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Wohnprofi wirbt für neue Bescheidenheit

Für den Sprung in die Selbstständigkeit hätte sich Wolfgang Schweers keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können. Die hohen Baupreise müssten jetzt eigentlich sinken, sagt der Ingenieur.

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Gefördert: Michael Kramer (links) überreicht Wolfgang Schweers den KMU-Förderbescheid. Foto: Meyer

Gefördert: Michael Kramer (links) überreicht Wolfgang Schweers den KMU-Förderbescheid. Foto: Meyer

400.000 neue Wohnungen sollen demnächst pro Jahr in Deutschland gebaut werden. Das sieht der Koalitionsvertrag vor, auf den sich die  künftige "Ampelregierung" in dieser Woche  geeinigt hat. Für Wolfgang Schweers und sein Team dürfte es also einiges zu tun geben. Über mangelnde Arbeit kann sich der Diplomingenieur aber auch so nicht beschweren. 

Es läuft gut für den Lastruper, der sich vor vier Jahren mit einem eigenen Büro selbstständig gemacht hat. Ein wirklich schlechtes Jahr war trotz Corona bislang nicht dabei, der anhaltenden Bauboom bescherte Schweers vom Start weg ordentlich Aufträge. Inzwischen hat er acht festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter Architekten, Bautechniker und -zeichner. Auch eine Auszubildende gehört zum Team. Zuhause an der Tannenstraße, wo Schweers sein Büro eingerichtet hatte, wurde es schnell zu klein. Vor kurzem hat die Firma ein eigenes Gebäude am Blaubusch bezogen. Funktional aber hübsch sind die neuen Räume. Natürlich hat Schweers sie selbst entworfen. 

Das Büro bietet praktisch alle Leistungen rund um das Thema Bauen an. "Wir planen Häuser, errechnen die Statik und kümmern uns um die Energienachweise", berichtet der Unternehmer. Als Energieberater ist er derzeit besonders gefragt. Denn zum 1. Februar 2022 stampft der Bund die Neubauförderung für das Effizienzhaus 55  ein. Anträge können noch bis Ende Januar 2022 gestellt werden. Außerdem ist der Lastruper Fachmann für Biogasanlagen. 

Schweers wirbt für Wärmepumpen

Ohne gute Beratung sehen Bauwillige heute schnell alt aus. Nicht wenige würden ihre Kenntnisse überschätzen, weiß Schweers aus Erfahrung. Mit Neuerungen würden sich viele außerdem schwertun. Beispiel Wärmepumpe: Sie gewinnt Wärme aus der Umgebungsluft, dem Grundwasser oder dem Erdreich und ist in der Regel  klimaschonender als eine Öl- oder Gasheizung. So richtig angekommen ist die Technik in den Köpfen aber noch nicht, hat Schweers festgestellt. Auch der vergleichsweise hohe Preis lasse viele Kunden vor dem Kauf zurückschrecken. Zu Unrecht, findet Schweers. "Rechnet man die Fördermöglichkeiten für eine Wärmepumpe und die zusätzlichen Kosten für den Gasanschluss mit ein, ist der Unterschied gar nicht mehr groß."

Vom Landkreis Cloppenburg erhielt Wolfgang Schweers jetzt einen KMU-Förderbescheid über 37.000 Euro. Lastrups Bürgermeister Michael Kramer brachte das Schreiben persönlich am neuen Standort vorbei. Er freut sich vor allem mit Blick auf die Arbeitsplätze über die gute Entwicklung des Ingenieurbüros.  

"Eine dreiköpfige Familie braucht eigentlich keine 180 Quadratmeter Wohnfläche"Wolfgang Schweers, Bauingenieur

Was Schweers derzeit ärgert? Das  sind die hohen Material- und Energiekosten, die das Bauen immer teurer machen. Zwar entspanne sich die Lage beim Bauholz inzwischen. Dämmmaterial und andere Baustoffe würden dagegen immer noch zu viel kosten, findet er. "Da wäre jetzt langsam ein Preisnachlass fällig." Häuslebauern empfiehlt der Experte, genau zu überlegen, wie groß das begehrte Eigenheim werden soll. "Eine dreiköpfige Familie braucht ja eigentlich keine 180 Quadratmeter Wohnfläche."

Von einer neuen Bescheidenheit ist in den meisten Neubaugebieten allerdings nichts zu sehen. Das hat auch Michael Kramer festgestellt. "Manchmal muss man schon genau hinschauen, um den Unterschied zwischen einem Einfamilien- und einem Mehrfamilienhaus zu erkennen", sagt er. Mit einem Abebben der Nachfrage nach Bauplätzen sei in Lastrup  jedoch vorerst nicht zu rechnen. 

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