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Per Direktflug ins brasilianische Radio

Der Neustart der Lohner Indie-Pop-Band Jacob Fortyhands war mit "Daisy" erfolgreich. Ab Freitag ist die Debüt-EP "A Life On The Chase For Gold" im Handel.

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Blick nach vorne: Till Hoping, Carsten Holzenkamp, Lukas Heitmann, Hendrik Becker und Jakob Heitmann (von links). Foto: Sam Straka

Blick nach vorne: Till Hoping, Carsten Holzenkamp, Lukas Heitmann, Hendrik Becker und Jakob Heitmann (von links). Foto: Sam Straka

Welcher Ort eignet sich für ein Musikvideo, das perfekt in die Sommerzeit passt? Die mallorquinische Küste geht natürlich immer: Strand, Meer, Sonne – das erzeugt automatisch eine passable Grundstimmung. Es riecht dann allerdings auch schon verdächtig nach einem willkürlichen Sommerhit aus der Feder von Dieter Bohlen. Drei Akkorde, nichts dahinter. Ganz nach dem Motto: Die Musik ist ätzend, aber immerhin sieht es gut aus. Besser ist es dann aber doch, wenn allein schon die Akustik überzeugt. Und wenn dann noch kreative Bewegtbilder dazukommen, stimmt alles.

Der Gedanke an den Flugplatz in Bad Pyrmont im Weserbergland sorgt im ersten Moment nicht für Luftsprünge, aber die Lohner Indie-Pop-Band Jacob Fortyhands hat sich zum Dreh trotzdem genau dorthin gewagt. Heraus kam dabei das Video zu "High Tides" – einem von drei brandneuen Songs auf der EP "A Life On The Chase For Gold" ("Ein Leben auf der Jagd nach Gold"). Der Tonträger, der insgesamt sechs Titel enthält, ist ab Freitag (12. Juni) im Handel.

"Eigentlich hatten wir ein anderes Video-Konzept", verrät Sänger Lukas Heitmann. Eigentlich – dieses Wort hat in Corona-Zeiten Hochkonjunktur. Und dennoch lässt sich leicht nachvollziehen, wie sehr diese Pandemie einer aufstrebenden Band wie Jacob Fortyhands auf die Nerven gehen muss. Die EP sollte längst erschienen sein. Begleitend war ein gutes Dutzend an Live-Auftritten geplant, um weiter Werbung zu machen.

Es kam anders, und deshalb wurde auch die Veröffentlichung von "A Life On The Chase For Gold" auf unbestimmte Zeit verschoben. "Da waren wir ja noch ganz am Anfang der Pandemie. Und keiner wusste, wie lange das anhält. Aber jetzt weiß ja keiner, ob in diesem Jahr überhaupt noch mal Normalität einkehrt", sagt Lukas Heitmann. Mit diesem Gedanken im Kopf entschieden sich die Lohner doch dazu, die EP zu releasen.

"Schatz, ich lad‘ dich vom Erlös zum Essen bei McDonald's ein, aber die Getränke musst du übernehmen."Sänger Lukas Heitmann über die Spotify-Einnahmen

Es passt zur DNA der Band: Stillstand ist Rückschritt, vorwärts immer, rückwärts nimmer. Auf längere Pausen hat keiner Lust. So wollte man sich auch auf dem erfolgreichen Neustart nicht ausruhen. Im September war die Single "Daisy" erschienen. Der Ohrwurm wurde mittlerweile knapp 215.000 Mal auf Spotify gehört. Bei Lukas Heitmann entflammt diese Zahl ein "gutes Gefühl. Man denkt dann nicht: Oh scheiße, egal was wir machen, uns hört ja eh keiner."

Aber eine Fünftelmillion Klicks sorgt nicht für Jubelstürme, zumal finanziell wenig bis gar nichts dabei rumkommt. Es ist kein Geheimnis: Pro Stream zahlt Spotify 0,004 Euro – das ist nur ein bisschen mehr als nichts. Oder wie der Sänger lachend schlussfolgert: "Schatz, ich lad‘ dich vom Erlös zum Essen bei McDonald's ein, aber die Getränke musst du übernehmen."

Ihre Musik wird auch im Ausland gehört: Jacob Fortyhands. Foto: Sam StrakaIhre Musik wird auch im Ausland gehört: Jacob Fortyhands. Foto: Sam Straka

Ein Festessen wird es für das Lohner Quintett also vorerst nicht geben, aber die EP soll weitere Türen öffnen. Es geht in erster Linie darum, im Haifischbecken Musikbusiness mehr Reichweite zu bekommen, Gehör zu finden. Bislang hat das ganz gut geklappt. Die meisten treuen Hörer kommen aus dem Oldenburger Münsterland, aber auch in Hamburg oder Berlin ist Jacob Fortyhands dem einen oder anderen ein Begriff. Und: "Daisy" lief sogar schon im brasilianischen Radio. Lohner Indie-Pop an der Copacabana – erwärmende Gedanken.

Die Wirkungsstätte bleibt aber erst mal Norddeutschland. So ging es passenderweise beim Videodreh vom Weserbergland aus bis zur Nordseeküste. Wie geplant im Fünferpack: Ende vergangenen Jahres schloss sich Keyboarder Till Hoping der Band mit Lukas Heitmann (Gesang, Gitarre), dessen Bruder Jakob (Bass), Carsten Holzenkamp (Schlagzeug) und Hendrik Becker (Gitarre) an.

Mit dem Fahrrad auf dem Flugplatz: Das Lohner Quintett beim Videodreh in Bad Pyrmont. Foto: Sam StrakaMit dem Fahrrad auf dem Flugplatz: Das Lohner Quintett beim Videodreh in Bad Pyrmont. Foto: Sam Straka

Neben den schon veröffentlichten Songs "Daisy", "Great Heights" und "Motion" sind auf der EP drei brandneue Lieder enthalten: "Chase For Gold", "Straighten Up" und eben "High Tides". Sie alle vereint der typische Jacob-Fortyhands-Stil: beschwingte Musik mit nachdenklichen Texten. "Auf der Lyrik-Ebene ist es sehr persönlich, es geht um zwischenmenschliche Themen", sagt Lukas Heitmann. Er singt und schreibt die Texte, die Musik entsteht dann im Gemeinschaftsprozess.

Aufgenommen wurde die komplette EP bei Fattoria Musica, dem Osnabrücker Label, bei dem Jacob Fortyhands seit 2019 unter Vertrag steht. Aktuell nimmt die Band schon wieder die nächsten Songs auf, in diesem Jahr wird es wohl noch weitere Veröffentlichungen geben. Und dann soll es bald auch wieder mit Live-Auftritten klappen. Doch auch 2021 wird es schwierig bleiben, weil die meisten abgesagten Festivals ihr Programm mit ins nächste Jahr nehmen. Eines ist dennoch sicher: Früher oder später wird Jacob Fortyhands wieder auf der Bühne stehen. Ob nun in Lohne, auf Mallorca, in Bad Pyrmont oder an der Copacabana.

  • Info: Die EP ist direkt bei der Band erhältlich – Kontakt über Instagram oder Facebook. Auch auf Amazon kann der Tonträger bestellt werden.

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