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Spaziergang führt durch Brinkmanns Vechta

Professor Dr. Markus Fauser wandelt mit einem kleinen Stadtführer auf den Spuren des berühmten Schriftstellers. Das Booklet umfasst 13 Stationen.

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Literatur mit städtischem Bezug: Professor Dr. Markus Fauser (links), Bürgermeister Kristian Kater (rechts), Verwaltungsmitarbeiterin Carolin Feye und Werbefachmann Christian Bitter präsentieren das Booklet. Foto: Speckmann

Literatur mit städtischem Bezug: Professor Dr. Markus Fauser (links), Bürgermeister Kristian Kater (rechts), Verwaltungsmitarbeiterin Carolin Feye und Werbefachmann Christian Bitter präsentieren das Booklet. Foto: Speckmann

"Diese Füße, die gehen, existieren wirklich." Diese Worte stammen von Rolf Dieter Brinkmann. Er war nicht nur ein großer Schriftsteller, sondern auch ein begeisterter Spaziergänger. Viele Stunden lief er durch die Städte, in denen er lebte und über die er schrieb, ob Köln, London, Rom oder eben auch seine Geburtsstadt Vechta. Hier können die Menschen nun auf den Spuren des berühmten Sohnes der Stadt wandeln. Den Weg weist ein frisch gedrucktes Büchlein mit dem Titel "Durch Vechta mit Brinkmann - Ein literarischer Spaziergang".

Fauser beschäftigt sich seit 10 Jahren mit Brinkmann

Verfasser des Werkes ist Professor Dr. Markus Fauser. Der Leiter der Arbeitsstelle "Rolf Dieter Brinkmann" beschäftigt sich schon seit zehn Jahren mit dem Leben und Schaffen des Schriftstellers, der am 16. April 2020 seinen 80. Geburtstag gefeiert hätte. Dies war auch der Anlass für den Autor, gemeinsam mit der Stadt Vechta das Buchprojekt zu realisieren und damit einmal mehr die Verdienste der prominenten Persönlichkeit zu würdigen.

"Wir möchten die Menschen für die Person Brinkmann begeistern und Literatur-Interessierten einen spannenden Wegweiser an die Hand geben."Professor Dr. Markus Fauser

"Wir möchten die Menschen für die Person Brinkmann begeistern und Literatur-Interessierten einen spannenden Wegweiser an die Hand geben", sagt Fauser. Das Booklet entführt die Leser in die 1950er Jahre. Es erinnert an Orte und Gebäude, die für den jungen Brinkmann und seine Entwicklung prägend waren. Etwa das elterliche Wohnhaus am Kuhmarkt, die Eisdiele am Bremer Tor oder eine an der Marienstraße gelegene Mansarde von Jugendliebe Gisela Reinholz.

Für den Professor für Germanistische Literaturwissenschaft an der Universität Vechta haben solche Schauplätze eine große Bedeutung: "Literatur und Geografie gehören unmittelbar zusammen." Es gebe einen Bezug zwischen der kulturellen Arbeit und jenen Stellen, an denen die Akteure gelebt, gestritten und geliebt hätten. Auch Brinkmann habe in tagebuchartigen Aufzeichnungen von der immensen Bedeutung der Orte und Räume, an denen sich seine Erinnerung festmachte, berichtet.

Vechta habe unzählige Spuren in Brinkmanns Werken hinterlassen, auch wenn sie nicht immer sofort erkennbar seien, so Fauser weiter. Einige Gebäude wie das Gasthaus Hanekamp an der Großen Straße würden heute nur noch auf Fotos existieren, Straßenzüge ganz anders aussehen als vor mehr als 60 Jahren. Gerade deswegen ist der Spaziergang auch ein Stück Zeitgeschichte und für die ältere Generation besonders interessant.

Route führt an 13 Stationen in der Innenstadt vorbei

Die bebilderte Route führt quer durch die Innenstadt über die Große Straße, mit Abstecher zum Metropol-Theater an der Kolpingstraße, dann hinüber zu Liebfrauenschule und Gymnasien Antonianum, weiter zum Gut Welpe und schließlich zum katholischen Friedhof, wo der am 23. April 1975 verstorbene Schriftsteller seine letzte Ruhe gefunden hat. "Es sind alles Wege, die Brinkmann selbst sicher unzählige Male gegangen ist", sagt Fauser.

Die 13 Stationen laden den Leser dazu ein, einen Moment innezuhalten und sich in das Leben Brinkmanns hineinzuversetzen. Dabei liegen Freud und Leid eng beieinander, wie die Schilderung eines Auftrittes im Metropol zeigt. Dort glänzte der Heranwachsende in der Rolle eines Unteroffiziers in dem Theaterstück "Draußen vor der Tür". Doch mitten in den Proben starb seine Mutter an Brustkrebs. Es war die schlimmste Erfahrung seiner Jugend.

Emotionaler Auftritt im Metropol-Kino: Rolf Dieter Brinkmann spielt den Unteroffizier Beckmann in dem Theaterstück Draußen vor der Tür. Foto: Josef BrinkmannEmotionaler Auftritt im Metropol-Kino: Rolf Dieter Brinkmann spielt den Unteroffizier Beckmann in dem Theaterstück "Draußen vor der Tür". Foto: Josef Brinkmann

Um solche Ereignisse in Erinnerung zu rufen, hat Fauser ganz tief in den Archiven gestöbert. Viele Nachweise stammen aus dem erst vor kurzem publizierten Buch zur Geschichte Brinkmanns in Vechta bis Mitte 1959. Die Nachlässe haben auch Überraschungen ans Tageslicht befördert. Einem Brief aus dem Jahr 1958 hat der Autor entnommen, dass Brinkmann während seiner Oldenburger Zeit mehrfach gebeichtet haben soll. Diese Erkenntnis stehe im Gegensatz zu dem Bild des "Anti-Christen", das dem für seine provozierende Art bekannten Schriftsteller anhaftete.

"Vechta als Ort im Literaturatlas des Nordwestens war bisher noch weitgehend unbekannt. Wir können die Stadt jetzt darin endlich angemessen verzeichnen", bilanziert Fauser. Sein Dank gilt der Verwaltung für die Planung, Umsetzung und Finanzierung des Projektes sowie der Werbeagentur Bitter & Co. für die Gestaltung des Booklets im praktischen Taschenformat.

  • Info: Das Booklet „Durch Vechta mit Brinkmann - Ein literarischer Spaziergang“ ist in Rathaus, Tourist-Info und weiteren öffentlichen Einrichtungen kostenlos erhältlich.

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