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"Wirtschaftsförderung lebt von persönlichen Kontakten"

Die Ansiedlung von Unternehmen und ihre Unterstützung ist im Friesoyther Rathaus Chefsache. Im Interview mit OM online sagt Bürgermeister Sven Stratmann, was Wirtschaftsförderung für ihn bedeutet.

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Der C-Port ist für die Wirtschaftsförderung in Friesoythe ein Türöffner, aus dem heraus sich nach Ansicht von Bürgermeister Sven Stratmann neue Ansiedlungen für die Stadt entwickeln lassen. Foto: C-Port

Der C-Port ist für die Wirtschaftsförderung in Friesoythe ein Türöffner, aus dem heraus sich nach Ansicht von Bürgermeister Sven Stratmann neue Ansiedlungen für die Stadt entwickeln lassen. Foto: C-Port

Als in der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsausschusses das Thema „Wirtschaftsförderung“ auf der Agenda stand, war Bürgermeister Sven Stratmann verhindert. Dabei ist das Thema im Friesoyther Rathaus als Chefsache ganz oben angesiedelt. OM online hat bei Stratmann nachgefragt, wie Wirtschaftsförderung in Friesoythe funktioniert.

Ist in Friesoythe tatsächlich allein der Bürgermeister für die Wirtschaftsförderung zuständig?
Nein. Das ist natürlich eine Querschnittsaufgabe. Ansiedlungswillige Unternehmen etwa kommen auf verschiedenen Wegen zu uns, mal wegen einer Grundstücksanfrage über das Bauamt, mal über das Bürgermeisteramt als zentrale Anlaufstelle. Einen eigenen Mitarbeiter für die Wirtschaftsförderung haben wir nicht. Meist ist es allerdings ohnehin so, dass Interessenten direkt mit der obersten Verwaltungsebene sprechen wollen.

Das klingt jetzt sehr nach dem von einem Ratsherren kritisierten „Management by Chance“, also nach Reaktion auf einlaufende Anfragen.
Management bei Chance ist eine Säule, ja. Aber eben nur eine kleine. Wir werden natürlich auch selbst aktiv, wenn wir – wo und wie auch immer – in Kontakt mit interessanten Unternehmen kommen, etwa auf Unternehmerforen hier in der Region oder, auch das kommt vor, über Vermittlung von gut vernetzten Friesoyther Unternehmern. Es lebt hier überhaupt ganz viel von persönlichen Kontakten. Friesoythe ist, das muss man ganz nüchtern betrachten, für externe Unternehmer nicht der Standort, auf den sie bei der Suche als Erstes kommen.

Für Friesoythes Bürgermeister Sven Stratmann ist Wirtschaftsförderung auch ein Wettbewerb mit anderen Kommunen. Foto: Stadt FriesyotheFür Friesoythes Bürgermeister Sven Stratmann ist Wirtschaftsförderung auch ein Wettbewerb mit anderen Kommunen. Foto: Stadt Friesyothe

Hat sich die Stadt bei ihren aktiven Bemühungen auf bestimmte Branchen konzentriert?
Nicht unbedingt, aber es ist einfach leichter, ein Unternehmen für den Standort Friesoythe zu begeistern, wenn ich auf mögliche Synergieeffekte hinweisen kann. Da spielt unsere Landwirtschaft eine Rolle, gut zwei Drittel unserer Gewerbesteuereinnahmen stammen aus landwirtschaftlichen und landwirtschaftsnahen und handwerklichen Betrieben. Aber auch der C-Port. Ich habe immer im Blick, was die Unternehmen im C-Port als Zulieferer oder Abnehmer oder Dienstleister benötigen könnten und stelle dann auch die Kontakte her.

Ist der C-Port eine Konkurrenz bei der Suche nach Unternehmen?
Nein, im Gegenteil. Wir profitieren mittlerweile vom C-Port, eben gerade wegen der dadurch möglichen Synergieeffekte. Außerdem haben wir mit dem C-Port einen Türöffner, aus dem heraus sich Neues entwickelt und der die Region etwa auf Messen vertritt. Als Stadt Friesoythe würden wir auf solchen Veranstaltungen gar nicht wahrgenommen werden.

Was tut die Stadt für Unternehmen, die sich für den Standort interessieren?
Wir sind Dienstleister, wir unterstützen und vernetzen. Das beginnt bei der Suche nach dem geeigneten Grundstück, kann aber auch Hilfe bei der Suche nach Wohnraum für die Mitarbeiter bedeuten. Wir wollen ein Rundherum-Sorglos-Paket schnüren. Es ist ein Wettbewerb mit anderen Kommunen, bei dem man bestmöglich unterstützen und sich optimal präsentieren muss.

Wo liegen Friesoythes größte Schwächen beim Kampf um Unternehmen?
Beim Verkehr. Uns fehlen zum Beispiel ein Autobahn- oder der Gleisanschluss. Aber damit müssen wir leben. Wir müssen deshalb neue Gewerbegebiete vorzugsweise entlang der größeren Verkehrsrouten entwickeln. Das Konzept dazu ist in der  finalen Abstimmung. Über einen entsprechenden Flächennutzungsplan können wir dann steuern, wo und wie sich die Stadt künftig weiterentwickeln wird.  Weiter müssen wir bestehenden Unternehmen auch Angebote machen, wo und wie sie sich weiterentwickeln können.

Warum gibt es in Friesoythe eigentlich kein Gründerzentrum, um jungen Leuten den Start in die Selbstständigkeit zu erleichtern?
Das war mal im Gespräch, es gab auch erste Ansätze, aber heute ist das einfach kein Thema mehr. Das Interesse an einer Anmietung ist bei jungen Unternehmen nicht groß. Die bauen tatsächlich lieber selber, wegen der niedrigen Zinsen, aber auch, weil oft eigener Grund vorhanden ist. Wenn der Landkreis aber einen weiteren Start:Punkt wie im Eco-Park einrichten will, würde der Friesoythe sicher gut zu Gesicht stehen. Das würde auch gut in unser Gewerbeflächenentwicklungskonzept passen.

Spielen Neugründungen überhaupt eine wichtige Rolle?
In den letzten fünf Jahren wurden hier 700 Unternehmen neu angemeldet. Da sind zwar sehr viele kleine Solaranlagen auf Privathäusern und Kleinstunternehmen dabei, insgesamt aber stehen diese Neugründungen für 1,4 Millionen Euro Gewerbesteuer jährlich. Das sind über zehn Prozent der Gewerbesteuereinnahmen. Also ja, sie spielen eine Rolle.

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