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Zukunftsmacherin: Führung ist für Ines Krummhauer keine reine Männersache

Seit 2 Jahren ist die 34-Jährige Teamleiterin National Accounting bei der Grimme Gruppe und führt ein Team von 15 Mitarbeitenden. Beruflich etwas zu bewegen, war bereits in der Schule ihr Wunsch.

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Beruflich etwas bewegen: Diesen Wunsch hatte Ines Krummhauer bereits in ihrer Schulzeit und ist ihren beruflichen Weg bis in eine Führungsposition gegangen. Foto: Tanja Schulte-Saß

Beruflich etwas bewegen: Diesen Wunsch hatte Ines Krummhauer bereits in ihrer Schulzeit und ist ihren beruflichen Weg bis in eine Führungsposition gegangen. Foto: Tanja Schulte-Saß

Von der Ausbildung zur Industriekauffrau, über verschiedene berufliche Stationen und Weiterbildungen bis hin zur Teamleiterin des National Accounting bei der Grimme Gruppe; diesen beeindruckenden Berufsweg ist Ines Krummhauer gegangen. Die 34-Jährige hat schon während ihrer Schulzeit den festen Wunsch gehabt, beruflich etwas bewegen und erreichen zu wollen. Heute leitet die junge Frau ein 15-köpfiges Team innerhalb der Grimme Gruppe. Nach dem Abitur und ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau sammelt die selbstbewusste junge Frau erste berufliche Erfahrungen in der Buchhaltung.

Schnell werden ihr hier bereits vollumfängliche Buchhaltungen von unterschiedlichen Gesellschaften anvertraut. Der Wunsch, wieder näher in die Heimat zurückzukehren, führte Ines Krummhauer vor zehn Jahren schließlich beruflich zur Grimme Gruppe. Zunächst als Sachbearbeiterin in der Kreditorenbuchhaltung, stellt die junge Frau schnell fest, dass sie darüber hinaus mehr Verantwortung übernehmen möchte. „Ich wollte mich auch persönlich weiterentwickeln“, erzählt sie.

Ines Krummhauer bildet sich nebenberuflich weiter

Um beruflich einen Schritt voranzukommen, bildet sie sich nebenberuflich zunächst zur Finanzbuchhalterin und direkt im Anschluss zur Bilanzbuchhalterin weiter. Das ermöglichte ihr, weitere interessante Bereiche im Finance & Accounting kennenzulernen. So hat sie unter anderem durch Elternzeitvertretung zusätzliche Aufgaben übernommen sowie verschiedene Themenbereiche im Finance & Accounting durchlaufen, in denen sie Projekte selbstständig betreuen durfte. „Ich habe sehr viel Vertrauen von meinem Vorgesetzten und der Familie Grimme erhalten“, freut sie sich. In dieser Zeit betreut Ines Krummhauer unter anderem auch die türkische Sales- und Service-Gesellschaft. „Das war auch mit einigen Geschäftsreisen verbunden“, erzählt sie. Nicht in allen Gesellschaften dieser Welt sei es selbstverständlich, dass Frauen eine so verantwortungsvolle Position bekleiden. „Grimme ist ein exportstarkes Unternehmen und in über 120 Ländern der Welt aktiv. In einigen Ländern und Regionen herrscht leider noch ein recht altertümliches Frauenbild, da ist es als junge Frau nicht immer einfach, als vollwertiger Vertrags- oder Geschäftspartner akzeptiert zu werden“, erzählt sie. Die selbstbewusste Frau räumt jedoch Vorurteile schnell aus und zeigt, dass sie dieser Aufgabe gerecht wird. Gespräche mit Wirtschaftsprüfern und Kollegen in der Türkei leitet sie eigenverantwortlich. „Das war eine wirklich spannende Zeit“, erzählt sie. „Man wächst mit seinen Aufgaben“, kann die junge Frau aus Erfahrung sagen. Man gewinne zunehmend Selbstvertrauen und auch den Respekt der Kollegen.

"Ich hatte Lust, im Unternehmen und der Abteilung etwas mitzugestalten."Ines Krummhauer

Ines Krummhauer zeigt, dass sie ihre Aufgaben sowohl mit ihrem fachlichen Know-how als auch dem entsprechenden Selbstvertrauen und Standing meistert. Mit Erfolg. Vor zwei Jahren hat sie schließlich die Position als Teamleiterin des Bereiches National Accounting übernommen. „Ich habe mich sehr gefreut und auch wertgeschätzt gefühlt, dass mir das Vertrauen entgegengebracht wurde, diese Aufgabe zu übernehmen“, erzählt sie stolz. Natürlich verspürte Ines Krummhauer auch Respekt, Verantwortung für ein 12-köpfiges Team zu übernehmen, das mittlerweile auf 15 Kollegen angewachsen ist. „Ich hatte aber auch Lust, im Unternehmen und im Bereich National Accounting noch etwas weiterzuentwickeln, mitzugestalten und gemeinsam mit dem Team die Abteilung noch weiter nach vorne zu bringen. Ich hatte viele Ideen, die ich mit einfließen lassen wollte. Das hat mir schließlich den Anreiz gegeben, mich dieser Herausforderung zu stellen“, erinnert sie sich.

Hinzu kamen ihr eigener Anspruch, immer an sich zu arbeiten, aber auch die Mitarbeiter weiterzuentwickeln, sodass Teammitglieder aktiv mit eingebunden und gefördert werden. Ines Krummhauer möchte Visionen ins Team transportieren und den Veränderungsgeist nach vorne bringen. „Durch den Antritt einer Führungsposition erfährt man auch einen Rollenwechsel“, erzählt sie. Die Erwartungshaltung sowohl des Vorgesetzten als auch die der Mitarbeiter sei natürlich eine völlig andere. Vom Teammitglied zur Führungskraft. Innerhalb ihres Teams erfuhr die junge Frau sehr positive Resonanz. Dies ist bunt gemischt; Frauen, Männer und jede Altersklasse. „In Mitarbeitergesprächen macht es keinen Unterschied, ob es sich um männliche oder weibliche Kollegen handelt“, sagt sie.

Vom Teammitglied zur Führungskraft: Ines Krummhauer (rechts) führt in ihrer Position als Teamleiterin oft Mitarbeitergespräche, so wie mit Juljane Reimer. Foto: Tanja Schulte-SaßVom Teammitglied zur Führungskraft: Ines Krummhauer (rechts) führt in ihrer Position als Teamleiterin oft Mitarbeitergespräche, so wie mit Juljane Reimer. Foto: Tanja Schulte-Saß

Ihre erste große Herausforderung in dieser Position war die Corona Pandemie. Viele Mitarbeiter waren aufgrund dessen im Homeoffice. „Führung auf Distanz ist generell auch für erfahrene Führungskräfte eine Herausforderung und gerade als junge Teamleiterin, die sich selber noch in ihrer Rolle einfinden muss, war es nicht immer ganz einfach. Wir haben das aber sehr gut gemeistert“, ist sie sich sicher. „Führung wird oft mit Durchsetzungsstärke, Dominanz und Selbstdarstellung in Verbindung gebracht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Frauen häufig etwas bescheidener agieren und dass dies leider häufig fälschlicherweise als weniger selbstbewusst oder durchsetzungsstark angesehen wird. Frauen haben dafür aber ganz andere Qualitäten. Sie handeln oftmals empathischer, feinfühliger und verfolgen häufig einen eher kooperativeren Führungsstil, was auch die Bedürfnisse und Vorstellungen der heutigen Generation trifft“, meint Ines Krummhauer. „In unserer heutigen Zeit sollte man sich von den Geschlechterstereotypen verabschieden“, findet sie.

Ines Krummhauer ist als junge Frau ihren Weg bis hin in eine Führungsposition gegangen. Ihr ist bewusst: „Ich bin jung, ungebunden und kinderlos, das macht es um einiges einfacher, eine Führungsposition einzunehmen. Es ist mir persönlich aber sehr wichtig, dass Unternehmen auch jungen Müttern durch beispielsweise Anpassungen von Arbeitszeit- und Präsenzmodellen oder aber auch durch moderne Führungsmodelle wie z.B. Teilzeitführung oder geteilte Führung ermöglichen, weiterhin Führungspositionen bekleiden zu können. Das Homeoffice kann jungen Müttern dabei mehr Flexibilität verschaffen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Mitarbeiter auch von zu Hause aus ihre Arbeit verantwortungsvoll ausführen. Es ist durchaus schwierig, Familienplanung und Karriere zu kombinieren. Sobald die Familienplanung in den Fokus rückt, geraten Frauen auch durch den nach wie vor existenten Gender-Pay-Gap schnell in das klassische Rollenkonzept“, bedauert die junge Frau.

Frauenquote sieht sie zwiegespalten

Auch die Frauenquote sieht sie zwiegespalten. „Laut Statistischem Bundesamt beträgt der Anteil an Frauen in der deutschen Bevölkerung 51%, außerdem sind 46% der Erwerbstätigen in Deutschland Frauen, in Führungspositionen beträgt der Anteil jedoch nur 28,4%, also nicht mal ein Drittel. Die Quote ist natürlich eine Möglichkeit, mehr Frauen den Zugang zu in Führungspositionen zu ermöglichen. Ich finde es allerdings schade, dass dies dann eher aus der Verpflichtung der Unternehmen heraus besteht und nicht aufgrund ihrer Qualifikationen und Kompetenzen“, meint Ines Krummhauer. Was der Teamleiterin in ihrem Werdegang immer wieder geholfen hat, sind Mut, ein gesundes Selbstvertrauen und ein gewisses Maß an Schlagfertigkeit. Denn nicht nur beruflich, auch im Privatleben hatte sie als junge Frau in einigen Situationen den Eindruck, unterschätzt zu werden und dadurch das Gefühl, eine Schippe drauflegen zu müssen, um sich zu beweisen. „Zum Glück haben mir meine Eltern diese Eigenschaften im Rahmen meiner Erziehung mitgegeben und mir auch vermittelt, dass man als Frau einem Mann in Nichts nachsteht“, erzählt Ines Krummhauer. „Das sollten alle Eltern ihren Töchtern mit auf den Lebensweg geben“, meint die selbstbewusste Frau. „Mutig sein, sich nicht einschüchtern lassen und nicht vor Herausforderungen zurückschrecken. Denn selbst, wenn mal etwas nicht so funktioniert wie erhofft oder man scheitert, geht man im Zweifelsfall gestärkt aus der Situation heraus, lernt daraus und entwickelt sich damit weiter“, rät Ines Krummhauer anderen, ebenfalls ihren Weg zu gehen und ihre Träume und Wünsche zu realisieren.

Sie möchte jeden ermutigen, sich durchaus aktiv auf Führungspositionen zu bewerben und sich nicht aufgrund der Herausforderung abschrecken zu lassen. „Denn Frauen stehen Männern in der Kompetenz und der Qualifikation in Nichts nach.“ Ines Krummhauer möchte ein Vorbild für andere junge Frauen in Unternehmen sein und zeigen, dass Führung längst keine reine Männersache mehr ist. Sie ist ihren Weg bis hierhin selbstbewusst gegangen und wird ihn auch weiter beschreiten. „Ich habe bereits eine weitere Weiterbildungsmöglichkeit vor Augen, um die nächste Stufe auf meiner persönlichen Karriereleiter zu erreichen.“

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