Schüler ziehen Publikum mit eigenen Texten in ihren Bann
8 Schüler der Schreibwerkstatt des Vechtaer Gymnasiums Antonianum stellten in einer Lesung ihr Buch "Buntglasschatten" vor. Von Witz, über Melancholie, bis hin zur Politik war alles dabei.
Amanda Wurm benötigte nur ein Mikrofon und eine Ukulele, um knapp 100 Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. "Ich hasse" war Titel des Liedes, mit dem die Schülerin melancholisch, aber auch rebellisch über Alltagsärgernisse, -probleme und Wünsche sang. Das Publikum lauschte ihrem Vortrag nachdenklich. Nach dem letzten Akkord und dem Verstummen der Ukulele folgte nur eins: tosender Applaus.
Allerdings war das nur einer von insgesamt 41 Beiträgen der Premieren-Lesung ihres Buchs „Buntglasschatten“. 8 Schülerinnen und Schüler des Gymnasium Antonianums trugen diese ihren Freunden, Familien und Poesie-Begeisterten im Gulfhaus Vechta vor. So unterschiedlich wie die Autoren waren auch die Texte: Mal gab es Alltagssatire, dann Gedanken über Politik, aber auch Texte über Selbstfindung und Liebe. So lauteten die Titel der Gedichte und Texte unter anderem "Erinnerung an dich", "Sprengsatzkönig" und "Endstation". Neben Amanda Wurm steuerte auch Aleyna Köybasi musikalische Beiträge am Keyboard bei.
Trug den ersten Beitrag des Abends vor: Lina Weigel las "Betrübt". Es war nur einer von mehreren Texten, die sie beisteuerte. Foto: Pracht
2 Jahre Arbeit hatten die Gymnasiasten in ihr Herzensprojekt investiert: Dabei hatten sie Antworten auf Fragen gesucht wie etwa: "Was umgibt uns?" oder: "Was ist das Kleine, das uns groß erscheint, und das Normale, das eigentlich so abstrus ist?". Ihre Suche verarbeiteten sie schließlich in einem Buch. „Buntglasschatten“ heißt schließlich das Werk, dem sich die Teilnehmer der sogenannten Schreibwerkstatt der Schule verschrieben hatten. Es ist bereits das 10. Buchprojekt, das die Schreibwerkstatt und der Geest-Verlag gemeinsamen angefertigt haben. Alle 2 Jahre wird das gemeinsame Ergebnis veröffentlicht.
"Wir haben uns einmal pro Woche getroffen. Auf den Treffen geben wir uns einen gemeinsamen Impuls, zu dem wir anschließend die Texte verfassen. Diese tragen wir uns dann gegenseitig vor", erklärte Lara Robbers als Teilnehmerin der Schreibwerkstatt. Doch wie sucht man aus einer Fülle an Beiträgen die passenden aus, die sich später auch im fertigen Buch wiederfinden? "Das haben wir innerhalb von nur einem Wochenende während eines Herbergenaufenthalts gemeinsam entschieden", sagte die Schülerin.
"Wir haben uns auch keine Grenzen gesetzt, um das ausdrücken zu können, was wir empfinden"
Lara Robbers, Teilnehmerin der Schreibwerkstatt
Die Begeisterung am Projekt "Buntglasschatten" sieht sie in der Möglichkeit, mit dem Schreiben Emotionen verarbeiten zu können. "Jeder von uns hat eigene Gründe, weshalb er schreibt. Wir haben uns auch keine Grenzen gesetzt, um das ausdrücken zu können, was wir empfinden", führte Lara Robbers weiter aus.
Daher ist "Buntglasschatten" ein Sammelwerk: Neben Texten und Gedichten finden sich Illustrationen, die innerhalb der 2-jährigen Arbeitsphase von den jungen Autoren gestaltet wurden.
Die Schreibwerkstatt konnte das Buchprojekt schließlich in Zusammenarbeit mit dem Geest-Verlag in die Tat umsetzen. Verlagsleiter Büngen erklärte: "Wir müssen ihnen zuhören. Bücher müssen den Schülern als Sprachrohr dienen können." Er zeigte sich zudem vom Andrang und Interesse begeistert.
Info:„Buntglasschatten“ ist beim Geest-Verlag für 12 Euro erhältlich.
Die Teilnehmer der Schreibwerkstatt: (von links) Aleyna Köybasi, Tilda Kolhoff, Despoina Aisin Kelertzi, Inga Hagemann, Lina Weigel, Neo Götting, Amanda Wurm und Lara L. J. Robbers. Foto: Büngen