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ZF-Werke am Dümmer: Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigen sich auf neues Zielbild

Einigung in den Tarifverhandlungen Transformation. Ein Arbeitsplatzabbau ist wohl unvermeidlich. Das Dammer ZF-Werk wird – wie angekündigt – Ende 2023 geschlossen. Was wird aus Werk Diepholz "EI"?

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Bei ZF am Dümmer hat man sich auf ein neues Zielbild für die Werksstandorte geeinigt: Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben Eckpunkte des Zielbildes veröffentlicht. Im Bild die Zentrale der Standorte am Dümmer in Dielingen. Foto: ZF

Bei ZF am Dümmer hat man sich auf ein neues Zielbild für die Werksstandorte geeinigt: Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben Eckpunkte des Zielbildes veröffentlicht. Im Bild die Zentrale der Standorte am Dümmer in Dielingen. Foto: ZF

Lange haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer um die Zukunft der Werke des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen am Dümmer gerungen, nun ist in den Verhandlungen im Rahmen des Tarifvertrags Transformation eine Einigung für ein Zielbild am so genannten Multidivisionsstandort Lemförde (MDS) erzielt worden. Mit dem zuständigen Betriebsrat hat sich die Arbeitgeberseite auf wesentliche Eckpunkte geeinigt. ZF wird den MDS "zum globalen Zentrum für Fahrwerktechnologie weiterentwickeln". An der Auflösung des Werkes in Damme Ende des Jahres 2023 wird allerdings nicht mehr gerüttelt.

Um die Beschäftigung am Dümmer nachhaltig zu sichern, so heißt es in einer Mitteilung, werden "umfassend Zukunftskompetenzen, Innovation und Digitalisierung" gestärkt. Damit wird eine wichtige Forderung der Arbeitnehmerseite erfüllt, die solche Weiterentwicklung gefordert hatte, um die Arbeitsplätze vor Ort zu erhalten. Betriebsbedingte Kündigungen am MDS Lemförde sind bis zum 31. Dezember 2026 ausgeschlossen. 

ZF will Werke am Dümmer zum globalen Zentrum Fahrwerktechnologie weiterentwickeln

ZF wird seine Werke rund um den Dümmer zum globalen Zentrum für Fahrwerktechnologie weiterentwickeln. Das ist das wohl wichtigste Bekenntnis aus den Verhandlungen von Arbeitgeberseite und Arbeitnehmervertretungen um den Tarifvertrag Transformation.

Die Werke am Dümmer, so heißt es in einer Mitteilung, "werden sich auf renditestarke und innovative Produkte fokussieren, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Standorte am Dümmer zu sichern". Allerdings werden "Produkte, die sich in Deutschland nicht zukunftsfähig produzieren lassen, konsequent an Standorte mit wettbewerbsfähigerer Kostenstruktur verlagert".

Mit einer Vielzahl an Initiativen, darunter auch Produktionsverbünde der Werke, richtet ZF den Multidivisionsstandort Lemförde (MDS) neu aus. Hier soll "die Fahrwerktechnologie der Zukunft" im Mittelpunkt stehen. In Diepholz gibt es zwei Werksstandorte. Im so genannten "Werk C" sieht sich die Division Pkw-Fahrwerktechnik auf gutem Weg zur Einführung von Industrie 4.0 im Gesamtkonzern. Die Vorhaben sollen Blaupause für alle Werke des Konzerns werden.

Das Werk "Diepholz EI", dessen Verkauf zuletzt öffentlich diskutiert wurde, findet in der Mitteilung keine eigene Erwähnung. Vom Verkauf des Werkes, in dem Schaltungssysteme hergestellt werden, wären rund 500 der insgesamt etwa 950 Mitarbeiter am Standort Diepholz betroffen. In Dielingen wird die Produktentwicklung weiter ausgebaut und der "Chassis 2.0 Campus" geschaffen.

1,5 Millionen Euro für die PHWT Diepholz/Vechta

Um die Fachkräfte für die hoch qualifizierten Jobs auszubilden, setzt ZF am Dümmer ein internes und externes Qualifizierungsprogramm auf. In diesem Rahmen will man die Ausbildung an der Privaten Hochschule für Wirtschaft und Technik (PHWT) in Diepholz und Vechta mit einer Spende von 1,5 Millionen Euro unterstützen.

Die Transformation am MDS wird "neben strukturellen und arbeitsorganisatorischen Veränderungen auch eine Abschmelzung von Arbeitsplätzen beinhalten", heißt es aus Dielingen. Diese Anpassungen sollen durch Fluktuation und ein weiteres Sonderprogramm mit Angeboten zu Altersteilzeit und Aufhebungsverträgen erfolgen. Um wie viele Arbeitsplätze es dabei geht, war nicht zu erfahren. 

Für die ZF-Mitarbeiter in Damme enthält die Einigung keine guten Nachrichten. Mit Ablauf des Mietvertrags Ende 2023 wird die angekündigte Schließung erfolgen. Defizitäre Produktgruppen "werden an Standorte mit günstigeren Kostenstrukturen verlagert, andere Produkte gehen in die Fahrwerkstandorte am MDS nach Diepholz und Wagenfeld". ZF bietet allen Mitarbeitern aus Damme Weiterbeschäftigung an.

Holdmann sieht Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Dümmer

Dr. Peter Holdmann, Leiter der am Dümmer ansässigen ZF-Division Pkw-Fahrwerktechnik sieht das Zielbild für den MDS als wichtigen Meilenstein für die Zukunftsfähigkeit der Standorte am Dümmer. Er freue sich über das erzielte Ergebnis und die zukünftige zentrale Rolle im Konzern. "Mit der Kombination aus Zukunftskompetenzen einerseits und einer Konzentration auf profitable Produktgruppen andererseits stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. So sichern wir auch die verbleibende Produktion nachhaltig." Mit den entstehenden Innovationen im Bereich Fahrwerk werde der Standort "den Wandel der Mobilität aktiv mitgestalten".

Jörg Amon, Vorsitzender des Betriebsrats MDS Lemförde betont in der gemeinsamen Mitteilung, dass "die getroffene Vereinbarung den Arbeitnehmern Sicherheit und eine klare Perspektive gibt. Es gilt nun, die Bausteine mit Hochdruck und Punkt für Punkt gemeinsam umzusetzen". Dabei müssten alle Maßnahmen am MDS darauf ausgerichtet sein, "möglichst viele Arbeitsplätze nachhaltig zu erhalten".

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