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Junge Autorinnen reflektieren das Leben mit Corona

Das gemeinsame Buch gibt Einblick in die Gefühlswelt. Verleger Alfred Büngen aus Langförden spricht von einem "faszinierenden literarischen Gemälde".

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Das frisch gedruckte Werk in den Händen: Carina Göbel aus Visbek ist eine der 6 Autorinnen, die zu dem Gemeinschaftswerk zusammengefunden haben. Foto: Büngen

Das frisch gedruckte Werk in den Händen: Carina Göbel aus Visbek ist eine der 6 Autorinnen, die zu dem Gemeinschaftswerk zusammengefunden haben. Foto: Büngen

Die Aktivitäten unter dem Dach des Geest-Verlages mit Sitz in Langförden haben etwas Verbindendes: 6 junge Autorinnen schlossen sich im vergangenen Jahr zusammen, um mit einer Lesung ihr literarisches Miteinander zu intensivieren. Doch die Pandemie machte ihren Plan zunichte. Die Gruppe ließ aber nicht nach in ihrer literarischen Aktivität. Sie kommunizierte im Netz miteinander. So entstand jetzt ein Buch mit literarisch wertvollen Reflexionen des Lebens junger Menschen mit Corona. Der Titel: „In die Zeit gefiltert“.

Zum Autorenteam gehört Carina Göbel aus Visbek. Sie ist durch die Schreibwerkstatt des Gymnasium Antonianum in Vechta zur Schriftstellerei gekommen. Inzwischen kann die 25-Jährige einige Erfolge vorweisen. Sie hat bereits 2013 den Nachwuchspreis der Berner Bücherwochen gewonnen und ein Jahr später ihren Lyrik- und Kurzprosa-Band mit dem Titel „Erinnerungsprisma“. Nun widmet sie sich der Pandemie. Dabei geht es um Wut, um stille Schreie und um geballte Fäuste.

"Ich wollte die stille Fassungslosigkeit, die viele von uns in der aktuellen Situation haben, zu Wort bringen und publik machen.“Autorin Carina Göbel aus Visbek

„Ich wollte die stille Fassungslosigkeit, die viele von uns in der aktuellen Situation haben, zu Wort bringen und publik machen“, schildert Göbel ihre Motivation. Sie hat ihre Gedanken in Worte gefasst und spiegelt damit die Gefühle vieler Menschen wider, die durch den Lockdown ein Stück weit vereinsamen. Durch ihre Arbeit im Gesundheitswesen gewinnt die pharmazeutisch-technische Assistentin eine zusätzliche Perspektive auf Corona.

Interessante Kombination auf 140 Seiten: Das Buch enthält neben den Texten auch zahlreiche Illustrationen.Interessante Kombination auf 140 Seiten: Das Buch enthält neben den Texten auch zahlreiche Illustrationen.

Auch Thalia-Anna Hampf schildert ihre Gefühle und Eindrücke in der Pandemie. „Die Sonne pflanzt Frust vor verschlossenen Türen“, schreibt die 20-jährige Vechtaerin, die zurzeit Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim studiert. 2018 legte sie ihre erste eigenständige Veröffentlichung mit dem Titel „Zehenspitzenleben“ vor. Neben der Beteiligung an mehreren Projekten initiierte sie ein Schreibprojekt mit kenianischen Waisenkindern.

Zu den weiteren Autoren gehört Laura Jünemann. Die 20-jährige Vechtaerin studiert Psychologie an der Universität Mainz. Ihre erste eigene Publikation „Im Mondkleid Tränen sonnen“ erschien 2018. Im selben Jahr belegte sie außerdem den ersten Platz des Jugendliteraturpreises Vechta. Ihre Leidenschaft für das Schreiben ist für sie eng verknüpft mit der Liebe zu Musik und Natur.

Antonia Uptmoor, 1995 in Quakenbrück geboren, entdeckte bereits in der zweiten Klasse das Schreiben für sich. Das erste Mal intensiv damit beschäftigte sie sich in der Schreibwerkstatt des Gymnasium Antonianum. Die Arbeit mündete in dem Buch „Aus Farbstürzen“ sowie einigen Veröffentlichungen im Rahmen von Anthologie-Ausschreibungen.

Wie Menschen in „überflüssigen Sätzen ertrinken“

Auch Rieke Siemon aus Diepholz schreibt, seitdem sie im Kindergarten ihre Liebe zu Buchstaben und Worten entdeckt hat. Nach der Teilnahme an verschiedenen Schülerakademien und Schreibwerkstätten sind es inzwischen hauptsächlich Lyrik und Kurzprosa. Die Doktorandin der Germanistischen Sprachwissenschaft in Münster greift in ihrem aktuellen Beitrag das Thema Mitleid auf und spricht davon, wie Menschen in „überflüssigen Sätzen ertrinken“.

Zu guter Letzt: Luisa Maureen Chilinski, die in Herne geboren wurde und die Schulzeit in Vechta verbrachte. Sie schreibt seit ihrer frühen Jugend und fand wie viele der andere Autoren auch zur Schreibwerkstatt des Gymnasium Antonianum. Im Geest-Verlag erschien 2017 ihr Band „Fühler fallen nicht vom Himmel“. Neben der Literatur gilt ihre Leidenschaft vor allem der Tanz- und Luftakrobatik.

6 junge Autorinnen aus einem Verlag, aus einer Region in einem Buch, das gibt es wahrscheinlich nur selten. Auf den 140 Seiten finden sich neben den Texten auch zahlreiche Illustrationen und Fotos. Sie stammen von Nils Dieckmann, Savanna Franz, Carina Göbel, Frederik Kreyenborg, Christin Lampe und Linda Tessarek.

Verleger lobt Austausch in der Schreibgruppe

Verleger Alfred Büngen lobt das frisch veröffentlichte Gemeinschaftswerk. Es sei ein faszinierendes literarisches Reflexionsgemälde einer Zeit, in der junge Autorinnen einen „Berührungszirkus in Quarantäne“ erleben. Mit dem Begriff habe Luisa Maureen Chilinski ihren Beitrag geprägt. Zugleich sei das Buch ein Dokument eigenständigen literarischen Schaffens junger Menschen.

Was den Nachwuchsförderer aus Langförden besonders freut, ist die Tatsache, dass die Beteiligten trotz der weit verstreuten Wohn- und Arbeitsorte eine Schreibgruppe bilden und sich über ihre Texte austauschen. „Sie haben ohne Anleitung gearbeitet und sich untereinander unterstützt“, lobt Büngen. Es sei ein ganz besonderes Projekt, auch in der bundesweiten Literaturszene, entstanden.

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