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Zukunftsmacherin: Jede kann ihren individuellen Weg gehen

Fünf Frauen, die in den unterschiedlichsten Bereichen bei der Böckmann Fahrzeugwerke GmbH arbeiten, zeigen, dass heute alles möglich ist.

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Frauen können heute alles machen, was sie möchten: Das meinen auch (v.l.) Stella Böckmann, Anke Brümmer, Ulrike Otersen, Anna-Lena Walthelm, Lina Schmid und Carolin Müller. Foto: T. Schulte-Saß

Frauen können heute alles machen, was sie möchten: Das meinen auch (v.l.) Stella Böckmann, Anke Brümmer, Ulrike Otersen, Anna-Lena Walthelm, Lina Schmid und Carolin Müller. Foto: T. Schulte-Saß

Kann sich eine junge Frau als Auszubildende in einem technischen Beruf behaupten? Kann eine Teilzeitkraft Abteilungsleiterin werden? Kann man Familie und Beruf kombinieren und trotzdem Karriere machen? „Bei uns ist das an vielen Stellen normal und wir denken eher über das ‚wie‘ als über das ‚ob‘ nach“, erzählt Stella Böckmann von der Böckmann Fahrzeugwerke GmbH. Auch sie hat die Erfahrung gemacht, dass Frauen – gerade in technischen oder handwerklichen Bereichen – nicht immer alles zugetraut wird. „Als ich nach dem Studium in unserer Produktion gearbeitet habe, musste ich zunächst einmal Vorurteile ausräumen“, erinnert sie sich.

Sie ist aber der festen Überzeugung; „Frau kann heute alles machen, was sie möchte. Man kann Mutter sein und trotzdem arbeiten. Man kann aber auch zu Hause bleiben und sich der Familie widmen oder sich bewusst nur für die Karriere entscheiden; Alles ist möglich“, sagt sie. Bei dem Lastruper Anhänger-Hersteller wird diese Praxis mit guten Beispielen gelebt. „In unserem Betrieb ist das ganz normal, dass in allen Bereichen Frauen arbeiten. Auch in den produktionsnahen und technischen Bereichen freuen wir uns über immer mehr weibliche Kolleginnen. Schließlich gibt es viele Facetten von starken Frauen“, sagt sie.

Beruf und Familie müssen in keinem Widerspruch stehen

„Für mich stand immer fest, dass ich Beruf und Familie kombinieren wollte“, erzählt Anke Brümmer. Die zweifache Mutter hat Anfang des Jahres als Teilzeitkraft die Abteilungsleitung der Finanzbuchhaltung übernommen. „Warum sollte das nicht gehen? Da muss man sich auch als Arbeitgeber ein bisschen den offenen Blick bewahren“, sagt Stella Böckmann. Seit 2015 arbeitet Anke Brümmer bereits bei dem Lastruper Unternehmen im Controlling, dem Personalwesen und der Finanzbuchhaltung. Nach ihrer Elternzeit hat sie hier eine Halbtagsstelle gefunden, was nicht immer ganz einfach sei. Sie zeigt, dass Familie und Beruf in keinem Widerspruch stehen müssen und man als Teilzeitkraft eine Führungsposition wahrnehmen kann. „Ich brauche meine Herausforderungen“, begründet sie ihre bewusste Entscheidung. Geholfen hat ihr aber auch ein guter Background. „Wenn es mal eng wurde, ist die Familie eingesprungen“, sagt sie. Mit verschiedenen Betreuungsmodellen und weiterer Unterstützung im Haushalt sei das möglich. „Nur wenn man etwas ausprobiert, weiß man, ob es funktioniert“, sagt die Diplom-Kauffrau.

Liebt ihre Arbeit: Carolin Müller ist bereits kurz nach der Geburt von Baby Helena wieder stundenweise in den Job eingestiegen. Foto: Schulte-SaßLiebt ihre Arbeit: Carolin Müller ist bereits kurz nach der Geburt von Baby Helena wieder stundenweise in den Job eingestiegen. Foto: Schulte-Saß

Das sagt auch Carolin Müller, die bei der Firma Böckmann die Marketingabteilung mit fünf Mitarbeitenden leitet. Die junge Mutter hat schon immer sehr gerne gearbeitet. So ist es nicht verwunderlich, dass sie bereits vier Monate nach der Geburt ihrer Tochter wieder stundenweise in den Job eingestiegen ist. Baby Helena war dann gelegentlich in Videomeetings im Hintergrund zu hören oder saß auch mal bei Mama auf dem Schoß. „Warum auch nicht?“, sagt Stella Böckmann. Mittlerweile weiß Carolin Müller ihre einjährige Tochter bei einer Tagesmutter in guten Händen und auch ihr Ehemann und die Großeltern ermöglichen ihr, sich nicht zwischen dem Job und der Familie entscheiden zu müssen. „Ich möchte meine Stundenzahl auch gerne noch weiter erhöhen.

Das ist auch gut möglich, da ich sehr flexibel arbeiten kann. Marketing ist zeit- und ortsungebundener als viele andere Bereiche“, erzählt sie. Sie hat aber auch festgestellt, dass die Gesellschaft – und gerade Frauen – gewisse Entscheidungen kritisch beäugen. „Die freie Entscheidung wird leider immer noch viel zu schnell von anderen bewertet“, bedauert Carolin Müller. „Es gibt aber kein falsch. Man muss noch mehr das Bewusstsein schaffen, dass alles legitim ist, egal, wofür man sich entscheidet“, möchte die junge Mutter deutlich machen.

Zwei Mütter in Führungspositionen: Anke Brümmer und Ulrike Otersen kombinieren Beruf und Familie. Foto: Tanja Schulte-SaßZwei Mütter in Führungspositionen: Anke Brümmer und Ulrike Otersen kombinieren Beruf und Familie. Foto: Tanja Schulte-Saß

Diese Meinung vertritt auch IT-Chefin Ulrike Otersen. „Da muss jeder auf seinen Bauch hören. Ich finde es total in Ordnung, wenn eine Frau nach der Geburt der Kinder eine Pause machen möchte. Wenn aber jemand wieder arbeiten möchte, ist das auch völlig in Ordnung. Man sollte ruhig den Mut und das Vertrauen zu sich selbst haben und seinen Weg gehen. Wenn man zu Hause eine Familie organisieren kann, dann kriegt man das im Berufsleben erst recht hin“, sagt Otersen. Sie hat diese bewusste Entscheidung, trotz Kindern schnell wieder zu arbeiten, bereits vor 25 Jahren getroffen. „Damals gab es noch keine Kita oder Elternzeit, da konnten die Kinder erst mit drei Jahren in den Kindergarten gehen. Man musste sich selber organisieren“, erinnert sie sich.

Das hat sie aber nicht davon abgehalten, eine Führungsposition in dem eher männerdominierten Feld der IT zu übernehmen. Als sie ihre Stelle bei der Fima Böckmann in Lastrup begann, waren ihr Sohn anderthalb Jahre und ihre Tochter zwei Monate alt. Da sie aus Bremen nach Lastrup pendelte, konnte sie damals bereits oft aus dem Home-Office arbeiten. Kinder oder arbeiten? Für Ulrike Otersen war dies nie eine relevante Frage. Für sie war immer klar, dass man beides miteinander kombinieren kann. Mit Hilfe ihrer Eltern und einer Tagesmutter hat alles gut geklappt.

Das schlechte Gewissen schwang immer ein bisschen mit

Und dennoch schwang immer auch ein wenig das schlechte Gewissen mit. Das empfindet auch Anke Brümmer gelegentlich. „Entweder habe ich den Kindern oder der Firma gegenüber ein schlechtes Gewissen“, sagt sie. „Aber auch wenn man meint, dass irgendetwas immer zu kurz kommt, klappt es am Ende doch alles“, sagt sie. „Man braucht aber auch ein bisschen Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen“, meint Carolin Müller. Gerade wenn man in einem Beruf arbeiten möchte, der eher ungewöhnlich ist, sollte man den Mut haben und den ersten Schritt wagen.

Diese Erfahrungen haben auch Lina Schmid und Anna-Lena Walthelm gemacht. Für sie ist es ganz normal, in einem männerdominierten Beruf zu arbeiten. „Ich mache das, weil mir das Spaß macht und mir das liegt“, erzählt Anna-Lena. Sie ist im dritten Lehrjahr zur technischen Produktdesignerin. Sie erfährt aus ihrem Umfeld viel positive Resonanz, dass sie einen Beruf erlernt, in dem Frauen noch relativ wenig vertreten sind. Hin und wieder muss sie sich als junge Frau gegenüber männlichen Kollegen durchsetzen und beweisen. Zum Beginn ihrer Ausbildung musste sie sich in der Produktion dem Vorurteil stellen, dass sie das als Mädchen nicht schaffen könnte. „Da muss man sich dann durchsetzen und zeigen, dass man es kann“, erzählt sie. Als junge Frau bekomme man automatisch die Frage gestellt, ob man Hilfe benötige. „Einem Mann wäre diese Frage nicht gestellt worden“, sagt sie. „Auch wenn man jünger, kleiner und zierlicher ist, ist das kein Gradmesser“, sagt sie. Mittlerweile hat bereits die zweite junge Frau im Hause Böckmann diese Ausbildung begonnen.

Musste sich anfangs unter den Kollegen beweisen: Anna-Lena Walthelm erlernt einen technisch orientierten Beruf. Foto: Tanja Schulte-SaßMusste sich anfangs unter den Kollegen beweisen: Anna-Lena Walthelm erlernt einen technisch orientierten Beruf. Foto: Tanja Schulte-Saß

Diese Erfahrung macht auch ihre Kollegin Lina Schmid. Sie unterstützt als Fachkraft für Lagerlogistik die Organisation im Wareneingang. Mit dem Gabelstapler durch die Produktionshalle und das Lager zu fahren, ist für sie ganz normal. Als sie 2019 bei Böckmann anfing, musste sie sich als Frau am Lager auch zunächst beweisen. „Ich hatte den Eindruck, dass ich immer etwas mehr leisten musste als meine männlichen Kollegen. Ich wollte aber zeigen, dass ich das genauso gut kann. Da spielt der Kraftfaktor dann irgendwann keine Rolle mehr“, sagt sie. Eigentlich wollte sie lieber mit Tieren arbeiten, heute ist sie froh, dass sie nach einem Praktikum im Logistikbereich aber diesen Weg eingeschlagen hat. „Man muss sich vielleicht auch einfach mal trauen und etwas auszuprobieren“, sagt sie. Die Kollegen würden zwar immer noch zwischendurch gucken, aber mittlerweile wissen alle, dass die junge Frau im Lager ihren Mann steht. „Arbeitgeber müssen sich in der Hinsicht flexibel aufstellen“, würde sich Stella Böckmann wünschen. „Wir haben überall tolle und qualifizierte Frauen, denen sollten wir es ermöglichen, ihr Lebensmodell nach ihren Wünschen zu verfolgen.“

Der Gabelstapler ist ihr vertrautes Werkzeug: Als Fachkraft für Lagerlogistik hat Lina Schmid ihren Traumberuf gefunden. Foto: Tanja Schulte-SaßDer Gabelstapler ist ihr vertrautes Werkzeug: Als Fachkraft für Lagerlogistik hat Lina Schmid ihren Traumberuf gefunden. Foto: Tanja Schulte-Saß

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