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"Rolf Dieter Brinkmann und die Religion" vollendet Brinkmann-Trilogie

Professor Markus Fauser stellt den 3. Teil seiner Literatur-Forschung rund um den in Vechta geborenen Schriftsteller vor. Auch bisher unentdeckte Nachlässe finden erstmals Berücksichtigung.

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Wollen das Bewusstsein für Rolf Dieter Brinkmann in der Gesellschaft weiter verankern (von rechts): der Autor des vorgestellten Buches, Professor Dr. Markus Fauser (Universität Vechta), Jutta Mehrpohl (Bürgerstiftung Vechta) und Bürgermeister Kristian Kater.    Foto: Fischer 

Wollen das Bewusstsein für Rolf Dieter Brinkmann in der Gesellschaft weiter verankern (von rechts): der Autor des vorgestellten Buches, Professor Dr. Markus Fauser (Universität Vechta), Jutta Mehrpohl (Bürgerstiftung Vechta) und Bürgermeister Kristian Kater.    Foto: Fischer 

Rolf Dieter Brinkmann und die Religion – dies scheint auf den ersten Blick weit voneinander entfernt zu sein. Umfangreiche Forschungsbeiträge dazu gab es bisher nicht. Professor Dr. Markus Fauser, der die Arbeitsstelle Rolf Dieter Brinkmann an der Universität Vechta leitet, hat sich nun ausführlich mit diesem Thema befasst und ein Buch dazu vorgelegt. Nach den Veröffentlichungen „Rolf Dieter Brinkmanns Fifties“ von 2018 und „Durch Vechta mit Brinkmann“ von 2020 bildet das neue Werk Fausers einen passenden Abschluss für die Forschungsreihe rund um den in Vechta geborenen Schriftsteller und seine Bildungsgeschichte.

Religiosität fand ungewohnte Wege des Ausdrucks in Brinkmanns Werken

Eingangs erklärte der Literaturwissenschaftler während der offiziellen Buchvorstellung im Vechtaer Rathaus, dass die Religiosität in Brinkmanns Werken sehr ungewohnte Wege des Ausdrucks erfahren habe. Brinkmann setzte sich demnach immer wieder mit der Religion auseinander, auch wenn er Probleme mit ihr gehabt habe. Fauser führte fort: "Das Image des Popliteraten der Religion grundsätzlich ablehnt, ist eine einseitige Betrachtungsweise."

Ein zentraler Aspekt in den Arbeiten Brinkmanns sei beispielsweise die "magische Präsenz von etwas Übersinnlichem" und der "aktive Zwiespalt von Selbstzweifeln", so Fauser. Zudem könne man feststellen, dass Brinkmann öfter Bibelzitate in seinen Werken verwendete und teilweise sogar ganze Gedichte auf biblische Szenen bezogen habe. Das Gedicht über eine Begegnung mit Graham Bonney zum Beispiel habe deutliche Parallelen zu der biblischen Emmaus-Geschichte. Außerdem habe Brinkmann ausschließlich in katholischen Städten gelebt. Viele weitere Beispiele für das komplizierte Verhältnis zwischen Brinkmann und der Religion lassen sich in "Rolf Dieter Brinkmann und die Religion" nachlesen. 

Neu-erworbene Nachlässe werden erstmals in der Brinkmann-Forschung berücksichtigt

Ein Highlight bei der Forschung sei zudem die Einbeziehung bisher unberücksichtigter Nachlässe. Dank der Hilfe finanzieller Spenden konnte Fauser im Rahmen seiner Forschung mehrere Nachlässe erwerben, die in der Forschung bisher unbeachtet und teilweise unentdeckt geblieben waren.

In diesen bisher unberücksichtigten privaten Briefen, die Brinkmann unter anderem an Familienmitglieder gesendet habe, werde beispielsweise auch von Gottvertrauen gesprochen. Aus ihnen gehe auch hervor, dass Brinkmann im Oldenburger Münsterland eine Beichte ablegte, er aber mit der Antwort des Priesters nichts anzufangen wusste. Diese neuen Einblicke ließen erkennen, dass Brinkmanns Verhältnis zur Religion zwar problematisch zu sein schien, Religion aber dennoch direkten Einfluss auf seine Werke gehabt habe, auch wenn er es nicht direkt in seinen Veröffentlichungen erwähne.  

Ausstellung der Forschungsgegenstände in der Universitätsbibliothek Vechta geplant 

Die Stadt Vechta hat das Projekt mit einer Bezuschussung von 3000 Euro gefördert. Auch die Bürgerstiftung Vechta, die Stiftung der Landessparkasse zu Oldenburg und die Alte Oldenburger haben sich beteiligt. Fauser dankte bei der offiziellen Buchvorstellung allen Beteiligten für diese Fördermittel.

Im Rahmen der Forschung um Brinkmann plane man zudem eine Ausstellung in der örtlichen Universitätsbibliothek, die voraussichtlich im April oder Mai stattfinden solle. Auch die neu erworbenen und bisher unbekannten Nachlässe sollen in diesem Rahmen ausgestellt werden. Ziel der Forschung um Brinkmann sei es, die Bildungsgeschichte Brinkmanns im Nachfeld aufzuarbeiten und so weiter im Bewusstsein der Gesellschaft zu verankern. Der Standort Vechta spiele dabei eine zentrale Rolle, da der Schriftsteller hier geboren wurde und die Anfänge seiner Sozialisation vor Ort erlebte. 

  • Info: „Rolf Dieter Brinkmann und die Religion“ von Markus Fauser ist im niedersächsischen Wallstein-Verlag erschienen und kostet 20 Euro (ISBN: 978-3-8353-5182-0).

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