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Geest-Verlag ist nach Visbek umgezogen und zeigt dort "Lyrik bei Frau Holle"

Der Verlag für engagierte Literatur plant für 2023 über 60 Neuerscheinungen und weitere Veranstaltungen. Langfristig möchte Inhaber Alfred Büngen zudem wieder selber zur Feder greifen.

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"Lyrik bei Frau Holle": Autoren des Geest-Verlages präsentieren ihre Arbeit in Visbek. Foto: Heinzel

"Lyrik bei Frau Holle": Autoren des Geest-Verlages präsentieren ihre Arbeit in Visbek. Foto: Heinzel

Der Geest-Verlag ist seit Ende 2022 in Visbek ansässig und hatte jetzt mit der Lesung „Lyrik bei Frau Holle“ eine Premiere in der Nordkreisgemeinde. Dort traten Autoren des Verlages auf und gaben einen kleinen Einblick in ihr lyrisches Schaffen. „Lyrik ist die Konzentration auf das Wesentliche, sowohl sprachlich als auch inhaltlich“, sagt Alfred Büngen. Der 68-Jährige gründete 1989 zusammen mit einem Freund den Verlag in Ahlhorn. 2000 zogen der Verlag und der gebürtige Remscheider eher durch Zufall nach Langförden. Eigentlich sollte es nach Goldenstedt gehen. Und nun, über 20 Jahre später, bot sich zufällig in Visbek die Gelegenheit, den Geest-Verlag in einer eigenen Immobilie unterzubringen.

„Lasst uns an einem Strang ziehen, sagten die Ängste, und legten der Freiheit eine Schlinge um den Hals!“Thomas Bartsch

Das Event „Lyrik bei Frau Holle“ zeigt das Selbstverständnis des Verlages. Lyrik könne der Gesellschaft helfen, sich auf entscheidende Dinge zu konzentrieren, so Alfred Büngen. Autoren kämen in der aktuellen Zeit nicht umhin, Stellung zu beziehen und sich etwa über diese Literaturform zu äußern. Thomas Bartsch formulierte in seinem Vortrag beispielsweise Folgendes: „Lasst uns an einem Strang ziehen, sagten die Ängste, und legten der Freiheit eine Schlinge um den Hals!“ 

Die Veranstaltung bei Frau Holle zeigt ebenfalls, warum Alfred Büngen sein Unternehmen „Verlag für engagierte Literatur“ nennt, denn der Verleger möchte Werke publizieren, die „gesellschaftliche Problemstellungen thematisieren und einen demokratischen Hintergrund haben“. Extremistischen Positionen werde er keine Plattform geben.

Sigune Schnabel ist eine der meist ausgezeichneten Lyrikerinnen Deutschlands und Autorin des Geest-Verlages, so Alfred Büngen. Foto: HeinzelSigune Schnabel ist eine der meist ausgezeichneten Lyrikerinnen Deutschlands und Autorin des Geest-Verlages, so Alfred Büngen. Foto: Heinzel

Zum Verlagsprogramm gehörten Lyrik, Prosa, Sachliteratur und wenige Krimis. Unter den Autoren befänden sich bundesweit arrivierte Schriftsteller wie etwa Sönke Zander. Für dessen Buch "Trauertage" habe Wolf Biermann Geleittexte beigesteuert. Helga Bürster, deren Bücher inzwischen beim Insel-Verlag erscheinen, oder Marjana Gaponenko, die bei Suhrkamp unter Vertrag stehe, gehörten in ihren schriftstellerischen Anfängen zum Geest-Verlag. „Wir können für Autoren ein Sprungbrett sein. Ich kann sie in der Schriftstellerei ausbilden und ihnen eine Chance geben“, sagt Alfred Büngen. Seine Autoren entdecke er in der Regel über seine Schreibwerkstätten oder andere Projekte.

„Wir wollen Kinder dazu bewegen, sich mit Büchern auseinanderzusetzen und ihre eigene Sprache zu finden.“Alfred Büngen

Alfred Büngen arbeitet in dieser Hinsicht viel mit Schulen zusammen. „Wir wollen Kinder dazu bewegen, sich mit Büchern auseinanderzusetzen und ihre eigene Sprache zu finden.“ Gerade habe man mit allen Grundschulen in Villingen-Schwenningen ein Schreibprojekt zum Stadtjubiläum umgesetzt. Eine Folge davon ist eine Schreibschule, die noch dieses Jahr an den Start gehen soll. Eine Sache, die Alfred Büngen initiiert und konzipiert hat. „Unser Ziel ist es, auch für Vechta und andere Ort eine Schreibschule an den Start zu bringen.“ Sein Anliegen ist es auch immer, Kindern und Jugendlichen, die schreiben, eine Öffentlichkeit zu geben, sodass sie merken, dass sie gehört werden. Er nennt als Positivbeispiel die Stadt Essen. Dort laufe bereits die 19. Ausschreibung für eine Jugendanthologie. Die entstandenen Arbeiten würden jedes Jahr im Stadtrat präsentiert.

Alfred Büngen gründete zusammen mit einem Freund 1989 in Ahlhorn den Geest-Verlag. Foto: HeinzelAlfred Büngen gründete zusammen mit einem Freund 1989 in Ahlhorn den Geest-Verlag. Foto: Heinzel

„Wir lösen unsere Zelte in Vechta nicht ganz auf“, sagt Alfred Büngen. Die Ausschreibung für den 6. Jugendliteraturpreis der Stadt laufe, und man plane eine weitere Anthologie für Schriften von Menschen mit Behinderungen. „Wir drucken alle Bücher selbst“, erzählt Alfred Büngen. Gebunden werden die Werke von einem Buchbinder in Georgsmarienhütte. Durchschnittlich 60 bis 80 Bücher bringe der Geest-Verlag pro Jahr heraus. In Zukunft würde er auch gerne wieder selber zur Feder greifen. Themen gebe es genug. Als Beispiele nennt er ein Werk über das Schreiben mit Kindern und Jugendlichen sowie ein Buch über Vechta während des Nationalsozialismus.

Für 2023 sind über 60 Publikationen sowie Schreibwerkstätten, Projekte oder Lesungen wie „Lyrik bei Frau Holle“ geplant. Dort hatte jeder Autor 8 Minuten Zeit für seinen Vortrag. Inhaltliche Vorgaben gab es nicht. Alfred Büngen meinte in seinen einführenden Worten, dass er sich genauso überraschen lasse wie die Besucher. Jeweils nach zwei Autoren gab es die Möglichkeit für Kommentare und Fragen. Die Lesung war sehr gut besucht. „Ursprünglich wollten wir das Ganze im eigenen Wohnzimmer durchführen“, berichtete Alfred Büngen. Der Platz hätte nicht ausgereicht, aber im Sommer soll es Lesungen im Garten des Verlags geben. „Davon haben wir geträumt.“

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