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"Nabucco" in Löningen: Auf das Brummen folgt der feine Gesang

Die Prager Festspieloper bringt am 6. August Verdis Oper mit dem berühmten Gefangenenchor in der Hasestadt auf die Bühne. Für den Geschäftsführer des Stadtmarketings eine logistische Herausforderung.

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Leidenschaftlicher Auftritt: Der biblische Herrscher Nabucco (Richard Haan) und weitere Sänger der Prager Festspieloper bringen Verdis Erfolgsoper auf die Bühne – in Löningen am 6. August. Foto: Prager Festspieloper

Leidenschaftlicher Auftritt: Der biblische Herrscher Nabucco (Richard Haan) und weitere Sänger der Prager Festspieloper bringen Verdis Erfolgsoper auf die Bühne – in Löningen am 6. August. Foto: Prager Festspieloper

So etwas hat das kleine Löningen noch nie und das Oldenburger Münsterland nur selten erlebt: Eine ganze Operncrew, die samt Ausstattung angebrummt kommt. Die Sänger und Musiker bringen die Erfolgsoper „Nabucco“ von Giuseppe Verdi unter freiem Himmel auf die Bühne. Am 6. August (Samstag) ist es so weit: Am frühen Morgen um 3 Uhr wird dann der erste Sattelschlepper der Festspieloper Prag den Marktplatz der Hasestadt erreichen. Zeitlich genau getaktet werden sieben weitere Sattelzüge eintreffen. Mit den fünf Tourneebussen, in denen die Sänger, Musiker und die weiteren Mitarbeiter der Festspieloper anreisen, erhöht sich der Fuhrpark, der den Mittelpunkt des 14.000 Seelenortes ansteuert.

Das Spektakel haben die Löninger dem Geschäftsführer ihres Gewerbevereins/Stadtmarketings, Jörn Willen, zu verdanken. „Ich habe sofort ,hier' geschrien“, erinnert er sich an den Besuch eines Seminars, bei dem die Frage nach einem geeigneten Spielort gestellt wurde. Da dachte er noch, alles würde wie von selbst laufen. Schließlich werden die zwei Bühnen – eine für die Sänger, die andere für das Orchester –, die Bestuhlung für das Publikum und alles weitere Equipment von der Festspieloper Prag angekarrt.

In der Oper geht es um Liebe und Macht mit der dazugehörigen Portion Dramatik

„Einmal bin ich dann aber doch kurz ins Schwimmen gekommen, als mir klar wurde, was wir alles erfüllen müssen.“ Längst aber hat Willen wieder festen Boden unter den Füßen: „Parkplätze sperren, neue Parkmöglichkeiten schaffen, Teile der Fußgängerzone sperren“ – die ganze Koordination wann, wie und wo kann Willen längst nicht mehr schocken. Er hat einen festen Ablauf-Plan, was die gesamte Organisation rund um diesen besonderen 6. August betrifft.

Mit perfekter Organisation hat die Oper „Nabucco“ von Giuseppe Verdi (1813 bis 1901) allerdings nichts zu tun. Vielmehr läuft zwischen den Akteuren einiges drunter und drüber: Es geht um Liebe und Macht, angereichert mit der gehörigen Portion Dramatik. Der Gefangenenchor im Stück um den babylonischen König Nabucco ist weltberühmt. Mit ihm traf Verdi den Nerv seiner Landsleute. „Va, pensiero, sull' ali dorate“ (Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen) wurde sofort ihre heimliche Nationalhymne. Mit „Nabucco“ feierte Verdi 1842 einen rauschenden Triumph.

Sorgt für den perfekten Ablauf: Jörn Willen. Foto: privatSorgt für den perfekten Ablauf: Jörn Willen. Foto: privat

Auf Ähnliches hofft 180 Jahre später Willen für Löningen. Dort wird es für 1200 Opernfreunde Plätze geben. Der Kartenvorverkauf laufe gut. Willen ist optimistisch, dass die Nachfrage noch weiter steigt: „Es werden jetzt von Woche zu Woche mehr Leute, die keine Lust mehr haben, zu Hause zu sitzen.“ Dass die Oper auch Gäste aus dem Umland in den äußersten Südwesten des Oldenburger Münsterlandes zieht, davon ist Willen überzeugt.

Ursprünglich sollte „Nabucco“ bereits 2021 in Löningen aufgeführt werden – wegen Corona wurde daraus aber nichts. Von dieser Geißel scheinen die Veranstalter in diesem Sommer zumindest vorübergehend befreit. Und anders als die Gefangenen auf der Bühne darf sich das Publikum auch auf gute Verpflegung freuen. Zwei Gastronomen werden auf dem eingezäunten Areal mit Getränken und Canapés vertreten sein. Ob es den Profis der Prager Festspieloper ähnlich geht wie Jörn Willen? Der jedenfalls bekennt schon jetzt – knapp acht Wochen vor dem Aufführungstermin – ein bisschen aufgeregt zu sein, „und die Spannung steigt“. Spätestens wenn der erste Sattelschlepper planmäßig in den Ort brummt, dürfte sie sich legen.

  • Info: Tickets im Vorverkauf gibt es in Löningen in der Tourist-Info und im Reisebüro Bednarzyk in drei Preiskategorien (ab 54 Euro) oder unter www.paulis.de. Karten, die für den verlegten Termine 2021 gekauft wurden, gelten jetzt für den 6. Augst 2022. Die Open-Air-Aufführung beginnt um 20 Uhr.

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