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Zukunftsforscher Janszky: Ab 2045 geht die Arbeit für die Menschen aus

Der Verbund Oldenburger Münsterland hatte zum Wirtschaftstag eingeladen. Über 200 Gäste hörten Vorträge über Markenbotschaften und die Disruptivität des Digitalen.

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Fesselte die Zuhörer mit seinem Vortrag: Der Zulunftsforscher Sven Gabor Janzsky.   Foto: Kühn

Fesselte die Zuhörer mit seinem Vortrag: Der Zulunftsforscher Sven Gabor Janzsky.   Foto: Kühn

Für Jan Kreienborg, Geschäftsführer des einladenden Verbundes Oldenburger Münsterland (OM), zeigte sich bereits anhand der Rednerliste, dass beim OM-Wirtschaftstag in den VEC-Hallen „Themen aufgegriffen werden, die unsere regionale Wirtschaft gerade stark beschäftigen“. Über 200 Gäste waren dann auch am Donnerstagabend (5. Mai) nach Vechta gekommen, um hier zu hören, wie sich namhafte Vordenker die Wirtschaft und die Arbeitswelt der Zukunft vorstellen. Angesichts des Transformationsdrucks, der auf den tragenden Branchen der Region lastet, waren die Thesen von „Markenguru“ Johannes Plass und die des populären Zukunftsforschers Sven Gabor Janszky ein höchst willkommener Aufschlag für die Gäste, sich beim „get together“ selbst über die Zukunftsfragen der Region auszutauschen und mögliche Antworten zu diskutieren. Insgesamt ein interessanter Abend, dessen Vortragsteile nach Meinung vieler Zuhörer zu lang geraten waren.

Der OM-Wirtschaftstag 2022 stand unter dem Motto „Die Zukunft ist jetzt: So sieht die Arbeitswelt von morgen aus“. Im Kern ging es bei drei Vorträgen und einer Podiumsdiskussion um die Frage, wie sich das OM aufstellen muss, um weiterhin im Wettbewerb mit anderen Regionen eine Rolle zu spielen. Dabei steht die Region im Kern vor denselben Fragen wie die globale Wirtschaft. Längst geht es für die vor Ort agierenden Unternehmen um Nachhaltigkeit und Klimaschutz oder die Fachkräftegewinnung.

Verbund-Geschäftsführer erläutert die Markenstrategie des Oldenburger Münsterlandes

Begrüßt wurden die Gäste durch den Präsidenten des Verbundes, Cloppenburgs Landrat Johann Wimberg, der gemeinsam mit Franz Wessendorf, dem Vorsitzenden des Beirates OM bei der IHK Oldenburg, sowie Hartmut Heinen, der erste Kreisrat des Landkreises Vechta, in die von Jochen Steinkamp moderierte Veranstaltung einführte. Angesichts der Herausforderungen durch Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg und des Transformationsdruckes, vor allem in der Landwirtschaft und der Ernährungswirtschaft der Region, will Wimberg vor allem "Brücken bauen" und von politischer Seite die Unternehmen unterstützen. Heinen verwies auf die Verbesserung der örtlichen Standortinfrastruktur, die über die Breitbandinitiativen der Kreise oder das Verkehrskonzept "moobil+" zuehmend gelinge.

Jan Kreienborg erläuterte den Anwesenden das Markenkonzept des Verbundes, das von wissenschaftlicher Seite bereits mehrfach als wegweisend beurteilt wurde. Der Verbund habe mit der Positionierung seiner Markenwelt und der Wirtschaftskommunikation schon früh begonnen, das bringe einen Vorsprung, von dem die Verantwortlichen hoffen, dass er sich auch auszahlen wird.

Angeregt diskutiert wurde auf dem Podium über die Gründerszene im Oldenburger Münsterland. Foto: KühnAngeregt diskutiert wurde auf dem Podium über die Gründerszene im Oldenburger Münsterland. Foto: Kühn

Wie sich Unternehmen angesichts herausfordernder Bedingungen zukunftssicher positionieren können, dazu trug im ersten Impulsvortrag des Abends Johannes Plass vor. Der Gründer und Geschäftsführer der Designagentur „Mutabor“ referierte über „The Age of Transformation: So gelingt die Neuausrichtung eines Unternehmens mit Hilfe der Marke“. Der Referent stellte die Kraft der „Marke“ heraus. Gelinge es, ein Unternehmen und dessen Produkte in den Köpfen der Kunden oder Verbraucher positiv, als "Bauchgefühl" zu verankern, so seine These, dann sei es sehr viel einfacher, gesellschaft­lichen, kulturellen und technologischen Veränderungen erfolgreich zu begegnen.

"Marke" sei heute längst ein übergreifendes, visuelles und inhaltliches Wahrnehmungsmanagement, meinte Plass. Eine Marke müsse sich für den Kunden, aber auch für den Markeninhaber "richtig anfühlen". Für das OM heiße das, herauszufinden und herauszustellen, was "eigentlich das Tolle an der Region ist". Da falle ihm eine "Antwort darauf, was die Region auszeichnet, allerdings schwer", sagte Plass. Er sieht, auch gekoppelt mit der Transformation vor Ort, das Thema Nachhaltigkeit als Perspektive für die Markenbotschaft des OM.

Region bietet mittlerweile viel Unterstützung für Unternehmensgründer

Ob denn nun das OM eine gute Region ist, um hier ein Unternehmen zu gründen, das diskutierten auf dem Podium Professorin Doktorin Jantje Halberstadt (Leiterin des Start-up Service Trendi an der Universität Vechta), die Langfördenerin Cathleen Cordes (Gründerin von „Evergreen Food“), Olaf Hemker (Vorstandsmitglied der Landessparkasse zu Oldenburg), Prof. Dr. Christoph Kolbeck (Inhaber des Lehrstuhls Entrepreneurship an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim) und Nicole Bramlage (Referatsleiterin der Wirtschaftsförderung beim Landkreis Vechta). Es wurde klar, dass es mittlerweile umfangreiche Hilfen und finanzielle Begleitung für Unternehmensgründer im OM gibt. Es gelte, Talente und ihre Ideen vor Ort zu halten, meinte etwa Kolbeck. Letztlich bedeute die Förderung von Firmengründern immer auch, die wirtschaftliche Vielfalt in der Region zu erhalten.

Zum Schluss des Abends stand der Vortrag von Sven Gabor Janszky, Leiter und Gründer des „2b Ahead Thinktank“ auf dem Programm. Zusammen mit Innovationschefs aus über 250 der wichtigsten internationalen Unternehmen analysiert der Zukunftsforscher alljährlich auf einem Kongress des Thinktank aktuelle Entwicklungen und blickt auf die Lebens- und Geschäftswelten für Europa im kommenden Jahrzehnt. Kein anderer Sprecher in Europa hat mehr Vorträge zum Thema Zukunft gehalten.

Janszky sprach in Vechta über die „Arbeitswelten 2030: Strategien für die Welt der Vollbeschäftigung“. Dabei wurde schnell deutlich, dass trotz allen Vordenkens anderer, trotz aller Ideen, die der Redner seinen Zuhörern präsentierte, gerade Unternehmertum es erfordert, die notwendigen Schritte für eine zukunftsträchtige Entwicklung auch aus eigenem Antrieb anzugehen. Sich nicht den digitalen Möglichkeiten zu verweigern, sondern sie umfänglich zu nutzen, sei der einzig richtige Weg, um als Unternehmen auch in Zukunft am Markt zu bestehen. Er zeigte auf, dass zeitnah das Thema KI eine sehr beherrschende Rolle für die Menschen und die Wirtschaft spielen werden. Er prophezeite eine "Zweiteilung der Märkte". Künftig werde es wirtschaftliche Beziehungen mit einem echten, "dem menschlichen Gegenüber" geben, und solche, in denen es kein menschliches Gegenüber mehr gibt.

Über 200 Gäste waren zum OM-Wirtschaftstag 2022 in die VEC-Hallen gekommen. Foto: KühnÜber 200 Gäste waren zum OM-Wirtschaftstag 2022 in die VEC-Hallen gekommen. Foto: Kühn

In gar nicht allzu weiter Ferne würden zudem Maschinen mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) miteinander kommunizieren, der Mensch außen vor bleiben. Es werde wesentlich für Unternehmen werden, schon vor einer Bestellung eines Kunden die Lieferung auszulösen. Das gelinge über die Sammlung von Daten, die eine immer wichtigere Rolle spielen werde.  Aufgrund der gesammelten Daten "In Echtzeit" gelinge eine sehr sichere Prognose. "So kommt es, dass der Kunde sein Produkt bereits bekommt, bevor er überhaupt weiß, dass er es braucht."

Von den Unternehmern forderte Janszky, sich auf die neuen Möglichkeiten auch einzulassen. Die Zukunft der Arbeit sieht er in einem "Fachkräftemangel hoch X". Es gelte, die Mitarbeiter über "Komplettpakete" an das Unternehmen zu binden. In diesen Paketen spiele dann etwa der betriebseigene Pflegeplatz für die Eltern des Mitarbeiters, die betriebseigene Kinderbetreuung oder der Urlaub im Betriebsheim eine große Rolle. Der Kampf um die Mitarbeiter werde schon in wenigen Jahren sehr hart werden, meinte der Referent. Erst ab 2045 sei dann die "KI so weit, dass sie weitgehend den Menschen ersetzen kann. Dann müssen wir uns allerdings Gedanken machen, wie wir die Menschen beschäftigen werden".

Janszky sieht Zukunftschancen für die Ernährungswirtschaft in "Medical Food"

Für die Ernährungswirtschaft sieht er einen Transformationstrend in "Medical Food". Dabei kommt das Essen der Zukunft aus dem heimischen Lebensmitteldrucker, abgestimmt auf die körperlichen Bedürfnisse, die KI bereits über einen Augenscan per Badezimmerspiegel oder über die Analyse des Stuhls exakt zusammenstellt. Für seinen mitreißenden Vortrag erhielt der Zukunftsforscher schließlich donnernden Applaus.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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