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„Alice“ ist ein Wunderland für jedes Alter

Volles Haus und volle Wucht: Die Nachwuchsgruppe der Musical-AG des Gymnasium Lohne begeistert die Zuschauer. Die danken den Auftritt mit stehenden Ovationen.

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In Aktion: Die langsame Raupe (grün) lehrt Alice (rechts) Coolness. Foto: Simone Brauns-Bömermann

In Aktion: Die langsame Raupe (grün) lehrt Alice (rechts) Coolness. Foto: Simone Brauns-Bömermann

„Sei wie Du bist, steh dazu“: So könnte das Fazit für Erwachsene lauten, wenn sie die Premierenvorstellung von „Alice“ verlassen. Das Musical brachte die Nachwuchsgruppe der Musical-AG des Gymnasium Lohne vor vollem Haus und mit voller Wucht auf die Bühne. Und könnte der verrückte Hutmacher (Johannes Speckmann) seinen Zylinder einen Moment entbehren, zögen rund 450 Besucher den „Chapeau“ vor den jungen 35 Darstellern, dem Orchester mit 30 Musikern und den unzähligen Köpfen hinter der Bühne.

Apropos Kopf: Ja, das ist der Roman von Lewis Carroll „Alice im Wunderland“, die in ihrem Tagtraum auf die Herzkönigin trifft, die die Köpfe in ihrem Königreich rollen lässt und sich mit dem Ausruf „Ab den Kopf“ durch die Köpfe zieht. Hier das erste Mal verkehrte Welt, denn weit gefehlt, der meint, die Herzkönigin sei nett, wegen Herz und in Rot. Zum Musical schrieben das Buch James Leisy, die Musik und Songtexte Leisy und Carl Eberhard.  Und tatsächlich erscheint das Fazit kurz vor Schluss: „Wir sind wie wir sind, wir sollten das Beste aus uns machen“, singt Alice, eine liebenswerte und weise Anna Blömer der neunten Klasse.

Alice glaubt ihren Augen nicht: Die Herzogin (weiß) ist Mitglied des Hofes der Herzkönigin. Im königlichen Hofgarten gibt es lebende Büsche und einen tanzenden Garten (grüne Tänzerinnen). Foto: Simone Brauns-Bömermann
Tea-Time mit Faselhase (auf Tisch) und Alice. Foto: Simone Brauns-Bömermann
Das weiße Kaninchen hat die Zeit im Griff und ist Einlassverwalter zum Wunderland. Foto: Simone Brauns-Bömermann
Foto: Simone Brauns-Bömermann
Foto: Simone Brauns-Bömermann
Foto: Simone Brauns-Bömermann
Empfangskomitee im Wunderland: Alles ganz schön sonderbar hier“, meint Alice (vorne links mit blauer Schleife im roten Haar). Foto: Simone Brauns-Bömermann
Foto: Simone Brauns-Bömermann
Foto: Simone Brauns-Bömermann
Foto: Simone Brauns-Bömermann
Foto: Simone Brauns-Bömermann

In „Alice“ ist aber für jeden Charakter etwas dabei, der einmal so richtig verrücktspielen möchte. Dabei war so gar nicht klar, ob Alice verrückt genug ist, um in die Wunderwelt eingelassen zu werden: Auch hier spielt Bürokratie (überfüllter Schreibtisch mit Stapel voller Anträge) eine Rolle und die Digitalisierung ist eingezogen (blinkende und Formulare ausspuckende Roboter, brillant von vier Schauspielern gespielt).

Alice wird zu Marie, meint das weiße Kaninchen (Julius Buschmann) und irgendwie kann sie bleiben und wird nicht „abgelehnt“. Ergo: Alice ist kein Loser, Verlierer, darf weiter träumen und hat genug Fantasie. Alices Reise ins Wunderland ist aber auch eine Reise auf der Suche nach Antworten „Ich weiß nicht, wer ich bin“. Schließlich wird sie dem Garten der Königin zugeteilt. Ihre Aufgabe ist es, den Himmel anzumalen.

„Besser ein Schwein in der Hand als ein Stoß in die Rippen.“

Allice

Von den Fabelwesen erhält sie individuelle Hilfe: Die Raupe (Ronja Egert) bringt ihr Muse und Coolness bei. Die Zwillinge Swiddeldum (Benedikt Pelster) und Swiddeldei (Maxim Morasch) gegenteilige Sichtweisen. Zum Hof gehört auch die Herzogin (Juana Mahmud) mit ihrem Baby „Ferkel“. Das ist im Wunderland normal. Ihre Interpretation bekannter Sprichwörter öffnet die Synapsen: „Besser ein Schwein in der Hand als ein Stoß in die Rippen.“

Überhaupt ist die gesamte Szene ein buntes Zauberwerk: Grüne steppende Füße, laufende Büsche, tanzende Karten und Krocketschläger in Form von Flamingos. Alles erfordert ein Umdenken und macht den Kopf frei von erlernten, eingeprägten, eingefahren Gedanken. Wie schwerwiegend Zeit ist, zeigt die Teerunde mit Hutmacher, Faselhase (Christoph Böckmann), Eichhörnchen (Jelde Fangmann) und Murmeltier (Melissa Gilgenberg). „Teatime“ in Dauerschleife und mit Reise nach Jerusalem, statt Genuss.

Auch das Schülerorchester überzeugt

Tragende Stütze ist das Schülerorchester: Hier gibt es gar nicht genug Hüte, die man ziehen kann vor der musikalischen Leistung. Die Leitung hat Alexander Eik und der scheint aufgeregt, als er ans Pult geht. Die Premiere wird ein voller Erfolg, die Besucher stehen und applaudieren, bis die Hände schmerzen. Was ihre Kinder oder Enkel der Klassenstufen sieben bis neun als Nachwuchsgruppe auf die Bretter zauberten, sucht seinesgleichen.

Was erwartet die Zuschauer, wenn die Schüler in die Musical-AG wechseln, ihre Erfahrung mitnehmen und weiter durchstarten? Auf jeden Fall Großes für die Großen. Trotzdem schlich sich ein Quäntchen Wehmut nach der Vorstellung ein: „Werde ich es schaffen im Alltag Zeit zu finden, wie Alice einen Tagtraum mit Wunderland-Ideen zuzulassen?“, es wäre gerade für Erwachsene sehr empfehlenswert.

  • Info: Nach zwei Vorstellungen an diesem Wochenende folgt die dritte und letzte am 9. März (Sonntag) um 17 Uhr in der Aula des Gymnasiums.

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