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Zahl der Anträge auf Kurzarbeitergeld steigt

Auch die Agentur für Arbeit Vechta verstärkt inzwischen das mit den entsprechenden Anfragen befasste Personal.

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Um Kündigungen von Mitarbeitern zu vermeiden, können Unternehmen Kurzarbeitergeld beantragen. Wegen der Coronavirus-Pandemie sind die Antragsvoraussetzungen gelockert worden. Die Anträge bearbeiten die Agenturen für Arbeit. Foto: dpa / Sauer

Um Kündigungen von Mitarbeitern zu vermeiden, können Unternehmen Kurzarbeitergeld beantragen. Wegen der Coronavirus-Pandemie sind die Antragsvoraussetzungen gelockert worden. Die Anträge bearbeiten die Agenturen für Arbeit. Foto: dpa / Sauer

Die Anzeigen auf Kurzarbeit, die derzeit bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) wegen der Coronavirus-Pandemie eingehen, sind rasant angestiegen, so die Behörde gestern in einer Mitteilung. Anzeigen kämen aus allen Branchen. In dieser Woche nahmen die örtlichen Arbeitsagenturen bundesweit bisher rund 76700 Anzeigen auf Kurzarbeit entgegen. Ende 2019 zeigten laut Bundesagentur während einer konjunkturellen Schwächephase rund 1000 Betriebe wöchentlich Kurzarbeit an. Im Regionaldirektionsbezirk Niedersachsen-Bremen waren es gestern 9500 Anzeigen auf Kurzarbeit, die nach Angaben der Betriebe auf Folgen der Pandemiekrise zurückzuführen sind.

Mithilfe des Instruments Kurzarbeit wolle man „so viele Arbeitsplätze wie möglich in der Region erhalten“, erklärt Tina Heliosch, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Vechta, zuständig für das Oldenburger Münsterland. Intern wurden die Bereiche personell verstärkt, die mit der Auszahlung von Leistungen wie dem Kurzarbeitergeld betraut sind, ergänzt Behördensprecher Frank Halbsguth. Die Zahl der Anrufe sei zuletzt sehr stark gestiegen: „Der Beratungsbedarf der Unternehmen ist riesig“, sagt er. Wie viele Unternehmen im Bereich der Arbeitsagentur Kurzarbeitergeld beantragt haben,

Was bedeutet Kurzarbeit?

Kurzarbeit bedeutet, dass für einen Teil oder für alle Beschäftigten eines Betriebes vorübergehend nicht mehr genug Arbeit da ist und alle ihre Arbeit vorübergehend verringern oder ganz einstellen müssen. Um eine Kündigung zu vermeiden, kann dann Kurzarbeitergeld beantragt werden. Wem hilft Kurzarbeitergeld? Arbeitnehmer behalten ihre Jobs. Unternehmen werden von Lohnkosten entlastet und behalten auch in der Flaute ihr eingearbeitetes Personal.

Welche Bedingungen gelten für Kurzarbeitergeld?

Kurzarbeit können Unternehmen beantragen, die aufgrund unverschuldeter wirtschaftlicher Ursachen wie Lieferengpässe bei benötigten Produktionsteilen oder anderer nicht beeinflussbarer (unabwendbarer) Ereignisse wie Hochwasser oder eben das Coronavirus kurzfristig in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, ihre Beschäftigten dadurch nicht mehr voll auslasten können, und bei denen mindestens zehn Prozent der im Betrieb Beschäftigten mindestens zehn Prozent ihres Lohns einbüßen.

Was ändert sich durch das Eilgesetz der Bundesregierung?

Mit den neuen Vorschriften können noch mehr Betriebe Kurzarbeit nutzen. Bisher musste mindestens ein Drittel der im Betrieb Beschäftigten von einem Arbeits- und Lohnausfall betroffen sein. Jetzt reichen zehn Prozent. Hinzu kommt, dass die Bundesagentur für Arbeit nun auch die Sozialversicherungsbeiträge voll erstattet, bisher mussten das die Unternehmen. Künftig können auch Beschäftigte in der Leiharbeit Kurzarbeitergeld erhalten.

Welche Voraussetzungen für Kurzarbeitergeld gibt es?

Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass Unternehmen nur im Notfall Kurzarbeitergeld beanspruchen können und nicht etwa bei normalen Betriebsrisiken. Deshalb müssen Einflüsse vorhanden sein, die nicht in der Verantwortung des Betriebes liegen. Das sind zum Beispiel auch Anordnungen der Gesundheitsämter.

Wie beantragt man das Kurzarbeitergeld?

Unternehmen nehmen Kontakt mit der Agentur für Arbeit auf. Die Mitteilung von Kurzarbeit wie auch die Antragsstellung erfolgt online unter www.arbeitsagentur.de/kurzarbeit, wenn der Betrieb bei der Agentur registriert ist. Diese Registrierung übernimmt die Behörde; Betriebe sollten sich nicht eigenständig registrieren. Zum Antrag gehören weitere Unterlagen, so etwa die Vereinbarung über die Einführung von Kurzarbeit mit dem Betriebsrat.

Wie lange gibt es Kurzarbeitergeld und wie hoch ist es?

Die mögliche Bezugsdauer beträgt zwölf Monate. Der tatsächliche Zeitraum ist vom Einzelfall abhängig. Das Kurzarbeitergeld beträgt 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns.Wenn auf der Lohnsteuerkarte des Beschäftigten mindestens „0,5 Kinder“ eingetragen sind, gibt es 67 Prozent. Das Geld wird vom Betrieb gezahlt. Diesem wird die Zahlung von der Agentur für Arbeit erstattet.

Wie lange dauert die Bearbeitung eines Antrages?

Das hängt laut Auskunft von Halbsguth von vielen, „auch von uns nicht beeinflussbaren Parametern ab“. So käme es etwa darauf an, wann der Arbeitgeber seinen Bedarf anzeigt oder wann dieser intern das Kurzarbeitergeld abrechne. Eine pauschale Angabe zur Bearbeitungsdauer sie nicht möglich. „Ich kann nur versichern, dass wir derzeit alles dafür tun, dass die internen Prozesse zur Bearbeitung so schnell und pragmatisch wie möglich umgesetzt werden, um die Existenzen der Unternehmen und der Beschäftigten zu sichern.“

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