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"Danke Kassel!": Nena steht nach Corona-Post auch bei uns in der Kritik

Nena soll eigentlich im Sommer auf dem Viva Vechta Open Air auftreten. Ein Instagram-Post der Sängerin sorgt jetzt für Wirbel. Die Stadt Vechta findet deutliche Worte.

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Steht wegen Solidarisierungen mit Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern in der Kritik: Sängerin Nena. Foto: dpa/Büttner

Steht wegen Solidarisierungen mit Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern in der Kritik: Sängerin Nena. Foto: dpa/Büttner

"Danke Kassel!" – Das war die Instagram-Reaktion der Musikerin Nena auf die Demonstration von etwa 20.000 Menschen am vergangenen Samstag in der Innenstadt von Kassel, auf der gegen die Corona-Politik protestiert wurde. Das Brisante: Dabei wurden nicht nur Abstandsregeln und die Maskenpflicht missachtet, sondern auch Polizisten und Journalisten tätlich angegriffen. Zur Erinnerung: Nena soll am 17. Juli auf dem Stoppelmarktgelände in Vechta ein Konzert geben.

Zwar ist die Instagram-Story, in der sich Nena mit der Demonstration solidarisiert, mittlerweile nicht mehr zu sehen. Doch im Netz kursieren mehrere Screenshots von Nenas Äußerung. Diese hat sie zudem mit einem Lied von Xavier Naidoo hinterlegt, in der es um eine angebliche "Corona-Diktatur" geht. Außerdem bedankte Nena sich bei Naidoo, der in letzter Zeit vor allem durch Corona-Leugnungen, Verschwörungstheorien und rassistischen Aussagen aufgefallen war, für seine Musik.

Veranstalter hält sich momentan noch bedeckt

Was bedeutet das Ganze für das geplante Konzert von Nena auf dem Stoppelmarktgelände in Vechta? Und kann das Konzert pandemiebedingt überhaupt stattfinden? Eigentlich sollte Nena bei der Premiere des "Viva Vechta Open Air", das vom 16. bis 17. Juli angesetzt ist, zusammen mit Sarah Connor auftreten. Doch, dass das Open-Air-Festival überhaupt, oder mit reduzierter Zuschauerzahl stattfindet, scheint angesichts der Pandemie derzeit höchst fraglich.

Der Veranstalter des Open Airs, "Goldrush Festival" aus Osnabrück, hält sich momentan noch bedeckt, ob das Konzert stattfinden kann: "Wir erleben momentan eine dynamische Lage in der Pandemie, deswegen können wir uns dazu nicht äußern", sagt Geschäftsführer Christoph Hengholt. Es sei eine große Frage des Abwartens. Auch die Stadt Vechta, die das Stoppelmarktgelände für das Konzert an den Veranstalter vermietet, bittet um Geduld: "Welche Corona-Maßnahmen für den Zeitraum gelten, in dem auch das Festival stattfinden soll, kann einem heute noch niemand sagen", heißt es von Pressesprecher Volker Kläne.

"Grundsätzlich haben wir kein Verständnis dafür, wenn man sich mit der Corona-Leugner-Szene solidarisiert"Volker Kläne, Pressesprecher der Stadt Vechta

Bezüglich Nenas Äußerungen auf Instagram gab es von Hengholt nur einen knappen Kommentar: "Es ist nur fair, sich als Veranstalter nicht an Spekulationen zu beteiligen." Kläne wurde da schon deutlicher: "Grundsätzlich haben wir kein Verständnis dafür, wenn man sich mit der Corona-Leugner-Szene solidarisiert. Künstlerinnen und Künstler mit einer großen Anhängerschaft müssen sich bewusst sein, dass ihr Wort Gewicht hat und sie als Vorbilder eine gesellschaftliche Verantwortung tragen." Er weist aber auch daraufhin, dass Nena sich selbst noch nicht öffentlich dazu geäußert hat und deswegen über die genauen Beweggründe ihres Posts nur spekuliert werden könne.

Facebook-Nutzer fordern Ausladung von Nena

Wie viele Menschen sich für das Konzert eine Karte gekauft haben, war auf Anfrage von OM online vom Veranstalter nicht zu erfahren. Jedoch können auf allen Vorverkaufsplattformen noch Tickets erworben werden. Das wird für viele Personen aber wohl nicht mehr infrage kommen: Denn auf Facebook ist eine Diskussion darüber entbrannt, ob man Nena aufgrund ihrer Solidarisierung mit den "Querdenkern" und Xavier Naidoo nicht vom Festival ausladen sollte. Außerdem wird darüber spekuliert, ob eventuell vermehrt Personen aus dem Milieu der Corona-Leugner zu dem Konzert nach Vechta anreisen könnten, wenn es denn stattfindet sollte.

Das Management von Nena war auf Anfrage von OM online am Donnerstag für ein Statement nicht zu erreichen. Wie Deutsche-Presse-Agentur dann am späten Donnerstagabend berichtete, teilt das Management mit: "Nena hat sich bei den Menschen in Kassel bedankt, die mit der derzeitigen Politik und den unmenschlichen Zuständen, die hier herrschen, nicht einverstanden sind und dafür auf der Straße waren." Sie gehöre keiner Gruppe oder Partei an. "Die Behauptung, Nena würde sich mit "Chaoten" und "Rechten" gemeinmachen, ist absurd und ein Schlag ins Gesicht der Tausenden friedlichen Menschen, die dort demonstriert haben." Nena sei weder fremdenfeindlich noch homophob. "Sie lehnt jegliche Art von Hass und Gewalt ab."

Ob Sarah Connor, die Co-Sängerin auf dem Vechtaer Open Air, aus den jüngsten Äußerungen von Nena Konsequenzen zieht, ist indes noch unklar: "Wir möchten uns dazu derzeit nicht äußern", hieß es von Sarah Connors Management gegenüber OM online. Die Stadt Vechta setzt jetzt auf eine "vertrauensvolle" Zusammenarbeit mit dem Veranstalter: "Natürlich werden wir über die Sache sprechen", kündigt Kläne an. Der Veranstalter sei sich seiner Verantwortung bewusst. Von der Maßnahme, das Stoppelmarktgelände nicht mehr für das Konzert zur Verfügung zu stellen, falls Nena dort auftreten sollte, hält Kläne nichts: "Eine derart drastische Maßnahme halten wir derzeit für nicht angemessen."

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