Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Zwei Banker warnen: Viele Kunden lassen Geld liegen

Die Arbeitsgemeinschaft der Volks- und Raiffeisenbanken im Kreis Vechta präsentiert ihre Zahlen des Jahres 2020. Die Bilanzsumme steigt in einem Jahr um fast 12 Prozent auf über 3,7 Milliarden Euro.

Artikel teilen:
Die Volksbanken im Kreis machen noch gute Geschäfte wissen Dr. Martin Kühling (links, Volksbank Vechta) und Thomas gr. Klönne (Volksbank Dammer Berge). Foto: Kühn

Die Volksbanken im Kreis machen noch gute Geschäfte wissen Dr. Martin Kühling (links, Volksbank Vechta) und Thomas gr. Klönne (Volksbank Dammer Berge). Foto: Kühn

Die 7 Volksbanken im Landkreis Vechta haben "alle ein zufriedenstellendes Geschäftsjahr" 2020 hinter sich. Das ist die Quintessenz des jährlichen Pressegespräches der Arbeitsgemeinschaft der genossenschaftlichen Banken im Kreis. Trotz der starken Konkurrenz durch Onlinebanken und die Coronavirus-Pandemie, trotz Lockdownphasen sowie Niedrigzinsen konnten die regionalen Banken ihre zusammengefasste Bilanzsumme auf über 3,7 Milliarden Euro steigern. Das ist ein Plus zum Vorjahr von 11,9 Prozent.

In "Zehnerschritten" ging es auch in anderen wichtigen Finanzbereichen durch das zurückliegende Jahr, so der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Dr. Martin Kühling (Volksbank Vechta), und sein Stellvertreter Thomas gr. Klönne (Volksbank Dammer Berge). Die Kundeneinlagen stiegen um 12,2 % auf jetzt 2,56 Milliarden Euro, das Volumen der Kundenkredite stieg auf rund 2,85 Milliarden Euro, und damit um 11,4 %.

In allen wichtigen Geschäftsbereichen gab es Zuwächse

Die 49.217 Mitglieder (plus 1.179) der Volks- und Raiffeisenbanken, die zugleich auch Anteilseigner ihrer Bank sind, wird es freuen: Das Geschäftsmodell der sieben Genossenschaftsbanken funktioniert. Und wenn Kühling und gr. Klönne (Volksbank Dammer Berge) von "zufriedenstellend" sprechen, dann ist das schon ein Stück weit Understatement, denn den Banken geht es – wenn man auf die Jahreszahlen sieht – ausgesprochen gut. In allen Geschäftsbereichen gab es Zuwächse.

Bedingt durch die Coronakrise trafen eine spürbare Investitionszurückhaltung der Unternehmen und kaum vorhandene Konsummöglichkeiten der Privatkunden zusammen. Das sorgte dafür, dass die Volksbanken in 2020 rund 2,56 Milliarden Euro Kundeneinlagen anhäuften. Während andere Banken angesichts des Minuszinsumfeldes über so viel Liquidität in den Büchern stöhnen würden, herrscht im Kreis eine Situation, in der die Banken ihr Geld noch gut auf "klassische Weise", nämlich durch die bestehenden Zinsunterschiede verdienen können. Fast 2,85 Milliarden Euro verliehen die Banken im vergangenen Jahr an Unternehmen und Private. Die Kredite steckten die Unternehmen in ihre Liquiditätsvorsorge, die Privaten in den Häuslebau, so Kühling. Dabei ist nicht unbedingt eine Vervielfachung der Kreditvergaben für Immobilien feststellbar, sagt gr. Klönne, "die Bauten werden einfach teurer".

"Längst gibt es auch Online kaum mehr Zinsen fürs Geld."Dr. Martin Kühling, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Volksbanken im Kreis Vechta

Die 7 regionalen Geldinstitute haben 24 Standorte, an denen die Kunden 115 SB-Geräte, darunter 45 Geldautomaten nutzen können. Feststellbar ist, dass der Kontoauszugsdrucker mittlerweile zum Auslaufmodell wird. Die Volksbanken führen über 55.000 Onlinekonten (plus 7,5 %) für ihre Kunden. "Corona brachte sicherlich einen Schub", aber auch die Bequemlichkeit zähle, weiß gr. Klönne. Zunehmend kehren aber auch Kunden von den Internetbanken zu den Banken vor Ort zurück. "Die Regionalität wird geschätzt, und längst gibt es auch Online kaum mehr Zinsen fürs Geld", erklärt Kühling den neuen Trend.

Apropos Zins. Kühling und gr. Klönne kündigen an, dass die Verwahrentgelte für größere Geldvermögen bald anziehen werden. Im Zeitalter von Minuszinsen sowie Strafzinsen für die Banken für bei der Bundesbank "geparkte Liquidität", müssten die Volksbanken diese Kosten weiterreichen. Von Erhöhungen werden die Firmenkunden betroffen sein.

Die Volksbanken im Kreis wollen weiter wachsen. Ziel ist es, die Mitgliederzahl auf runde 70.000 auszubauen. "Das muss unser Anspruch sein", meint Kühling. Dabei seien die Banken, die derzeit 573 Mitarbeiter beschäftigen, jährlich rund 7,5 Millionen Euro Steuern zahlen, und über 330.000 Euro jährlich in das Sponsoring örtlicher Gruppen und Veranstaltungen geben, auf einem guten Weg, sagt gr. Klönne: "Wir gewinnen seit Jahren Marktanteile."

Großes Geldanlagethema ist die Nachhaltigkeit

Gibt es einen Grund zur Klage? Wenn überhaupt, dann sei es die "Apathie der Kunden, die immer noch einen riesigen Teil ihres Vermögens in Spar- und Sichteinlagen halten", meint gr. Klönne. Die Kunden ließen im doppelten Sinne "Geld liegen". Im Fall der regionalen Volksbanken sind das über 800 Millionen Euro in Spar-, fast 1,6 Milliarden Euro in Sichteinlagen. Kühling wünscht Investments in andere Anlageformen und rät den Kunden, sich beraten zu lassen. Ein großes Thema, mit dem "man auch Geld verdienen könne" seien derzeit ESG-Anlagen.

Die Corona-Auswirkungen auf den Landkreis Vechta sehen die beiden Bankkaufleute als begrenzt an. Eine Pleitewelle vor Ort befürchten sie nicht, denn dagegen sprächen die guten Zahlen in der Region. Sie konstatieren "solide Finanzen der Unternehmen und der Privatkunden" sowie eine "allgemein noch gute wirtschaftliche Situation im Kreis", stellt Kühling fest. Und der Handel? Muss der Kunde im Kreis Vechta befürchten, dass nach Corona in den noch florierenden innerörtlichen Lagen bald jeder zweite Laden geschlossen ist? "Nein!", sagt gr. Klönne entschieden.

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Zwei Banker warnen: Viele Kunden lassen Geld liegen - OM online