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Petra Reichert schreibt die Geschichten des Lebens auf

Die Autorin aus Vechta hat diverse Corona-Ratgeber und Romane verfasst. Sie habe ihre Berufung gefunden - auch wenn sie noch einiges lernen müsse.

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Ist unter die Autoren gegangen: Die in Oythe aufgewachsene Petra Reichert. Foto: Brauns-Bömermann.

Ist unter die Autoren gegangen: Die in Oythe aufgewachsene Petra Reichert. Foto: Brauns-Bömermann.

Im März 2020 hat die Autorin Petra Reichert ihren 19-seitigen Ratgeber „Corona!...du kannst mich mal“ online gestellt. Inzwischen ist er nicht mehr erhältlich, Reichert will den spontanen Schrieb in die Auskopplung „Angst?...du kannst mich mal“ aus ihrer Kurz-Ratgeber-Serie „Gedankenspuk?...“ einbauen.

Die in Vechta geborene und derzeit noch in Sulingen wohnhafte Autorin beschäftigt sich von Beginn der Pandemie mit deren Auswirkungen auf die Menschen. Mitte Juli 2021 veröffentlicht Reichert auf 16 Seiten ihre Schrift „Soziale Phobie nach dem Lockdown“ und beschreibt darin, wie besonders alleinstehende Menschen sehr unter dem Lockdown gelitten haben und von der Sehnsucht, endlich wieder ein normales Leben führen zu können. Laut Reichert ist das Leben unterdrückt von der Angst, anderen oder sich selbst Schaden zuzufügen.

Sie hat aufgeschrieben, was sie selbst beschäftigt, was aus ihr Sicht die Distanz wegen Corona zwischen den Menschen aus Ihnen macht. „Nicht das Virus steht im Mittelpunkt und auch nicht die Politik“, beteuert sie. „Ich sehe Corona als Gefahr und habe Respekt davor.“ Geimpft ist Petra Reichert bis jetzt nicht, lässt sich aber testen. 

„Ich kann besser, ich werde besser.“Petra Reichert, Autorin

Der Weg bis zu ihrem bisherigen Gesamtwerk mit mehr als sechs Romanen und diversen Ratgebern ist mit Hindernissen und Fehlern gepflastert, sagt sie selbst. Ihr Ziel ist, perfekt zu werden im Schreiben „Ich kann besser, ich werde besser“, kommentiert sie selbstbewusst mit Blick auf die Rezensionen ihrer Bücher. Mit den Ratgebern möchte sie Empathie vermitteln. Insgesamt spricht sie die Zielgruppe Ü35 an, erhalte aber auch von den 40- bis 71-jährigen Lesern positive Rückmeldungen.

Aktuell launcht die Autorin ihren fiktionalen Roman „5 of Santa Clarita“ und erklärt, dass sie über ihre Ratgeber zum Roman gekommen sei, darin jetzt ihre Ratschläge transportiert und sich nicht auf ein bestimmtes Genre festlegen wolle. „Das Leben schreibt so viele Geschichten, ich schreibe sie auf.“ Seit Corona sei sie noch isolierter, verlasse kaum noch das Haus und schreibt mit Stift in den Block. „Später spreche ich die Texte ein.“

Beim Blick zurück auf die vergangenen zehn Jahre stellt sie fest: „Es war ein harter Weg. Ich musste gegen viele Vorurteile ankämpfen, aber ich werde niemals aufgeben. Ich habe meine Berufung gefunden. Ich will nur schreiben, es muss raus, ich hab' noch so viel zu sagen.“ Was sie nicht könne, wäre, ein Exposé zu schreiben. Das verlangten aber die meisten Verlage vor der Veröffentlichung. So verbreitet sie ihre Bücher im Eigenverlag.

Der Stoff für ihre Thriller, Fiktionen und Liebesgeschichten gingen ihr nicht aus: „Ich beobachte Menschen, fahre regelmäßig in große Städte wie Berlin, Düsseldorf oder nach Holland dazu.“ Ihr aktueller Traum ist eine neue Wohnung wieder in Vechta „Mein Herz schlägt dort“, sagt die in Oythe sozialisierte Frau. „Ich bin eben ein echtes Stoppelmarkt-Kind.“ Ihr Heimweh treibt sie aus Sulingen zurück in die Heimat. Von dort aus würde sie gerne mal hier, mal dort hinreisen. Das ist die abgespeckte Version des Traums der 47-jährigen Reichert mit zwei Kindern.

Ihre Geschichte erinnert an ein Auswanderer-Format

Sie hatte kurz vor dem ersten Lockdown im Februar 2020 ihr Elternhaus in Vechta veräußert, ihr gesamtes Mobiliar verkauft oder verschenkt, die Boxen für ihre zwei Hunde bestellt, um mit ihrer Tochter nach Kanada auszuwandern. „Ich bin ein spontaner Mensch“ unterstreicht sie. Ein wenig klingt ihre Geschichte wie das TV-Format „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“, im Gespräch mit ihr schwingt Mut, Aufbruchstimmung und die Stärke, das Unterfangen durchzusetzen, mit. Allerdings geht das derzeit nicht für sie.

Dass die Vechtaerin in Sulingen wohnt, ist auch so eine Geschichte. „Ich habe mein Elternhaus verkauft. Unsere Planung sah vor, bis August das Haus zu übergeben, keine leichte Aufgabe, wenn drei Haushalte aufzulösen sind.“ In dieser Zeit hatte ihre Tochter (26 Jahre) die Idee zum Auswandern. Erst sollte es Island sein, dann Grönland, die Wahl fiel auf Kanada. „Da gibt es unsere vier Jahreszeiten und schreiben kann ich überall“, erläutert Reichert.

Petra Reichert ist eine Schnellschreiberin

Die zwei hatten bereits konkrete Pläne: Die Metropole Hamilton (Ontario) sollte es werden. „Wir hatten unsere zwei Hunde durchgeimpft, meine Tochter hatte ihr Work-and-Travel-Visum. Beide planten erst zu reisen, übergangsweise in ein Motel zu ziehen, um vor Ort eine Immobilie zu suchen.

Dann ging nichts mehr wegen Corona, der Traum vom Auswandern war geplatzt. Stattdessen saß Reichert in der Wohnung in Sulingen mit Bett, Tisch und Campingstuhl. Ihr fehle nichts, da ihr Lebensmittelpunkt das Schreiben sei, sagt sie. Ihre gesamte Kraft steckt sie in ihre Bücher. Sie ist eine echte Schnellschreiberin, habe sich lange Zeit nicht getraut, die Bücher zu veröffentlichen. Dann habe sie im Marketing ihrer Werke so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen könne.

„Mir diese Niederlage einzugestehen war eine sehr schwere Zeit für mich. Aber nach jedem Tief kommt auch wieder ein Hoch.“ Was ihr wichtig ist: „Ich schalte mich mit ins Buch ein, stelle Fragen an die Leser mit offenem Ausgang. Bücher sollen zum Denken anregen.“

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