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TV-Sender Arte schickt Jan-Henrik Scheper-Stuke unter die Sorben

Der aus Lohne stammende Berliner Krawatten-König verkörpert im Film den Großstadt-Dandy, der auf die ländliche Bevölkerung an der polnischen Grenze trifft. 2 unterhaltsame TV-Beiträge sind entstanden.

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In seiner Krawattenmanufaktur in Berlin: Jan-Henrik Scheper-Stuke. Foto: M. Niehues

In seiner Krawattenmanufaktur in Berlin: Jan-Henrik Scheper-Stuke. Foto: M. Niehues

Eigentlich sind noble Textilhändler in Italien seine bevorzugte Anlaufadresse. Einmal im Jahr fährt Jan-Henrik Scheper-Stuke dorthin, um seine neuen Kollektionen zu kreieren. Seit September 2019 hat der gebürtige Lohner, der von den Illustrierten als Berliner Krawatten-König gefeiert wird, immer wieder sein Atelier in der Hackeschen Höfen der Hauptstadt verlassen, um Sorben im ländlichen Brandenburg in der Nähe der polnischen Grenze aufzusuchen. Anlass ist ein Filmprojekt des TV-Senders Arte, das am 17. August in Berlin Premiere feiert und am 18. August im Fernsehen erstmals zu sehen ist.

"Ich bin total aufgewühlt", sagt Scheper-Stuke. "Das war ein spannendes Projekt." Er habe tatsächlich irgendwann zum Dorf dazugehört. 50 Sorben in traditioneller Tracht kommen jetzt zur Premiere mit 500 Gästen. Der Arte-Deutschland-Chef will alle empfangen. Zuvor muss Scheper-Stuke noch viele Interviews geben. Das Filmprojekt verursacht allerlei Rummel um seine Person. Ihm gefällt es. Er steht bekanntlich gerne im Rampenlicht.

„Village X“ nennt sich die neue Produktion

Doch der Reihe nach: "Village X" nennt sich die neueste Produktion der Berliner Filmproduktionsfirma "Weltrecorder" für die Sender Arte und RBB. Die Macher sprechen dabei von einem "innovativen Factual-Format", das sich den gesellschaftlichen Spannungen zwischen urbanen und ländlichen Regionen widmet. Egal ob Klimawandel, Rechtspopulismus oder soziale Gerechtigkeit, es gelte die Vorurteile zu durchbrechen, um echte Lösungen zu finden.

Allein unter den Sorben: Filmsequenz mit Jan-Henrik Scheper-Stuke. Screenshot: ArteAllein unter den Sorben: Filmsequenz mit Jan-Henrik Scheper-Stuke. Screenshot: Arte

Hinter der Idee stehen unter anderem die Grimme-Preisträger Simon Hufeisen und Dominik Bretsch. Diese kreierten eine Erzählform, die die Themen aufgreift, zugleich unterhält und den ländlichen Raum und seine Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die Macher entschieden sich für die sehr traditionsbewussten und Trachten liebenden Sorben und für Jan-Henrik Scheper-Stuke. Denn Hufeisen und Bretsch hatten schon einmal ein Portrait über den Krawatten-König gedreht. Als die beiden bei ihm anfragten, arbeitete er gerade in Italien für die nächste Kollektion. "Die haben da irgendwas von Sorben erzählt. Ich hatte selbst nach dem ersten Treffen keine Ahnung, was ich da genau machen soll", berichtet er.

„Am ersten Drehtag haben die mich richtig ins kalte Wasser geworfen.“ Jan-Henrik Scheper-Stuke

Der gebürtige Lohner wurde als Großstadt-Dandy in edlem Zwirn mit Kamerabegleitung auf die Sorben losgelassen. Er habe als Exot 300 Menschen gegenüber gestanden. "Das war auch für mich eine angespannte Situation", räumt er ein. Aber der, den sie für den schnöseligen Großstädter hielten, setzte seine Südoldenburger Waffen ein, um das Eis zu brechen. "Wenn du aus dem Landkreis Vechta kommt, kannst du saufen", sagt er. "Und ich habe gepichelt und gepichelt." Nach dem ersten Abend wurden Scheper-Stuke und der TV-Sender so die besten Freunde der Sorben.

Konnten ja nicht ahnen, dass der Berliner Krawattenkönig ein waschechter Südoldenburger ist: Scheper-Stuke kann picheln, was das Zeug hält. Foto: privatKonnten ja nicht ahnen, dass der Berliner Krawattenkönig ein waschechter Südoldenburger ist: Scheper-Stuke kann picheln, was das Zeug hält. Foto: privat

"Da ist wirklich tolle Geschichte entstanden", sagt er und hat zugleich die traditionellen sorbischen Trachten als Inspiration aufgenommen, um daraus eine neue Kollektion zu kreieren. Die will er aber erst am 19. September vorstellen. Zunächst konzentriert er sich auf die Premiere des zweiteiligen Films "Der Modemacher und die Sorben", der in Dissen in der Lausitz gedreht wurde. Entstanden ist ein humorvoller Clash zwischen geschniegeltem Großstädter und den traditionsbewussten Sorben. Im Kern setzen sich die Filmemacher mit der Frage auseinander, wie sich Traditionen und starke kulturelle Bindungen auf positive Weise bewahren lassen, ohne zum Nährboden für übersteigerten Nationalismus zu werden.

Der erste Teil Village X-Teil 1 wird bei Arte am 18. August um 23 Uhr gesendet, Village X-Teil 2 folgt direkt im Anschluss um 23.32 Uhr. Danach sind die Filme in der Arte Mediathek abrufbar.

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