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Wohn- und Pflegeheimbetreiber Convivo beantragt Insolvenz

Der Wohn- und Pflegeheimbetreiber Convivo ist insolvent. Betroffen sind auch Einrichtungen im Oldenburger Münsterland. (Update)

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Symbolfoto: dpa/Pleul

Symbolfoto: dpa/Pleul

Der in mehreren Bundesländern tätige Wohn- und Pflegeheimbetreiber Convivo mit Sitz in Bremen hat für wesentliche Gesellschaften des Unternehmens Insolvenzanträge gestellt. Das gab Convivo am Dienstag in einer Mitteilung bekannt. Convivo vereint nach eigenen Angaben mehr als 100 Pflegeeinrichtungen, die größtenteils im Nordwesten Deutschlands liegen, und beschäftigt rund 4800 Mitarbeiter.

Dazu gehören unter anderem auch der Seniorenpark in Friesoythe sowie Teile des ehemaligen Benediktiner-Klosters in Damme, das Convivo als Campus Kloster Damme vom Eigentümer, einem Berliner Sozialfonds, gepachtet hat. Dammes Bürgermeister Mike Otte erklärte, er habe bereits mit einem Vertreter des Sozialfonds gesprochen, weil das Bildungswerk Dammer Berge, an dem auch die Stadt Damme beteiligt ist, Räume von Convivo als Unterverpächterin gepachtet hatte. Schon in Kürze soll es Gespräche zwischen Damme und dem Sozialfonds geben.

Rebecca Bernsdorf, Head of Expansion von der Convivo-Gruppe, konnte am Dienstagabend noch nichts Genaueres zu den Standorten im Oldenburger Münsterland sagen. "Aktuell ist ein Insolvenzverwalter im Haus", erklärte Bernsdorf, das weitere Vorgehen sei noch nicht absehbar. Den Seniorenhof in Visbek habe Convivo erst kürzlich wieder abgegeben, im Juli 2022 war Convivo dort erst zum Betreiber geworden. "Priorität haben jetzt alle Einrichtungen, wo Menschen leben." Auch für Projekte, wo fertige Immobilien bereits stehen, wie in Friesoythe, suche man schnell nach Lösungen. 

Die Anträge beim Amtsgericht Bremen stellte Convivo am Montag. Das Amtsgericht Bremen bestätigte am Dienstag, dass fünf Gesellschaften von Convivo Insolvenz beantragt haben. Wie der Sprecher des Gerichts sagte, hat das Gericht für die Gesellschaften jeweils eine vorläufige Verwaltung angeordnet und einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Convivo nennt Gründe für Insolvenzanträge

"Die Unternehmensgruppe ist sich ihrer Verantwortung den Menschen gegenüber bewusst und wird die nächsten Schritte gewissenhaft begleiten", heißt es in der Mitteilung von Convivo. Es seien Maßnahmen eingeleitet worden, um die Versorgung der betreuten Menschen sicherzustellen. Löhne und Gehälter der Mitarbeiter seien über das Insolvenzgeld bis März gesichert. Wie viele Menschen zuletzt von Convivo betreut wurden, ist nicht genau bekannt. Auf der Website heißt es, man kümmere sich um mehr als 18.000 Menschen. Convivo ist nach eigenen Angaben seit 30 Jahren im Pflegemarkt tätig.

Als einen Grund für die Insolvenzanträge nannte Convivo die vergleichsweise niedrigen Belegungszahlen im Bereich der stationären Pflege. Der Einsatz von Zeitarbeitern habe hohe Kosten verursacht. Auch die Pflegereform der Bundesregierung habe sich schlecht auf das Unternehmen ausgewirkt. Weiterhin nannte das Unternehmen Preissteigerungen als einen Grund – beispielsweise bei den indexierten Pachten. Das Unternehmen habe Standorte verkauft und bis zuletzt versucht, Beteiligungspartner zur Stabilisierung des Geschäftsbetriebs einzubinden.

Bei den Insolvenzeinträgen handle es sich nicht um Einzelfälle

Nach Einschätzung von Terranus, einem Beratungsunternehmen und Makler im Bereich von Seniorenimmobilien mit Sitz in Köln, sind die Insolvenzanträge von Convivo nicht das Ergebnis einer allgemeinen Pflegeheim-Krise. Die Gründe für die Insolvenz lägen bei Convivo selbst, heißt es in einem Thesenpapier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Convivo sei extrem gewachsen, habe schwierige Einrichtungen übernommen und viele Häuser hätten keine auskömmliche Belegung.

Die Seniorenvertretung Bremen, eine Interessenvertretung, gab in einer Mitteilung am Dienstag bekannt, man sei erschüttert über die neuesten Entwicklungen in Bremer Pflegeeinrichtungen. "Es zeigt sich erneut, dass die privatwirtschaftliche Organisation der Pflege zu Fehlentwicklungen führt", heißt es in der Mitteilung weiter. Die Pflege älterer Menschen müsse in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung liegen. In Bremen hatte zuletzt bereits ein kirchliches Pflegeheim Insolvenz anmelden müssen.

Nach Einschätzung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Bremen-Nordniedersachsen handelt es sich bei den Insolvenzanträgen nicht um Einzelfälle. Alle Pflegeheimbetreiber hätten derzeit unter Preissteigerungen zu leiden. Verdi-Gewerkschaftssekretärin Kerstin Bringmann sagte laut Mitteilung: "Wenn wir nicht sehenden Auges in eine Katastrophe stürzen wollen, brauchen wir schnelle finanzielle Unterstützung für alle Pflegeheime."

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