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Diederich Heßling ist überall: "Der Untertan" feiert Premiere im Metropol-Theater

Das Ensemble der Landesbühne präsentierte sich spielfreudig. Flott wurde ein atmosphärisch dichter und vielschichtiger Stoff erzählt, der die volle Aufmerksamkeit der Besucher forderte.

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Die Erniedrigung eines Mitschülers (v.l:) Diederich Heßling (Wiktor Grduszak, 2.v.l.) demütigt Aom Flurry (liegend) während der Rest zuschaut. Foto: Heinzel

Die Erniedrigung eines Mitschülers (v.l:) Diederich Heßling (Wiktor Grduszak, 2.v.l.) demütigt Aom Flurry (liegend) während der Rest zuschaut. Foto: Heinzel

Diederich Heßling tyrannisiert bereits als Schüler seine kleinen Schwestern und fürchtet sich zugleich davor, dass sie sein Verhalten den Eltern verraten. Es geht dabei um Macht. Nach ihr richtet sich der Opportunist Diederich Heßling aus. Bezeichnend seine Aussage nach einem Gespräch mit dem Alten Buck: „Aber wehe, wenn ich mal der Stärkere bin.“ Heinrich Mann (1871 bis 1950) schuf den Unsympath als durchschnittlichen Deutschen und charakterisierte in seinem Buch „Der Untertan“ die wilhelminische Gesellschaft des Deutschen Kaiserreiches (1871 bis 1918) folgendermaßen: nach oben buckeln und nach unten treten.

Die Landesbühne Nord hat den "Untertan" jetzt im Vechtaer Metropol-Theater aufgeführt. Regie führte Gernot Plasse, das Bühnen- und Kostümbild schuf Alexandra Burgstaller. Clever, wie die Uniformität über die gleichartige Kleidung sowie die Kontinuität von Kaiserreich bis heute über die Stühle und ihre Farben geschaffen wurde. Schwarz-Weiß-Rot bildeten die Farben des Kaiserreiches, schwarz-rot-gold die der Weimarer Republik und der BRD.

Das Publikum folgte gebannt der Inszenierung und honorierte die ansehnliche schauspielerische Leistung mit starkem und lang anhaltendem Beifall. Das Stück forderte die volle Aufmerksamkeit der Besucher. Es ist flott erzählt und inhaltlich dicht und vielschichtig. Im Stück und im Bühnenbild verstecken sich, wie bereits erwähnt, teilweise kleine Anspielungen. Die sechs Schauspieler, welche alle mehrere Rollen übernahmen, weben dadurch ein fluides Beziehungsnetz.

Das Ensemble (v.l.): Hannah Sieh, Wiktor Grduszak, Sven Heiß (im Kasten), Aom Flurry, Jessica Trocha und Aida-Ira El-Eslambouly. Foto: HeinzelDas Ensemble (v.l.): Hannah Sieh, Wiktor Grduszak, Sven Heiß (im Kasten), Aom Flurry, Jessica Trocha und Aida-Ira El-Eslambouly. Foto: Heinzel

Sven Heiß (Vater Heßling, der ältere Diederich), Jessica Trocha (Agnes Göppel, Assessor Jadassohn), Hannah Sieh (Wolfgang Buck, Nothgroschen), Aom Flurry (der alte Buck, Napoleon Fischer, Fabrikbesitzer Lauer), Wiktor Grduszak (der jüngere Diederich) und Aida-Ira El-Eslambouly (Mutter Heßling, Landgerichtsrat Harnisch) trieben die Handlung voran und schafften es, aus ihren Figuren mehr als nur Abziehbilder herauszuholen und ihnen trotz der uniformen Kleidung etwas Individuelles zu geben.

Diederich Heßling ist ein Antiheld. Er wirkt wenig sympathisch. Erste Anerkennung findet er über die Erniedrigung eines jüdischen Klassenkameraden und richtig wohl fühlt er sich in der biertümelnden Atmosphäre seiner Burschenschaft Neu-Teutonia. Es ist ein sehr lehrreiches Stück, bei dem es sich sicherlich lohnt, das Ganze vor- oder nachzubereiten, da es viel zu entdecken gibt.

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