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Herbert Bley macht sich ein Bild von Staatschefs, Macht und Missbrauch

Der Böseler Künstler erinnert sich angesichts des Ukraine-Krieges an zwei von ihm gemalte Werke aus 2014. Auch 8 Jahre später haben beide an Aktualität nicht verloren. Im Gegenteil.

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Verzweiflung: Der Mann, den Künstler Herbert Bley malerisch mit einem Absperrband gefesselt hat, könnte für einen einfachen ukrainischen Bürger stehen.   Foto: Wimberg

Verzweiflung: Der Mann, den Künstler Herbert Bley malerisch mit einem Absperrband gefesselt hat, könnte für einen einfachen ukrainischen Bürger stehen.   Foto: Wimberg

Sie tragen zwar ein rot-weißes Absperrband als Augenbinde, doch sind sie klar zu erkennen: Russlands Staatschef Wladimir Putin und der frühere US-Präsident Barack Obama. Verewigt in Öl auf Leinwand. „Macht macht mächtig Angst“, ist noch schemenhaft auf der zerrissenen Kulisse zu lesen. „Die Scharfmacher“, sprich das, was von ihren Buchstaben auf den grauen, schäbigen Fetzen noch übrig geblieben ist, offenbaren sich dem Betrachter in fetten tiefschwarzen Buchstaben als eine Art Titel.

Herbert Bley saß vor dem Fernseher und verfolgte den Krieg in der Ukraine, als er sich an sein Werk aus dem Jahr 2014 erinnerte. Gemalt für eine Ausstellung des Friesoyther Kunstkreises zum Thema „Bildstörung“ und zu einer Zeit, als der bewaffnete Konflikt in Osteuropa wenige Monate alt war.

Bleys Botschaft: Staatschefs von Supermächten dürfen weder blind sein noch werden, müssen sich ihre besondere Verantwortung bewusst machen sowie vorsichtig und umsichtig handeln und verhandeln. Ebenso wie ein Absperrband für Gefahr steht, könnten auch sie, die an den Schalthebeln der Macht sitzen, ihre Macht missbrauchen und damit für Gefahr und globale Zerrissenheit stehen.

Putin und Obama: Verbunden mit der Botschaft, Macht nicht zu missbrauchen sowie nicht blind zu sein und zu werden. Foto: WimbergPutin und Obama: Verbunden mit der Botschaft, Macht nicht zu missbrauchen sowie nicht blind zu sein und zu werden. Foto: Wimberg

Der eine weitaus mehr als der andere, vor allem, weil er will, sein politisches Operieren keiner demokratischen Verfassung oder Kontrollfunktion unterliegt und Freiheit für ihn nicht viel mehr als ein Pinselstrich ist. Putins Krieg in Osteuropa ist der Beweis für ein autokratisches Machtgefüge, angestrebt von einem Diktator als Alleinherrscher, „der offenbar blind vor Wut ist und nicht mehr rational denkt und agiert“, unterstreicht der Böseler und zeigt ein weiteres Werk, das damals wie heute von seiner Aktualität nichts verloren hat und die Seite der Opfer symbolisiert: ein verzweifelter Mann als einfacher Bürger, der vom mehrfach ihn umschlingenden Absperrband gefesselt und gefangengenommen wurde und der Gefahr nicht entfliehen kann.

Mit zerfurchtem Gesicht fasst er sich hoffnungslos mit beiden Händen an den Kopf, aus seinen Augen spricht die blanke Angst. So wie sie aus vielen Ukrainern in diesen Tagen spricht.

Kein gutes Gefühl hat auch Herbert Bley im knapp 2000 Kilometer entfernten Deutschland. Dass es zu einem Krieg kommt, damit habe er nicht gerechnet, und hofft, dass „der Wahnsinn“ bald ein Ende haben wird. „Narben und Nähte werden jedoch bleiben“, zeigt sich der frühere Rektor der Böseler Oberschule überzeugt. „Und die Welt wird eine andere sein“, fügt er hinzu.

Böseler Künstler möchte Demokratie nicht missen

Angesichts der Fernsehbilder werde ihm täglich bewusster denn je, „auf welch hohem Niveau wir manches Mal klagen und wie froh wir sein können, in diesem Land zu leben“, sagt der 70-Jährige. Durch die Krise und die damit verbundenen Konsequenzen „werden wir in finanzieller Hinsicht auch Opfer bringen müssen“, vermutet er. Darüber hinaus Flüchtlinge aufzunehmen, sei selbstverständlich. „Auch das schaffen wir“, führt er in Anlehnung an Angela Merkels möglicherweise berühmteste Worte an. Auf welchen Ebenen auch immer: „Ich bin bereit, meinen Beitrag zu leisten und möchte die Demokratie, die wir haben, nicht missen.“

Würde er sein Bild der Präsidenten aktualisieren wollen, würde er nicht nur Obama gegen Biden austauschen, sondern viele weitere Staatschefs hinzufügen. „Sie alle tragen eine große Verantwortung, nicht nur für ihr Land, sondern immer auch für die Welt.“

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