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XXL-Stromkabel hat eine Strücklinger Kühlung

Hansa-Klima trägt dazu bei, dass regenerativ erzeugter Strom zwischen Norwegen und Deutschland fließen kann. Das Kabel ist über 600 Kilometer lang.

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Ziemlich groß: Die Projektleiter Hannes Keck (links) und Thorsten Füllbrunn demonstrieren der Elemente, die in der Nordlink-Konverterstation verbaut wurden. Insgesamt sind die Lüftungskanäle dort rund zwei Kilometer lang. Foto: Stix

Ziemlich groß: Die Projektleiter Hannes Keck (links) und Thorsten Füllbrunn demonstrieren der Elemente, die in der Nordlink-Konverterstation verbaut wurden. Insgesamt sind die Lüftungskanäle dort rund zwei Kilometer lang. Foto: Stix

Über das mehr als 600 Kilometer lange Stromkabel „Nordlink“ tauschen Deutschland und Norwegen regenerativen Strom aus Wind- und Wasserkraft aus. Die Strücklinger Firma Hansa Klima war an dem Großprojekt, das gerade seinen Regelbetrieb aufgenommen hat, beteiligt. Ihre Lüftungs- und Klimatisierungstechnik in der Konverterstation in Schleswig Holstein sorgt dafür, dass der Strom auf deutscher Seite überhaupt an- und wegkommen kann.

„Wir sind gezielt angesprochen worden, ob wir den Auftrag übernehmen wollen“, erzählt Thorsten Füllbrunn, einer der beiden Projektleiter, die den Bau der Anlage betreut haben. „Wir haben wohl einen ganz guten Leumund, außerdem war es zwar das größte, aber nicht unser erstes Projekt in diesem Bereich.“

Etwa ein Jahr verging von der Anfrage bis zum Baubeginn, ein weiteres Jahr hat es danach gedauert, bis die Klima- und Lüftungsanlage sowie das dafür erforderliche Betriebsgebäude standen. „In Spitzenzeiten haben bei uns 25 Leute gleichzeitig an dem Projekt gearbeitet“, sagt Hannes Keck, der zweite Hansa-Projektleiter.

Austausch zwischen Deutschland und Norwegen

Nordlink ist die erste Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsstrecke (HGÜ) zwischen Norwegen und Deutschland. Die Idee dahinter ist simpel: Norwegen produziert in Wasserkraftwerken, in nach unten strömendes Wasser Turbinen antreibt, regenerative Energie, die über das HGÜ-Kabel nach Deutschland transportiert wird.

Im Gegenzug fließt überschüssiger Strom aus Windkraftanlagen nach Norwegen, um damit das Pumpwasser in den Wasserkraftwerken zur erneuten Nutzung wieder nach oben zu pumpen. Damit kann der deutsche Strommarkt bei Bedarf auf regenerative Energie aus Norwegen zugreifen während beispielsweise nachts erzeugte Windenergie nicht verloren geht, sondern in Norwegen sinnvoll genutzt wird.

Für den Energietransport wird Gleichstrom eingesetzt, der sich auf langen Strecken verlustfreier und kostengünstiger transportieren lässt Wechselstrom. Deshalb muss in den Konverterstationen der ankommende Wechselstrom zunächst in Gleichstrom um- und am anderen Ende wieder zurückverwandelt werden. Dabei entsteht Wärme, und deshalb muss das ganze System wie ein PC heruntergekühlt werden. „Unsere Anlage macht den Betrieb der Konverterstation überhaupt erst möglich“, betont Füllbrunn. „Ohne Kühlung macht die Abwärme das System kaputt.“

„Dafür müssen die Mitarbeiter spezielle Lehrgänge nachweisen. Manche Monteure haben diese Lehrgänge extra für den Auftrag gemacht.“Hannes Keck

In ihren Dimensionen allerdings ist die Konverterstation nicht mit einem PC vergleichbar. Sie ist als Doppelhalle angelegt, jede Hallenseite hat das Ausmaß von drei Fußballfeldern. Entsprechend groß ist die Lüftungsanlage. Allein die verbauten Lüftungskanäle summieren sich auf eine Länge von rund zwei Kilometern, die zum Teil in vielen Metern Höhe verlegt werden mussten. „Dafür müssen die Mitarbeiter spezielle Lehrgänge nachweisen“, erzählt Keck. „Manche Monteure haben diese Lehrgänge extra für den Auftrag gemacht.“

Corona spielt ausnahmsweise keine Rolle

Und das war nicht die einzige Herausforderung. „Die Arbeitssprache in dem Projekt war englisch“, erzählt Füllbrunn. Für die Hansa-Kollegen hieß das, sich mit den Monteuren der anderen beteiligten Firmen wenn nötig mit Händen und Füßen zu verständigen.

Corona allerdings spielte beim Bau der Anlage fast keine Rolle. „Wir hatten das Projekt kurz vor Ausbruch der Pandemie abgeschlossen“, sagt Keck. „Lediglich bei den Abnahmen mussten wir dann schon Masken tragen.“ So richtig hat Corona erst bei den abschließenden Arbeiten an den Stationen und beim Probebetrieb zugeschlagen. „Aber da“, so Keck, „waren wir schon weg.“

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