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ZF-Werke am Dümmer: IG Metall veranstaltete unter dem Motto "Finger weg von unseren Jobs!" Fahrradtour

Beschäftigte an den 4 Werksstandorten des Automobilzulieferers ZF am Dümmer radeln für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Bislang ist die Zukunft völlig unklar – besonders für die Dammer Mitarbeiter.

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Unter dem Motto "Finger weg von unseren Jobs!" radelten Beschäftigte in den rund um den Dümmer liegenden ZF-Standorten für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Foto: Kühn

Unter dem Motto "Finger weg von unseren Jobs!" radelten Beschäftigte in den rund um den Dümmer liegenden ZF-Standorten für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Foto: Kühn

Im Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze in den Werken des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen am Dümmer hatte die IG-Metall Nienburg-Stadthagen am Samstag zu einer Fahrradtour rund um den See eingeladen. Unter dem Motto "Finger weg von unseren Jobs!", versammelten sich rund 50 Radler in Lembruch beim Grillplatz am Deich. Mit Beginn um 10 Uhr schickte der erste Bevollmächtigte der Metaller-Geschäftsstelle, Fred Hartmann, die Protestfahrer nach und nach in kleinen Gruppen auf den Weg. Die rund 27 Kilometer lange Strecke führte unter anderem über Dümmerlohausen zurück zum Startpunkt. Hartmann konnte Beschäftigte aus allen vier Werkstandorten begrüßen, aber auch einige interessierte Bürger radelten mit.

Nachdem die IG Metall bereits erfolgreich zwei Autokundgebungen mit hunderten Teilnehmern veranstaltet hatte, war es jetzt die dritte Aktion, die mit dem Thema Mobilität Verbindung hatte. Die disruptiven Entwicklungen in der Automobilbranche lassen die Beschäftigten in den vier Werken um ihre Jobs fürchten.

Die örtlichen Geschäftsleitungen und der Chef der in Dielingen residierenden Konzerndivision Pkw-Fahrwerktechnik, Dr. Peter Holdmann, hatten bereits angekündigt, dass die Arbeitgeberseite angesichts des Schwenks der großen Autohersteller auf die Elektroantriebe perspektivisch einen geringeren Personalbedarf sieht. Auch der Verkauf einer in Diepholz ansässigen Produktlinie wird derzeit geprüft.

Der 1. Bevollmächtigte der IG-Metall-Geschäftsstelle Nienburg-Stadthagen, Friedrich Hartmann, schickte die Fahrradfahrer auf die Protesttour. Foto: KühnDer 1. Bevollmächtigte der IG-Metall-Geschäftsstelle Nienburg-Stadthagen, Friedrich Hartmann, schickte die Fahrradfahrer auf die Protesttour. Foto: Kühn

Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite bei ZF arbeiten derzeit an einem zukunftsfähigen Zielbild für den Multidivisionsstandort Lemförde. Im für ZF Deutschland gültigen "Tarifvertrag Transformation" ist dazu vereinbart, einen ersten Entwurf in diesem Sommer festzulegen. Hartmann bestätigte, dass es diesen inzwischen gibt, dieser sei aber längst noch nicht "der große Wurf". Das finale Zielbild, so ist es vereinbart, muss bis Ende des Jahres 2022 erarbeitet sein. Bis dahin gilt eine Beschäftigungssicherung.

Hartmann sieht inzwischen einen "guten Druck durch die Arbeitnehmer" auf die Konzernleitung aufgebaut. Momentan seien aber noch keine Inhalte einer möglichen Vereinbarung hinsichtlich des Erhalts der Arbeitsplätze am Dümmer konkret greifbar. In den bisherigen Gesprächen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeber sei es lediglich um "Marginalien" gegangen.

Hartmann ärgert sich im Moment besonders darüber, dass der Konzern nicht über Alternativen zum Arbeitsplatzabbau nachdenkt. "Warum redet man nicht über die neuen Produkte im ZF-Portfolio, die doch auch in die Werke am Dümmer und nicht in möglicherweise sogar neu gebaute Werke im Ausland gebracht werden können?" In Diepholz etwa gebe es Reinräume, "in denen zum Beispiel Halbleiter gefertigt werden könnten - ein Thema dass die Automobilbranche gerade sehr beherrscht und auch bei ZF angegangen wird." Hartmann wünscht sich zudem eine stärkere Rolle der Ulderup-Stiftung. "Die Stiftung hat im ZF-Aufsichtsrat Sitz und Stimme und bestimmt damit ganz wesentlich auch den weiteren Weg der Werke am Dümmer mit." Die Gewerkschafter werden ihre Aktionen zum Erhalt der Jobs am Dümmer fortführen, so Hartmann. Am 22. August (Sonntag) ist ein Familientag mit Kundgebung im Tierpark Ströhen geplant. Veranstaltet wird dieser von den IG-Metall-Vertrauensleuten in den Werken.

Foto: Kühn
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Situation für Dammer Beschäftigte ist zermürbend

Die Schließung des Standortes Damme steht bereits fest. Eine erste Abteilung wurde bereits verlagert. Die Mietverträge für die Werkshallen in Damme waren von Eigentümer und Nachbar Boge zum 31. Dezember 2023 gekündigt worden. Dann ist laut dem Betriebsratsvorsitzenden des Dammer Werkes, Damian Piegsa, die Schlüsselübergabe geplant. Piegsa, der am Samstag auch mitradelte, beklagte gegenüber OM online die völlige Unklarheit der Situation für die verbliebenen Beschäftigten des Standortes. Seit dem Jahr 2019 sei bekannt, dass der Standort Damme aufgegeben wird.

Bis auf den Umzug der Zapfenfertigung nach Wagenfeld, in der 36 Arbeitnehmer beschäftigt sind, sei noch nichts weiter passiert, so Piegsa weiter. Die noch in Damme verbliebenen "330 Menschen wollen wissen, wo sie künftig arbeiten können". Die konkrete Aussage des Konzerns "Ihr bleibt am Dümmer" gebe es bislang nicht. "Wir sind bereit, in den anderen Werken des Multidivisionsstandort Lemförde am Dümmer zu arbeiten. Wir sind natürlich alle bereit, für die Arbeit auch eine längere Anfahrt in Kauf zu nehmen – wenn wir unsere Jobs behalten können. Doch bis jetzt gibt es von Seiten des Arbeitgebers keine Signale. Die Unsicherheit ist auf die Dauer sehr zermürbend."

"Wir beabsichtigen, die Mitarbeiter während des Prozesses regelmäßig gemeinsam mit dem Betriebsrat zu informieren."Florian Tosch, Sprecher der ZF-Konzerndivision Pkw-Fahrwerktechnik

Der Sprecher der ZF-Konzerndivision Pkw-Fahrwerktechnik, Florian Tausch, wollte bis auf die Tatsache, dass "in den letzten Monaten Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter gemeinsam intensiv an der Analyse zum Zielbild des Multidivisionsstandortes Lemförde gearbeitet haben", keine Angaben zu eventuellen Fortschritten in diesen Gesprächen machen.

"Wir beabsichtigen, die Mitarbeiter während des Prozesses regelmäßig gemeinsam mit dem Betriebsrat zu informieren", so Tausch, der nähere Inhaltsangaben mit dem Verweis auf einen "internen Prozess" ablehnte. "Externe Kommunikation erfolgt erst, wenn konkrete Maßnahmen vereinbart und unsere Mitarbeiter informiert wurden."

Wie Hartmann bestätigte auch Tausch, dass von Arbeitgeber und Arbeitnehmern, wie im Tarifvertrag vorgesehen, im Juli ein Zwischenstand zur Zielbilderstellung am Multidivisionsstandort erörtert wurde. "Konkrete Maßnahmen sind bisher noch nicht vereinbart worden."

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