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Auftritt mit monumentalem Werk: Motettenchor überzeugt mit Händels Messiah

Die Friesoyther hatten für das Konzert am Sonntagabend hervorragende Barockmusiker und Solisten engagiert. Das zahlte sich aus.

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Überzeugend: Heinrich kl. Siemer führte mit gewohnt klarem und präzisem Dirigat durch das Werk. Foto: Passmann

Überzeugend: Heinrich kl. Siemer führte mit gewohnt klarem und präzisem Dirigat durch das Werk. Foto: Passmann

Wenn nicht jetzt, wann sonst? Nach langer Abstinenz und frustrierenden Absagen ist Konzertieren endlich wieder möglich. Und so hat der Motettenchor Friesoythe unter der Leitung von Heinrich kl. Siemer das Oratorium „Messiah“ – die englische Originalversion des „Messias“ von Georg Friedrich Händel – in wenigen Wochen quasi aus dem Boden gestampft. Für den Auftritt in der Friesoyther Kirche St. Marien am Sonntagabend konnten die Sängerinnen und Sänger ein professionelles und exzellent aufspielendes Barockorchesters sowie ein Solistenquartett verpflichten, das den internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchte.

Barockmusik in der Originalversion, das klingt nach Entschlackung, Verzicht auf pompöse Klangmassen, stattdessen nach schlankem, durchsichtigen Musizieren. Und genau dies gelang den Ausführenden in Friesoythe in überzeugender Weise. Das Europäische Barockorchester Le Chardon trat mit beinahe kammermusikalischer Besetzung an und glänzte mit Präzision und Flexibilität im Wechsel zwischen Ausdruck dunkler Trauer und lockeren, scheinbar leicht dahin schwebenden Passagen.

Der Inhalt des Oratoriums, in dem der Messias fast ausschließlich mit "Er" ("He") benannt wird und das Wort "Christus" nur einmal, bei der Bezeugung der Auferstehung, vorkommt, gliedert sich in drei Teile. Schon der Advents- und Weihnachtsteil zu Beginn weist oratorische Ausmaße auf. Markus Brutscher (Tenor) eröffnete das Werk mit seiner geschmeidigen, zu großen Steigerungen fähigen Stimme. Voluminös, mit weitem Stimmumfang füllte Bassist Dirk Schmidt den Raum der Kirche und brachte lyrische Kantilenen ebenso wie virtuose Koloraturen glänzend über. Beeindruckend klar und gestochen erklang die Stimme von Altus David van Laar, immer einfühlsam und textbezogen im Ausdruck.

Starke Solisten, ausdrucksstarker Chor

Dass auch die Sopranistin Fanie Antonelou mit ihrer samtigen, in der Höhe strahlenden Stimme zur Spitzenklasse zählte, konnte sie in der Szene der Engel bei den Hirten unter Beweis stellen. Dazwischen – wie eingestreut – die Chorsätze mit ihren bewegten Melismen, die der Motettenchor wunderbar bewältigte.

Der zweite Teil des Oratoriums führt von der Passion Christi zu Auferstehung, Himmelfahrt und Gründung der Kirche. Verinnerlicht und ausdrucksstark der Chor "Behold the Lamb of God" und die anschließende Alt-Arie "He was despised". Bei der Interpretation des Passionsgeschehens trat gelegentlich die dramatische Ader des Opernkomponisten Händel hervor, um aber sogleich wieder durch fugierte Abschnitte den geistlichen Bezug herzustellen. Zahlreiche Soloeinlagen bezogen sich auf die Gemeinde Christi und kulminierten in dem jubelnden Gesang des "Halleluja", gleichsam Händels Markenzeichen und einem der größten "Hits" der klassischen Musik.

Verdienter Beifall nach dem Finale

Teil drei verweist auf Tod, Gericht und das Ende der Zeiten. Zu den Höhepunkten zählten die Sopran-Arie "I know that my redeemer liveth" und die Bass-Arie "The trumpet shall sound", worin der Sound der Solo-Trompete in der Tat von berückender Eindringlichkeit war. Der Schlusschor mit der großen Amen-Fuge blieb nicht ohne das gebührende Pathos. Heinrich kl. Siemer hatte nicht nur den Motettenchor intensiv und erfolgreich vorbereitet, sondern auch mit gewohnt klarem und präzisem Dirigat durch das monumentale Werk geführt. So erntete er mit den Solisten, Chor und Orchester den verdienten begeisterten Beifall.

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