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Lucy Diakovska lebt ihren Traum - trotz Corona

Im Interview mit OM online spricht die Sängerin über ihren Auftritt auf dem Dinklager Musical Festival, ihre zukünftigen Projekte - und über das Künstler-Leben in der Corona-Krise.

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Lucy Diakovska stand in der Erstausgabe der TV-Show "The Masked Singer" als "Oktopus" auf der Bühne. Foto: dpa/Kaiser

Lucy Diakovska stand in der Erstausgabe der TV-Show "The Masked Singer" als "Oktopus" auf der Bühne. Foto: dpa/Kaiser

Lucy Diakovska wird am Samstag (1. August) beim ersten Konzerte des Dinklager Musical Festivals auf dem Schützenplatz in Dinklage auftreten. Die Sängerin ist seit ihrem Durchbruch mit den "No Angels" eine Konstante in der Musikbranche. In den letzten 20 Jahren hat sie vieles ausprobiert: Solo-Veröffentlichungen als "Lucylicious", verschiedenste TV-Sendungen, Live-Auftritte und Engagements bei diversen Musicals ("Buddy", "Jekyll & Hyde", "Cats"). Für Lucy ist Musik wie atmen. Sie ist immer mit dem Herzen dabei und möchte die Menschen berühren.

Was dürfen wir denn von Ihnen am kommenden Samstag erwarten?

Eine sehr schöne Reise durch die Musicalwelt! Bei so einem Event werden Musicaldarsteller zusammengewürfelt, die sehr unterschiedlich sind, was ihre Stimme, ihre Persönlichkeit und ihr Wesen anbelangt. Aber genau das sind die Voraussetzungen für einen musikalisch vielfältigen Abend, also von klassischen bis hin zu rockigen Songs. Ich selbst singe Lieder aus "We will rock you" oder etwa "Les Misérables".

Ah, für welches Lied aus "Les Misérables" haben Sie sich entschieden?

"I Dreamed a Dream".

Ein toller Song, aber "Les Misérables" ist sowieso ein hervorragendes Musical.

Es ist ein außergewöhnliches Musical mit einer klaren Geschichte samt historischem Hintergrund, der das Ganze so glaubwürdig macht. Zudem haben Musicals wie "Miss Saigon", "Les Misérables" oder "Jekyll & Hyde", die in den 1980er und Anfang der 1990er Jahren entstanden sind, eine starke musikalische Präsenz - vor allem dank ihrer kräftigen Popstücke mit großen Orchestern. Eine sehr prägende Ära der Musicalgeschichte.

Die Sie anscheinend sehr beeindruckt hat, so begeistert wie Sie davon erzählen?

Auf jeden Fall. Ich habe ja bei "Jekyll & Hyde" mitgespielt; 2004 zusammen mit Yngve Gasoy-Romdahl. Dabei konnte ich die Kraft dieser musikalischen Ära richtig spüren. Natürlich wird das Ganze bei der bevorstehenden Musicalnacht kräftig durcheinander gemischt, um die ganze Vielfältigkeit dieser bunten Musicalwelt abzubilden. Ich meine, Musicals blicken auf eine über 100-jährige Geschichte zurück; das moderne Musical entstand in den 1920er Jahren in New York. Mit George Gershwin, Cole Porter, Leonard Bernstein oder Andrew Lloyd Webber – um nur vier zu nennen - prägten unglaubliche Komponisten die Welt des Musicals.

Zusammen mit dem Darsteller Yngve Gasoy-Romdal spielte Lucy Diakovska im Musical Jekyll & Hyde mit. Foto: dpaCarstensenZusammen mit dem Darsteller Yngve Gasoy-Romdal spielte Lucy Diakovska im Musical "Jekyll & Hyde" mit. Foto: dpa/Carstensen

Gibt es für Sie ein Musical, das praktisch alles verkörpert, was das Genre attraktiv macht?

"Cats"! Ganz eindeutig "Cats". Das Stück verfügt über unglaubliche und dabei ganz unterschiedliche Songs – von jazzig bis hin zu folkloristisch. Gerade von Tempus und Takt teilweise auch sehr typisch für die bulgarische Folklore. Andrew Lloyd Webber hat das bereits in den 1970er Jahren in den meisten seiner Stücke verwendet. "Cats" hat irgendwie alles. Sowohl was weibliche als auch männliche Musicalstimmen anbelangt, und dann kommt noch das tänzerische – von Jazz bis Ballett - hinzu. Alles ist enthalten. Ich durfte 2002 in Stuttgart in "Cats" mitwirken. Damals wurde für mich wirklich ein Traum wahr. Ich kenne keinen Musicaldarsteller, der zudem tänzerisch begabt ist, der sich nicht wünschen würde, einmal in seinem Leben den "Jellicle Ball" auf der Bühne zu tanzen.

Was erwarten Sie denn von dem Konzertabend am nächsten Samstag?

Ich denke, ich werde dort Menschen treffen, die offen und bereit dafür sind, diesen großen Schritt zu gehen. Es ist, denke ich, für uns alle eine verwirrende und oft beängstigende Zeit. Vor allem ist noch nicht abzusehen, ob und welche Auswirkungen die ganzen Kontaktbeschränkungen auf unser künftiges Verhalten und entsprechende Konzerterlebnisse haben werden. Für mich als Künstlerin ist gerade die Nähe zum Publikum das Wichtigste. Es ist das Großartigste von der Bühne herunterzugehen und den Menschen nah zu sein.

Wie sollte man in einer solchen Situation miteinander umgehen?

Ich selber habe in dieser Pandemiezeit einen Menschen verloren, der dachte, es gibt keinen Ausweg, keine Hoffnung mehr. Ich bin der festen Überzeugung, dass es wichtig ist, sich mitzuteilen. Diese Zeit der Kontaktbeschränkungen hat einen Trend zur Verschlossenheit noch verstärkt, und ich hoffe ganz stark, dass wir als Gesellschaft wieder einen Weg finden, offener zu werden.

Heute erwartet man von jemanden, dass er mutig ist, um ein Konzert zu besuchen. Das ist doch falsch. Man sollte sich auf so ein Ereignis freuen und ihm nicht ängstlich entgegensehen. So sollte Musikgenuss nicht aussehen. Ich habe gerade in Karlsruhe für drei Tage "Tussipark" gespielt - unter Beachtung aller Hygieneregeln. Es war ausverkauft. Diese Menschen haben gegrölt und mitgelacht. Da ging mir das Herz auf und ich dachte: 'Vielleicht wird alles nicht so schlimm.' Daher glaube ich, dass diese fünf Samstage in Dinklage zeigen werden, ob die Menschen Kunst brauchen.

Aber wie bereiten Sie sich denn vor und stimmen sich mit den vier anderen Künstlern ab?

Wir treffen uns einen Tag vor dem Konzert und werden dann einen halben Tag proben. Gerade die gemeinsamen Lieder, damit wir genug Zeit haben, uns aufeinander einzustimmen. Und bis dahin bereitet sich natürlich jeder alleine vor. In der Regel kennen wir Musicaldarsteller die Lieder und wissen, ob ein Song zu uns passt oder nicht, so dass wir auch eine Alternative vorschlagen können. Und so entsteht, in der Diskussion miteinander, nach und nach die Playliste für den Abend. Eigentlich bastelt man bis zur Generalprobe an dem Programm, sprich an der Reihenfolge der Lieder. Das hängt oft sehr stark von der Bühnenpräsenz und dem Vortrag der einzelnen Teilnehmer ab. Das macht das Ganze aber auch so spannend.

Jetzt treten Sie am 1. August mit Andreas Bieber, Katherine Mehrling, Daniel Jakobs und Florian Hinxlage auf. Wie schätzen Sie diese denn ein? Gibt es Überschneidungen und dadurch vielleicht eine bestimmte Richtung für den Abend?

Ich denke, ich werde am Samstag eher für die wildere Stimmung sorgen. Katherine Mehrling ist etwas klassischer aufgestellt. Andreas ist sehr vielfältig. Letztlich wird es wie bei mir sein: Wir zeigen unsere ganze Bandbreite. Prinzipiell singe ich rockiger, aber mit "I dreamed a dream" auch eine der tollsten Balladen. Ich kenne nahezu keinen Musicaldarsteller, der auf eine Richtung festgelegt werden könnte. Wir sind musikalisch sehr offen, um in unterschiedliche Rollen schlüpfen zu können. Das ist schon fast ein Muss.

Sie selbst haben ja auch viel ausprobiert. Mit den "No Angels" im Popbereich international Erfolge gefeiert, in zahlreichen Musical eine der Hauptrollen gespielt und noch vieles mehr. Was hat Ihnen künstlerisch am meisten Spaß gemacht, oder lässt sich das eigentlich nicht vergleichen?

Das ist eigentlich nicht zu vergleichen. Es gibt Musicals, die sind wirklich einmalig und wenn man es schafft, dort dabei zu sein, dann ist das wie ein Ritterschlag. In Bulgarien habe ich die großartige Gelegenheit, ausschließlich mit großen Philharmonien zu arbeiten und das ist mit nichts zu vergleichen. Andererseits ist ein Stadionkonzert mit den "No Angels" und tausenden von kreischenden Fans ebenfalls ein unvergleichliches Erlebnis. Aber künstlerisch sind diese beiden Dinge nicht zu vergleichen.

Beides also Erfahrungen, die Sie nicht missen möchten?

Ja. Die "No Angels" vermisse ich tatsächlich sehr. Vor allem die Band. Gerade mit Blick auf die künstlerischen und menschlichen Seiten. Aber nicht nur für uns, sondern auch für die Fans. Die "No Angels" entstanden Anfang der 2000er in einer Umbruchzeit, und die Band hat mit ihrer Musik viele Menschen in dieser Zeit begleitet. Dadurch wurden wir ein Teil des Lebens der Menschen. Und genau das macht für mich diese Zeit am wertvollsten.

Wo stehen Sie heute künstlerisch? An welchem Projekt arbeiten Sie aktuell und was dürfen wir in Zukunft von Ihnen erwarten?

Ich arbeite sehr stark als Konzertpromoterin. Für mich selbst und eine der großen Philharmonien organisiere ich das Marketing, die PR und die Konzerte in ganz Bulgarien. Dann habe ich gerade ein großartiges Projekt mit Musicalkünstlern wie Charlotte Heinkel, Beatrix Reiterer, Sascha Krebs, Ingve Gasoy-Romdahl und John Partridge organisiert: "The Best of Andrew Lloyd Webber" mit 130 Musikern in Chor und Orchester. Eine Mega-Konzertproduktion, die ich komplett alleine gestemmt habe. Das war wirklich eine tolle Aufgabe.

Und gerade habe ich erfahren, dass ich eine staatliche Unterstützung vom Kulturministerium bekomme, um als erste nicht staatliche Produzentin in Bulgarien ein Musical zu produzieren, das heißt: Ich beginne im Oktober als Produzentin und künstlerische Leiterin die Aufführung des Musicals "Rent" vorzubereiten.

  • Info: Das erste Konzert des Dinklager Musical Festival findet am Samstag (1. August) statt. Es wird keine Abendkasse geben. Karten sind im VVK für 39 und 49 Euro erhältlich. Das Konzert beginnt um 20.15 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter www.dinklager-musical-festival.de.

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