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Unser Wochenend-Tipp: Wo in der Region ferne Galaxien ganz nah sind

Das All spielt in zwei Ausstellungen die Hauptrolle. „Up to Space“ gibt es in Bremen für Raumfahrtfans. In Oldenburg setzt sich „überAll“ künstlerisch mit dem Universum auseinander.

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Eine Ausstellung, die die Besucher umhaut: In „Up to Space“ erleben Abenteuerlustige zum Beispiel, wie schwierig es ist, mit der Schwerelosigkeit umzugehen. Foto: Universum Bremen

Eine Ausstellung, die die Besucher umhaut: In „Up to Space“ erleben Abenteuerlustige zum Beispiel, wie schwierig es ist, mit der Schwerelosigkeit umzugehen. Foto: Universum Bremen

Einen Ausflug in die Region mit einem Weltraumtrip verbinden? Beides ist derzeit möglich, wenn es nach Bremen oder Oldenburg geht. „Up to Space“ heißt die Sonderausstellung im Universum® Bremen, die noch bis zum 20. April Astronautik real und digital erlebbar macht. Im Horst-Janssen-Museum in Oldenburg können Besucher bis zum 15. Mai den zeichnerischen Kosmos Nanne Meyers entdecken.

„Up to Space“ im Universum® Bremen trumpft mit Originalgegenständen, Selbsttests und Wissen rund ums All auf. Umgeben von echtem Mondstaub und virtuellen Mondlandschaften können Gäste ab 10 Jahren an vielen Mitmachstationen dem Beruf des Raumfahrers nachspüren. Während die Ausstellung einen Bogen vom Flug ins All über ferne Planeten zurück zur Erde spannt, erfahren die Besucherinnen und Besucher Expertenwissen über das Leben und Arbeiten an Bord der ISS, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Mit einer eigens für das Universum® programmierten Augmented-Reality-App können sich Interessierte während des Ausstellungsrundgangs – und anschließend auch von überall aus – zusätzliche Informationen auf ihr Smartphone holen.

Für künftige Astronautinnen oder Raumfahrer sind ein guter Gleichgewichtssinn, Fitness und Stressresistenz wichtig. Wie gut diese Fähigkeiten bei ihnen ausgeprägt sind, können Besucher testen. Und dann wird's eng und ruckelig: Eine echte Sojus-Sitzschale veranschaulicht die begrenzten Platzverhältnisse beim Raketenstart – in einem Start-Simulator können die Ausstellungsgäste Platz nehmen.

Bärtierchen überleben trotz Strahlung, Schwerelosigkeit und Vakuum

Bilder vom Weltraumteleskop „Hubble“ mit einer Detailtiefe, wie sie noch vor wenigen Jahren undenkbar war, ermöglichen neuartige Blicke in die Weiten des Weltalls. Verblüffende Kleinstlebewesen namens Bärtierchen, die trotz Strahlung, Schwerelosigkeit und Vakuum im All überleben, verdeutlichen, dass Leben unter Extrembedingungen möglich ist und es sich lohnt, danach zu suchen. Wie Menschen im Weltraum leben und arbeiten, zeigt ein Ausstellungsbereich, der atmosphärisch der Internationalen Raumstation ISS nachempfunden ist: Dieser Arbeitsplatz hält beispielsweise einen rückstoßlosen Hammer bereit, zudem ist ein Originalschlafsack oder auch echte Astronautennahrung zu sehen.

In einer optisch rotierenden Röhre mit farblich wechselnden LED-Leuchten können die Ausstellungsgäste die Orientierungslosigkeit in Schwerelosigkeit nachempfinden, während eine spezielle Gerüstkonstruktion das verringerte Eigengewicht auf dem Mond simuliert. Eine VR-Brille macht einen virtuellen Spaziergang in einer kargen Mondlandschaft möglich. Meteoritengestein von Mond und Mars laden zum Berühren ein.

Freier Fall: So heißt dieses Werk der Künstlerin Nanne Meyer. Foto: Horst-Janssen-MuseumFreier Fall: So heißt dieses Werk der Künstlerin Nanne Meyer. Foto: Horst-Janssen-Museum

Um nichts Geringeres als das Universum geht es auch in der Ausstellung „überAll“ im Horst-Janssen-Museum in Oldenburg, wie die Bildtitel Quantenschaum, Freier Fall, DNA der Milchstraße verraten. Meyers aktuelle Arbeiten kreisen um das Weltall und die Frage: Wo bin ich in der Welt verortet? Das Wissen der Astrophysik mit ihren Denkmodellen und Thesen auf der einen Seite, und auf der anderen der Versuch, das eigene Verhältnis zur Welt mit zeichnerischen Mitteln auszuloten, bilden das Spannungsfeld für „überAll“.

Die Künstlerin war laut einer Pressemitteilung erstaunt, als sie erfuhr, dass der Titel „Quantenschaum“, den sie einer Reihe von großformatigen Zeichnungen gegeben hatte, in der Astrophysik gebräuchlich ist. In ihren Werken lässt die gebürtige Hamburgerin, die in Berlin arbeitet, große, weiße und gleichzeitig durchscheinende Kugeln vor schwarzem Grund aufleuchten.

Sterne entpuppen sich als winzige Buchstaben

In diesen transparenten Globen befinden sich Wesen, die in unterschiedlichen Entwicklungsstadien auf ihre Erweckung zu warten scheinen. In den Arbeiten „Freier Fall“ schweben sie schließlich frei im Raum und werden von verschiedenen Sphären angezogen. „Ein Vergleich mit Darstellungen des ‚Jüngsten Gerichts‘ drängt sich auf, mit dem Unterschied, dass sich in der kunsthistorischen Tradition das Auf- und Absteigen der Seelen nach eindeutigen Regeln vollzieht“, wird Museumsleiterin Dr. Jutta Moster-Hoos in einer Pressemitteilung zitiert.

Nanne Meyers Liebe zur Sprache eröffnet in vielen ihrer Werke eine zweite Ebene. Buchstaben und Wörter spielen im Kontext des "überAlls" eine wichtige Rolle, beispielsweise in den großformatigen Zeichnungen „Versteckte Texte“.

Von Weitem betrachtet, scheint man in ferne Galaxien im schwarzen Nachthimmel zu blicken. Geht man nah ans Bild heran, entpuppen sich die Sterne als winzige Buchstaben, mit weißem Stift gezeichnet und auf schwarzem Grund verstreut. Sie ergeben jedoch keine Worte und so stellt sich die Frage, ob im Universum womöglich noch andere als die menschlichen Sprachen existieren. Der Titel „Versteckte Texte“ deutet zudem an, dass hier eine Botschaft verborgen ist. Tatsächlich ist in jeder Zeichnung der gesamte Buchstabenvorrat eines Textes versammelt, so aus der Genesis der Bibel oder aus der Himmelskunde des Vorsokratikers Anaximander.


Fakten: 

  • „Up to Space“ in Bremen: Begleitend zur Ausstellung finden Aktivitäten und Veranstaltungen für jedes Alter statt.
  • Schulklassen können Forscherzeiten buchen und in den Unterricht integrieren.
  • Weitere Informationen zum gesamten Programm sind unter universum-bremen.de einsehbar.
  • Der Eintritt ist im Universum®-Ticket enthalten. Die Ausstellungstexte gibt es auf Deutsch, Englisch und Französisch.
  • „Up to Space – Raumfahrt im Universum®“ wurde gemeinsam mit dem französischen Luft- und Raumfahrtmuseum „Musée de l'Air et de l'Espace“ aus Paris entwickelt.
  • „überAll“ in Oldenburg: Einige Monate vor Ausstellungsbeginn hat das Museum Menschen zwischen 8 und 99 Jahren dazu aufgerufen, sich in Anlehnung an die Astrophysik als Kunstdeuter/in zu bewerben. Fachliche Voraussetzungen gab es keine. Forschungsreisenden gleich tauchten sie in zwei Workshops in das Werk von Nanne Meyer ein. Während der Ausstellung haben die Museumsgäste am 26. März, um 14 und 16 Uhr, Gelegenheit, sich von den Kunstdeuter/innen durch die Ausstellung führen zu lassen.
  • Der Eintritt ist frei.

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