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18 fiktive Briefe und ein letztes Telegramm

Der Kulturbahnhof Cloppenburg zeigte in dem Stück „Empfänger unbekannt“, wie im Nationalsozialismus aus Freunden Feinde wurden.

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Ein Prost auf die alte Freundschaft von Martin Schulze (rechts Jonas Laux) und Max Eisenstein (links Paul Walther). Foto: Heidkamp

Ein Prost auf die alte Freundschaft von Martin Schulze (rechts Jonas Laux) und Max Eisenstein (links Paul Walther). Foto: Heidkamp

„Empfänger unbekannt“ ist ein spannendes Stück Zeitgeschichte, und gerade heute von erschreckender Aktualität. Auf der Bühne im Kulturbahnhof zeigte die Geschichte von Kressmann Taylor in 18 fiktiven Briefen und einem Telegramm, wie das zersetzende Gift autoritärer Systeme in Gesellschaften eindringt – und welche gewaltsamen Konsequenzen damit verbunden sind.

Die Handlung: zwei Männer in den besten Jahren, wahre Freunde – Amerika, Deutschland – Jude, Nazi. Wie geht das zusammen? Gar nicht!

Der Deutsche Martin Schulze (Jonas Laux) und der amerikanische Jude Max Eisenstein (Paul Walther) betreiben in den USA eine gut gehende Kunstgalerie. 1932 entscheidet sich Max, mit seiner Familie nach Deutschland zurückzukehren. So schreiben sich die beiden Briefe, versichern einander darin ihre Freundschaft, schwelgen amüsiert in Erinnerungen, tauschen sich aus über Privates und Berufliches. Bis Hitlers Machtergreifung den Anfang vom schleichenden Ende einer tiefen Freundschaft markiert. Anfangs sieht Martin den Aufstieg der Nationalsozialisten noch kritisch, doch schon bald wird er ein bekennender Nationalsozialist. „Wir bauen ein besseres Deutschland“, schreibt er seinem Freund in die USA.

„Nie wurde das zersetzende Gift des Nationalsozialismus eindringlicher beschrieben.“

Elke Heidenreich

In bewegender Schlichtheit enthüllt dieser erfundene Briefwechsel die zerstörerische Wirkung des Nationalsozialismus und erzählt, wie aus Freundschaft ideologisch motivierter Hass entstehen kann. Die Ermordung der Schwester von Max durch die SA ist der erste dramatische Höhepunkt der Freundschaft der beiden, die mehr und mehr bröckelt. Auch Martin muss aufpassen, gerät ins Visier der SA. Bis auch er eines Tages verschwindet und ein Telegramm von Max an ihn wieder zurückkommt – „Empfänger unbekannt“.

Atemlose Spannung und absolute Stille während der Aufführung, begeisternder Applaus am Ende für die beiden Schauspieler Jonas Laux und Paul Walther. „Nie wurde das zersetzende Gift des Nationalsozialismus eindringlicher beschrieben“, schreibt Elke Heidenreich in einem Nachwort zu dem Stück und fügt hinzu: „nie wieder“.

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