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Heimathaus Lindern "beherbergt endlich wieder schöne Dinge"

Der Kunst- und Kulturverein Lindern eröffnet nach langer coronabedingter Pause eine Ausstellung mit Werken des Künstlers Herbert Blazejewicz aus Hude.

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Vernissage: Der Künstler Herbert Blazejewicz (2. von links) mit dem Vorstand des Kunst- und Kulturvereins: (von links) Vorsitzender Karsten Hage, Jutta Gerdes, Christiane Schulte, Stefan Schute, Volkmar Grigull und Anna Glowienka. Foto: Siemer

Vernissage: Der Künstler Herbert Blazejewicz (2. von links) mit dem Vorstand des Kunst- und Kulturvereins: (von links) Vorsitzender Karsten Hage, Jutta Gerdes, Christiane Schulte, Stefan Schute, Volkmar Grigull und Anna Glowienka. Foto: Siemer

Gut 2,5 Jahre nach der bislang letzten Kunstausstellung im Frühjahr 2020, die zudem wegen der Corona-Pandemie abgebrochen werden musste, hatte der Kunst- und Kulturverein Lindern am Wochenende zu einer Ausstellung eingeladen. Er sei froh, dass das Heimathaus am Marktplatz mit den Bildern und Objekten des in Hude lebenden Künstlers Herbert Blazejewicz "endlich wieder schöne Dinge beherbergt", sagte der Vorsitzende des Vereins und Bürgermeister, Karsten Hage. Noch bis Ende Oktober hätten die Räume, die normalerweise neben der Präsentation von Kunst auch für Veranstaltungen genutzt werden, als zentrales Corona-Testzentrum der Linden-Apotheke gedient.

Als aufschlussreiche Einführung in die Arbeiten ließ der Verein den Künstler selbst zu seinen Werken zu Worte kommen. Vorstandsmitglied Stefan Schute interviewte ihn dabei zu den Stichworten Biografie, verwendeten Materialien, die Bedeutung von Licht und zum Thema Dialog. Dabei zeigte sich der 80-Jährige als ruhiger, sich zurücknehmender Künstler. Vor allem auf etliche seiner ausgestellten Objekte bezogen, erklärte er in Anlehnung an einen berühmten Satz von Pablo Picasso, dass er nicht auf der Suche sei, sondern finde.

Objekte statt Skulpturen

Er sei vor allem aufmerksam, Dinge und Gegenstände zu finden und dabei zu prüfen, ob sie ästhetisch vielleicht sogar bis zur Poesie brauchbar seien durch Weiterentwicklung und Hervorheben charakteristischer Elemente. Als Beispiele nannte er einen nur teilweise bearbeiteten Balken aus seinem in den 1970er Jahren abgebrannten Haus oder ein von ihm entdecktes Stück Mooreiche mit einem Kobold-Gesicht, dass er vervollständigt habe. Er spreche daher auch nicht von Skulpturen, sondern von Objekten, da er nicht um einen Materialblock herum arbeite.

Generell bevorzuge er sowohl für die Bilder wie für die Objekte statt "schreiender, greller Farben" in seinen Bildern "ruhige, gedeckte Töne". "Meine Dinge sollen stiller daherkommen, ich brauche dieses Lautstarke nicht, ich will mit meinem Material auch dialogisch arbeiten." In seinen Erläuterungen zu seiner Vita erzählte der im ersten Beruf gelernte Industriekaufmann und spätere Lehrer, dass er durch seinen damaligen Kunstlehrer schon früh angefangen habe, zu zeichnen. Sein Talent sei vielleicht ein Erbteil seines Urgroßvaters, der im Sudetenland als Glasmaler gearbeitet habe.

"Meine Dinge sollen stiller daherkommen, ich brauche dieses Lautstarke nicht, ich will mit meinem Material auch dialogisch arbeiten."Herbert Blazejewicz

Sein erstes konkretes, in einem Hafen gemaltes Bild sei leider wie viele seiner früheren Werke beim Brand des Hauses zerstört worden. Als Lehrer habe er das damals neu eingeführte Fach Arbeitslehre/Wirtschaft mit aufgebaut und dafür auch mit dem Schulbuchverlag Klett zusammengearbeitet. Um nicht nur in der Freizeit und den Ferien künstlerisch tätig sein zu können, habe er sich Anfang der 90er Jahre beurlauben lassen, um sich ganz auf die Malerei und dem Fertigen seiner Objekte zu konzentrieren.

2003 habe seine erste große Ausstellung im Stadtmuseum Oldenburg stattgefunden. Herbert Blazejewicz erläuterte, dass er stets relativ vielfältig sei, was die Auswahl der verwendeten Materialen angehe, wenn er sich aber auf eines konzentriere, dann entstünden oft Serien. Ihn fasziniere Transparenz, daher gehöre Acryl zu seinen Lieblingsmaterialien, denn es lasse sich bei vergleichsweise leichtem Gewicht schneiden, schleifen sowie miteinander und mit anderen Materialien verbinden.

Als wunderbares Material für seine Bilder, mit dem er gern arbeite, nannte er Asche. Mit seiner riesigen Farbbandbreite von Weiß über hunderte Grautöne bis hin zu tiefem Schwarz sei dieses Material äußerst farbintensiv. Da es aber schlecht an senkrechten Wänden halte und sich auch nicht dauerhaft einreiben lasse, habe er eine eigene Methode mit einer ganz normalen Küchenrolle entwickelt, um diese riesige Farbenvielfalt zu konservieren und so für seine Werke nutzen zu können.

Zwei weitere Veranstaltungen geplant

Auf zwei weitere Veranstaltungen wies Karsten Hage anschließend hin: Am 9. Dezember (Freitag) liest Dr. Heinrich Dickerhoff aus Cloppenburg "Märchen für Erwachsene", wobei er von Maurice Stevens, der bereits bei der Vernissage dabei war, am Klavier begleitet wird. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr. In der Pause gibt es Glühwein in der benachbarten Büterschen Uhrmacherwerkstatt.

Für den 11. Dezember (Sonntag) lädt der Verein alle Interessierten ins „Künstlercafé“ in die Ausstellung ein. Ab 15 Uhr führt der Maler selbst die Besucher durch die Ausstellung und erläutert die zwischen 2006 und 2022 entstandenen fast 70 Arbeiten.

  • Info: Die Ausstellung ist bis zum 18. Dezember mittwochs von 15.30 bis 18 Uhr, samstags und sonntags jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

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