennen. Auch dank seiner Unterstützung macht sie weiter, denn er gestaltet nicht nur die Werbemittel für die Veranstaltungen, sondern begleitet sie auch auf allen Fahrten und ist als Fotograf im Einsatz.

Wann sie endgültig in Rente gehen wird, weiß sie noch nicht. Sie will weitermachen, „so lange ich gesund bleibe“. Ein Leben in „Vollzeitrente“ ist für sie auch eigentlich nicht denkbar, denn das würde große Veränderungen mit sich bringen – und „ich hasse Veränderungen“, sagt sie scherzhaft.

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