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ZF garantiert Arbeitsplätze und Standorte

Aufatmen auch in den Werken des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen rund um den Dümmer: Bis zum 31. Dezember 2022 ist die Beschäftigung in Deutschland gesichert.

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Beschäftigung und Standorte sind zunächst gesichert: Jetzt beginnt bei Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen die Phase der Zukunftsplanungen. Foto: ZF

Beschäftigung und Standorte sind zunächst gesichert: Jetzt beginnt bei Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen die Phase der Zukunftsplanungen. Foto: ZF

Die ZF Friedrichshafen AG hat sich mit dem Gesamtbetriebsrat und den Gewerkschaften auf eine Vereinbarung zur strukturellen Neuausrichtung des Unternehmens geeinigt. Dieser "Tarifvertrag Transformation" gilt bis Ende 2022 für rund 50.000 Tarifmitarbeiter in Deutschland, teilte Personalvorstand Sabine Jaskula mit. Noch Ende Mai hatte die Konzernleitung den Abbau von 7.500 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2025 allein in Deutschland angekündigt. Der Automobilzulieferer hat rund um den Dümmer mehrere Werke, darunter eine Spurstangenfertigung in Damme.

Die neue Vereinbarung beinhaltet "Instrumente zur Flexibilisierung der Personalkapazitäten", erklärte Jaskula. ZF sichert die Arbeitsplätze der deutschen Beschäftigten bis zum 31. Dezember 2022 und schließt betriebsbedingte Kündigungen aus. Für denselben Zeitraum gilt die Zusage des Erhalts aller Standorte. Die Beschäftigten verzichten in diesem Juli auf eine Sonderzahlung in Höhe von 400 Euro.

Die Vereinbarung "gibt den Beschäftigten Sicherheit und uns die nötige Flexibilität, unsere Kapazitäten schnell und sozialverträglich an die veränderte Marktlage anzupassen," sagte auf Anfrage Dr. Peter Holdmann, Leiter der ZF-Division Pkw-Fahrwerktechnik mit Sitz in Dielingen. Man gewinne nun "die nötige Zeit, um für die langfristige Ausrichtung unseres Standorts gemeinsam Perspektiven und Wege zu entwickeln".

Auch die Auszubildenden werden übernommen

Zu den weiteren Vereinbarungen gehört auch die unbefristete Übernahme aller Auszubildenden und dual Studierenden sowie der Erhalt der Ausbildungsplätze auf dem heutigen Niveau. Nach dem Auslaufen der Kurzarbeit könnten bei weiterhin schwacher Nachfrage außerdem die Arbeitszeiten in allen Tarifgebieten um bis zu 20 Prozent reduziert werden. Um Einkommensverluste abzufedern, wurden jedoch Aufstockungsbeträge für die sogenannte "tarifliche Kurzarbeit" vereinbart.

Um kurzfristig Kapazitäten anzupassen, bietet ZF den Mitarbeitern an, das Unternehmen vorzeitig zu verlassen, etwa über Altersteilzeit- oder Abfindungsregelungen. Auch Qualifizierungsangebote, Stipendien oder Sabbaticals werden offeriert.

Jeder deutsche Standort soll laut Vereinbarung zudem ein Zukunftsbild entwickeln und klären, wie die Beschäftigung und die Produktion über das Jahr 2022 hinaus gesichert werden kann. Für Standorte, die "in den nächsten beiden Jahren zum Beispiel aufgrund des Strukturwandels in der Automobilindustrie kein solches Zukunftsbild erarbeiten können", schließt die Konzernleitung ab 2023 eine Schließung nicht aus.

Dammer Betriebsrat hat noch viele offene Fragen

Damian Piegsa, Betriebsratsvorsitzender im Dammer Spurstangenwerk von ZF, ist zwiegespalten in seiner Freude über die erzielten Ergebnisse. Was Arbeitszeitmodelle, Altersteilzeit oder Abfindungen angehe, müsse jetzt jeder Mitarbeiter erst einmal selbst für sich rechnen, "was für ihn das Beste ist".

Für den Standort Damme ist bislang die komplette Verlagerung von Maschinen und Mitarbeitern bis zum Jahr 2023 in die ZF-Werke auf der Ostseite des Dümmers angekündigt. Nachbar Boge Rubber & Plastics ist Eigentümer der Dammer Hallen und hatte den Mietvertrag gekündigt.

Wenn in der neuen Vereinbarung bei ZF nun eine Standortgarantie vorgesehen sei, "trifft das auch für Damme zu? Wird der Standort erhalten?", fragt Piegsa. Die Belegschaft warte weiter dringend auf die Klärung ihrer Situation.

"Wir freuen uns sehr"Andreas Rumpke, Vertrauensmann der IG Metall in Dielingen

Andreas Rumpke, Vertrauensmann der IG Metall in Dielingen, sieht ein "gutes Ergebnis" für die Arbeitnehmer. "Wir freuen uns sehr." Die von den ZF-Arbeitnehmervertretern in der Region vor wenigen Wochen organisierte öffentliche Kundgebung mitsamt Autokorso durch Diepholz habe durchaus Druck erzeugt.

Rumpke freut besonders, dass es gelungen ist, alle Auszubildenden zu übernehmen, sowie die nach 2016 bei ZF eingestellten Arbeitnehmer mit festen Verträgen ebenfalls in die Beschäftigungssicherung einzubeziehen. Auch eine zunächst geplante "Hagelschlagklausel", also eine Absprache, dass alle Vereinbarungen ihre Geltung im Fall eines unvorhersehbaren Ereignisses verlieren, sei vom Tisch. Bis zuletzt sei es strittig gewesen, ob damit auch die Coronavirus-Lage Einfluss haben würde. Man müsse nun weiter "am Ball bleiben", denn "Ende 2022 ist nicht mehr weit".

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