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Zuchtpferde gehen online über den Tisch

Bereits zum 7. Mal musste Heiner Kanowski, Geschäftsführer des Oldenburger Pferdeverbands, in diesem Jahr Auktionen übers Internet abhalten. Das machte sich auch beim Kaufverhalten bemerkbar.

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Preisspitze der Springhengste: Comilfo Plus Z erzielte hier den ersten Platz. Foto: gr. Feldhaus

Preisspitze der Springhengste: Comilfo Plus Z erzielte hier den ersten Platz. Foto: gr. Feldhaus

Hohe Summen trotz Pandemie: Für 281.000 Euro ist am Sonntag der Sohn des Zuchthengsts Diamond Hit (Rubinstein I) an eine niederländische Hengststation gewechselt. Damit bildete der Reserve-Siegerhengst auf dem Oldenburger Hengstmarkt "Online" die Preisspitze.

"Wir sind froh, dass wir überhaupt eine Möglichkeit haben."Heiner Kanowski, Geschäftsführer des Oldenburger Pferdezuchtverbandes

Denn: Für gewöhnlich kommen etwa 10.000 Menschen bei den jährlich stattfindenden Auktionen in Vechta zusammen. Wegen der Corona-Pandemie musste der Zuchtpferdeverkauf in diesem Jahr jedoch virtuell stattfinden. "Wir sind froh, dass wir überhaupt eine Möglichkeit haben", sagt Heiner Kanowski, Geschäftsführer des Oldenburger Pferdezuchtverbandes. Für die Hengst-Experten ist es in diesem Jahr bereits der 7. Online-Auftritt, um ihre jungen Tiere präsentieren zu können. Der digitale Markt sei jedoch nicht das gleiche wie die 4-tägige Veranstaltung in Vechta. "Wenn Interessenten vor Ort sind, können sie natürlich eine ganz andere Bindung zum Tier aufbauen", weiß Kanowski.

Am Donnerstag (19. November) startete das Event. Schon morgens hatten Interessierte die Möglichkeit, den Springhengsten und Freiläufern und -springern live im Internet zuzuschauen. „Dort wurde dann entschieden, welches der Tiere gekört und nicht gekört wird“, erklärt Pressesprecher Tobias Hemken. Gekört bedeutet, dass die Pferde von einer Jury als Zuchttiere benannt werden.

Preisspitze der OL-Reservesieger: For Dance - Zack ging für 281.000 Euro über die Bühne. Foto: gr. FeldhausPreisspitze der OL-Reservesieger: For Dance - Zack ging für 281.000 Euro über die Bühne. Foto: gr. Feldhaus

Am Freitag und Samstag präsentierten sich dann die Dressurhengste im Oldenburger Pferdezentrum in Vechta. Um 13 Uhr stand das Longieren auf dem Tagesprogramm. Am Samstag startete das Freilaufen der Dressurhengste gegen 11 Uhr. Gen Nachmittag wurden dann die Körergebnisse bekanntgegeben und die Siegerhengste herausgestellt.

Um 19 Uhr öffnete dann der Oldenburger Hengstmarkt online. Dort wurden nicht nur die gekörten, sondern auch die nicht gekörten Hengste versteigert. 281.000 Euro, den höchsten Ertrag der Auktion, brachte bei der Versteigerung ein Hengst aus der Zucht von Jörg Bös aus Nordhorn ein, der vom Dressurstall Sandbrink aus Niedersachsen ausgestellt wurde. Den zweiten Platz belegte der Sohn des Vivaldi di a.d. Synphonie Dv. De Niro. Der Zuchthengst aus Damme von Alfons Kramer, ausgestellt von Sylvia und Wilhelm Klausing des Diepholzer Gutes Rethorn, brachte 180.000 Euro ein. Der sogenannte Dunkelfuchs wechselt nach Österreich. Auch die Oldenburger Springhengste setzten Maßstäbe: Der Reservesieger der Springhengste v. Comolfo Plu Z wurde für 140.000 Euro verkauft. Der Schimmel bezieht künftig eine Box in Belgien.



Trotz hoher Erträge gibt es ein leichtes Minus bei der Auktion

Hohe Erträge trotz Corona. Und doch sind die Zahlen etwas niedriger als im Vorjahr. Das hänge auch mit der Pandemie zusammen, meint Kanowski. Bei der Online-Auktion waren am Sonntag etwa 500 Käufer registriert. „Im Vorjahr hatten wir etwa 3000 Besucher pro Tag“, erklärt er. So seien von Donnerstag bis Sonntag schnell auch mal 10.000 Besucher auf dem Gelände in Vechta gewesen.

"Im Vorjahr waren die Amerikaner stark vertreten, dieses Jahr eher weniger, weil das vor Ort sein fehlt."Heiner Kanowski, Geschäftsführer des Oldenburger Pferdezuchtverbandes

Besonders stark wirke sich der durch das Virus bedingte Onlineverkauf auf den US-amerikanischen Markt aus. "Im Vorjahr waren die Amerikaner stark vertreten, dieses Jahr eher weniger, weil das Vor-Ort-Sein fehlt", sagt Kanowski.

Alle 2,5 Jahre jungen Hengste sind nach der Auktion am Sonntag in Europa geblieben. Laut Mitteilung gingen 3 von 10 dressurbetonten Hengsten des Verbandes ins Ausland. Beim Springpferdezuchtverband Oldenburg-International wechselten 8 von 19 gekörten Tiere in 7 europäische Länder: 3 in die Niederlande, jeweils 2 nach Großbritannien und Österreich sowie jeweils ein junger Hengst nach Belgien, Irland, Schweden und Ungarn.

In den kommenden Tagen und Wochen werden die Zuchthengste peux à peux aus Vechta abgeholt. Der Transport erfolgt meist mit einem Lkw oder dem Flugzeug. Da dieses Jahr keine Käufer aus Japan, den USA, Kanada oder Brasilien kommen, könnte es sogar sein, dass die Abnehmer anreisen.


Fakten

  • Die OL-Hengste erzielten einen Gesamtumsatz von 786.500 Euro.
  • Der Durchschnittspreis der gekörten Hengste pendelte sich bei 85.000 Euro ein.
  • Die Springhengste des OS-Verbandes setzten insgesamt 902.500 Euro um.
  • Für einen gekörten Hengst mussten Bieter im Mittel rund 65.000 Euro einsetzen.
  • Graf Anton Günther von Oldenburg legte das Fundament für den Verband der Züchter des Oldenburger Pferdes.
  • 1923 gründete sich der heutige Verband aus 3 Organisationen.

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