Nein, erholt hat sich das Industriemuseum Lohne noch nicht. Die Kultureinrichtung spürt die Nachwehen der Corona-Pandemie noch deutlich, konstatiert die hauptamtliche Museumsleiterin Ulrike Hagemeier. Ihr ehrenamtliches Pendant Benno Dräger, gleichzeitig Vorsitzender des Trägervereins, versprüht dennoch Optimismus für 2023. "Die Besucherzahlen zum Jahresstart waren gut. Die Vorführung der Dampfmaschine mit Dr. Ludger Deters am vergangenen Sonntag hat beispielsweise 104 Gäste ins Museum gezogen."
Etwa 8500 Besucher registrierte das Industriemuseum nach eigenen Angaben im abgelaufenen Jahr. 2019, also vor Beginn der Pandemie, waren es etwa 12.000. Dieses Niveau wollen die beiden Museumsleiter wieder erreichen – und die Zahl möglicherweise noch steigern. "Der in Corona-Zeiten fertiggestellte Vortragsraum und der Anbau bieten uns ganz neue Möglichkeiten", sagt Dräger und ergänzt, dass in diesem Zuge auch der Altbau technisch und in puncto Brandschutz überholt wurde.
Um die Besucher anzulocken, setzt das Industriemuseum 2023 unter anderem auf Aktionstage. "Einfach so kommen die Leute seltener ins Museum. Wir müssen schon etwas anbieten", stellt Dräger fest. "Wir sind ein Haus der Kultur und möchten die Hemmschwelle für alle Altersgruppen und Kulturkreise abbauen."
Das Industriemuseum ist ein außerschulischer Lernort
Eine Möglichkeit ist es nach Worten von Hagemeier, die 36 Maschinen im Museum stärker in den Fokus zu rücken, ihre Mechanik und Funktionsweise anschaulich zu demonstrieren – wie es bei der Dampfmaschine zuletzt vorbildlich gelang. Dies soll im Magazin am Südring ebenfalls erfolgen, beispielsweise am Museumstag.
Ein weiterer Baustein ist es laut der Leiterin, die Gruppen und Vereine noch enger an das Industriemuseum zu binden und die Schulen und Kindergärten für das Angebot des Industriemuseums als außerschulischem Lernort zu begeistern. Dabei stellt Hagemeier grundsätzlich fest, dass in Folge der Pandemie keine Verluste zu beklagen waren. Auch die vielen Ehrenamtlichen hätten dem Museum treu zur Seite gestanden. "Dafür möchten wir uns bedanken. Die Ehrenamtlichen sind unser wahrer Schatz", sagt Dräger.
„Die Schau ruft zum Dialog über die damalige Zeit auf.“
Ulrike Hagemeier, Leiterin des Industriemuseums Lohne
Ein Höhepunkt war 2022 fraglos die Eröffnung der Sonderausstellung "Festhalten oder loslassen", die Lohne und die Region in den 1950er und 1960er Jahren in den Blick nimmt. Die Galerie Luzie Uptmoor widmete sich parallel demselben Zeitraum. "Die Schau ruft zum Dialog über die damalige Zeit auf", sagt Hagemeier, für die auch die erneute Verleihung des Museumsgütesiegels ein Meilenstein war.
Die aktuelle Sonderausstellung läuft noch bis Mitte Oktober. Anschließend widmet sich eine Schau erneut den Weihnachtsbräuchen und Krippen, bevor Anfang 2024 die Wanderausstellung "Freunde – Helfer – Straßenkämpfer. Die Polizei in der Weimarer Republik" des Polizeimuseums Nienburg in Lohne gastiert. Anschließend folgt die große Sonderausstellung "Lebenswege – Migranten in Lohne in den 1960er und 1970er Jahren".
Diese Schau eröffnet dann eine neue Museumsleitung. Denn Ende September geht Ulrike Hagemeier nach Jahrzehnten in den Ruhestand. Mit der personellen Zäsur ist auch eine strukturelle Veränderung verbunden. Denn die haupt- und ehrenamtliche Museumsleitung sollen wieder miteinander vereint werden. Benno Dräger bleibt der Einrichtung aber als Vereinsvorsitzender weiter erhalten.