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Zukunftsmacherin: "Für mich genau der richtige Beruf"

Annette Vetter ist bei der LzO ihren Weg von der Ausbildung zur Bankkauffrau bis in eine Führungsposition gegangen. Heute verantwortet sie 12 Standorte sowie deren Mitarbeitende.

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Sich Herausforderungen mutig stellen: Dazu möchte auch Annette Vetter Frauen motivieren.	Foto: LzO

Sich Herausforderungen mutig stellen: Dazu möchte auch Annette Vetter Frauen motivieren. Foto: LzO

„Mein Beruf ist genau der richtige für mich“, sagt Annette Vetter. Denn das, was sie macht, übt sie mit viel Leidenschaft aus. Seit fünf Jahren ist sie Direktorin Privatkunden der LzO im Landkreis Vechta und in dieser Funktion für 12 Standorte sowie deren Mitarbeiter verantwortlich. „Love it, change it or leave it“, eine Lebensweisheit bzw. Einstellung, hinter der auch Annette Vetter steht. Dabei war ihr eigentlicher Berufswunsch ein ganz anderer. „Für mich stand immer fest, dass ich Medizin studieren möchte“, erzählt sie. Das Schicksal hat sie dann aber nach dem Abitur 1998 zur LzO nach Cloppenburg geführt, wo sie zunächst ihre Ausbildung zur Bankkauffrau absolvierte. „Heute liegt meine Leidenschaft eher in medizinischen Büchern oder Serien, aber meinen Beruf würde ich nicht wieder ändern wollen.“

Ihr war schnell klar, dass sie zeitnah an Fortbildungen teilnehmen und sich weiterentwickeln möchte. So ist sie im theoretischen Bereich als auch über den praktischen Weg nahezu alle drei Jahre innerhalb der LzO von Station zu Station gegangen, war für die Sparkasse viele Jahre in unterschiedlichen Regionen und Spezialberatungen eingesetzt. Besonders prägend war die Zeit als stellvertretende Direktorin für das Privatkundengeschäft im Landkreis Friesland. „Sich als Kind des Oldenburger Münsterlandes als neue Führungskraft in einer Region mit anderer Mentalität - friesisch und sehr herzlich - im eigenen Team und in der Wirtschaft zu behaupten, war gerade am Anfang eine große Herausforderung.

Auch nach der Familienphase berufliche Herausforderungen annehmen

Obwohl nahezu ¼ aller Führungspositionen in der LzO weiblich besetzt sind, hat sie festgestellt, dass bis zur Fortbildung zur Sparkassenfachwirtin eine ungefähre Gleichheit zwischen Männern und Frauen bestand, der Frauenanteil darüber hinaus später aber sichtbar weniger wurde. Der Wille und der Wunsch, sich beruflich fortzubilden, um eine höhere Position auszuüben, sei ab einer gewissen Karrierestation bei vielen Frauen nicht mehr so stark priorisiert. „Das lässt sich in dieser Lebensphase sicherlich mit der Familienplanung begründen“, reflektiert sie und sagt: „Familie ist für Frauen und Männer gleich wichtig, aber häufig fallen wir Frauen dann ins vorgeprägte Rollenbild.“

Es gebe eine Zeit, in der man sich zwangsläufig die Frage stellen muss, in welche Richtung man abbiegen möchte. Wobei das eine das andere nicht ausschließe. „Nur weil Frauen sich für ein Familienleben entscheiden, bedeutet das nicht, auch in einer späteren Phase des Berufslebens an gewisse Punkte wieder anzuknüpfen“, möchte sie auch Mütter motivieren, in Anschluss an die Elternzeit und eine intensivere Familienphase über die Karriere nachzudenken und sich neuen Herausforderungen zu stellen. „Ich plädiere bei uns im Unternehmen dafür, dass es möglich ist, Familie und Beruf in Einklang zu bringen“, sagt sie. „Frauen trauen sich das oft nicht immer selber zu, obwohl sie viel Zuspruch von außen bekommen. Selbstzweifel halten sie vielfach zurück, einen mutigen Schritt nach vorne zu gehen“, ist ihre Einschätzung. „Wenn du dir selbst nicht traust, warum sollen es andere“, möchte sie an das Selbstbewusstsein der Frauen appellieren. Sie rät Frauen, ihre Chancen zu nutzen, um nicht später vielleicht infrage zu stellen, etwas verpasst zu haben. „Besser spät starten als nie“, möchte sie auch Mütter motivieren, ihren beruflichen Weg zu gehen.

Heute trägt Annette Vetter viel Verantwortung

Auch in Vorträgen in Schulen muntert sie regelmäßig Schülerinnen auf, mutig zu sein, an sich zu glauben und auch Verantwortung für sich zu übernehmen. Keine Frau möchte eine Stelle wegen der Erfüllung irgendeiner Quote bekommen, sondern weil sie in erster Linie die Kompetenz hat und nebenbei die weiblichen Stärken in gemischte Führungsteams einbringen kann. Und wenn Frauen sich ausdrücklich für Elternzeit und danach Teilzeitstellen entscheiden, sollte jede Frau sich auch hier mit dem ggf. Partner bewusst machen, welche Auswirkungen dies z.B. auf die eigene Altersvorsorge hat. Hier gilt es, gemeinschaftlich Verantwortung zu übernehmen.

Deutlich geworden ist ihr das Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen, als sie die Fortbildung zur Betriebswirtin und 2007 ihr Diplom absolvierte. „Für das Diplom ist die ganzjährige Präsenz am Lehrinstitut in Bonn notwendig. Dort waren wir vier Frauen von 36 Teilnehmern“, zeigt sie auf. In dieser Zeit hat aber auch sie „einen beruflichen Schubser“ von ihrem damaligen Personalchef gebraucht, um diesen Schritt zu gehen. „Ich komme aus einer landwirtschaftlichen Familie. Sie über einen längeren Zeitraum auf dem Hof nicht unterstützen zu können, konnte ich mir nicht vorstellen und habe in Erwägung gezogen, die Fortbildung nebenberuflich zu machen“, erinnert sie sich.

Heute ist sie dankbar und froh, dass sie sich für Bonn entschieden hat. „Rückblickend kann ich sagen, dass ich beruflich wahrscheinlich ganz anders abgebogen wäre, wenn ich die Fortbildung auf einem anderen Weg absolviert hätte. Ich wäre nicht da, wo ich heute bin“, reflektiert sie. „Ich brauchte zu diesem Zeitpunkt den Anstoß von außen“, sagt sie. Heute ist sie in einer Position, in der sie viel Verantwortung trägt. Ihr Vorstand hat ihr immer den Rücken gestärkt und deutlich gemacht, dass ihre Position und Familie in keinem Widerspruch stehen. „In diesem Punkt war ich diejenige, die gesagt hat, dass ich es mir nicht vorstellen könnte. Dieser Beruf ist sehr zeitintensiv und auch mit repräsentativen Terminen an den Abenden oder an den Wochenenden verbunden. Am Ende entscheidet die persönliche Philosophie des eigenen Familienkonzeptes und welche Familienmitglieder im näheren Umfeld für eine Unterstützung zur Verfügung stehen“, sagt sie für sich selber.

"Eine gute Arbeitsorganisation ist sehr wichtig."Annette Vetter

Um ihren Beruf mit so viel Leidenschaft und Enthusiasmus leisten zu können, ist es ihr wichtig, Grenzen zu setzen und sich Zeit für sich zu nehmen. „Mein Yoga-Abend steht fest in meinem Kalender“, sagt sie. Und auch in der Mittagspause gelegentlich Sport zu treiben, gibt ihr die Möglichkeit, neue Kraft für ihre Aufgaben zu tanken. „In dieser Zeit komme ich sehr gut runter und starte mit neuer Energie in den Nachmittag“, verrät sie. „Eine gute Arbeitsorganisation ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig“, fügt sie hinzu. Annette Vetter organisiert sich ihre Arbeitsplatzstruktur sowie ihre mentale und körperliche Stabilität. „Das musste ich auch über die Zeit lernen und ich lerne jeden Tag dazu.“ Als sie vor fünf Jahren die Direktion übernahm, war der Zeitpunkt für Annette Vetter genau der richtige. Ihr Wunsch, wieder näher in die Heimat zurückzukehren, und die Möglichkeit, den nächsten Schritt in ihrer Karriere zu gehen, konnten nicht besser zusammenpassen. Sowohl damals als auch heute betrachtet sie ihre Aufgaben immer mit einer gesunden Portion Respekt. Dabei verfolgt sie in Bezug auf sich selbst und ihre Mitarbeiter das Regionaldirektionsmotto: „Mit Spaß erfolgreich sein“. „Mein Team ist mir sehr wichtig“, sagt sie.

Ein bunter Mix aus Jung und Alt, männlich und weiblich, das ist für jedes Unternehmen ein guter Erfolgsfaktor“, glaubt Annette Vetter. So können viele verschiedene Blickwinkel einfließen. Bei der LzO hat das Geschlecht nie eine Rolle gespielt, sondern vielmehr die fachliche Eignung, das eigene Selbstvertrauen und die Lebensplanungen. „Ich hatte auf meinem Weg zum Glück nie das Gefühl, dass ich mehr leisten müsste, um eine Stelle zu bekommen, als andere“, reflektiert sie. Wobei sie die Meinung vertritt, dass Männer oft mutiger seien, Frauen hingegen ihre emphatische Ader einfließen lassen. „Für mich ist eine gute Führungskraft, wenn ich weiß, wo in meinem Team welche Stärken sind und wo ich sie platziere. Auch wenn das bedeutet, selber einen Schritt zurückzugehen“, sagt sie. „Es gibt im Oldenburger Münsterland viele Frauen, die etwas Tolles leisten, sei es gesellschaftlich, ehrenamtlich oder beruflich“, sagt sie. Ihr Beruf nimmt derzeit viel Zeit in Anspruch, ihr persönlicher Wunsch für die Zukunft ist, sich ein Zeitfenster zu schaffen, in dem sie sich auch einem Ehrenamt widmen kann. „Das ist mir persönlich sehr wichtig. Diese Region ist so stark, weil wir ehrenamtlich sehr stark sind“, sagt sie. Und sie möchte es schaffen, ihren Teil dazu beizutragen.

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