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Wirte und Produzenten lassen sich den Grünkohl nicht vom Teller nehmen

November ist Grünkohl-Zeit. Durch den Lockdown light ist alles anders. Wie gehen Gastronomen und Produzenten im Vechtaer Nordkreis damit um?

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Wollen die gewöhnliche Menge an Grünkohl vertreiben: Das Unternehmen Elo aus Langförden vertreibt unter anderem tiefgekühltes Gemüse und Obst. Foto: M. Meyer

Wollen die gewöhnliche Menge an Grünkohl vertreiben: Das Unternehmen Elo aus Langförden vertreibt unter anderem tiefgekühltes Gemüse und Obst. Foto: M. Meyer

Mit dem November beginnt für die Norddeutschen eigentlich eine schöne und gesellige Zeit: die des Grünkohls. Kohltouren, gern kombiniert mit Boßeln und Bier, prägen das Wochenendprogramm. In diesem Jahr ist indes alles anders. Das Coronavirus macht nicht nur Grünkohl-Liebhabern einen Strich durch den Terminkalender, sondern auch den Wirten. Bis mindestens Ende November bleiben Gastronomiebetriebe zu und in vielen daher die Küche kalt. 

Wirte im Nordkreis versuchen es mit Grünkohl außer Haus

Im Gasthof "Zur Schmiede" in Goldenstedt ist das anders. Dort wird weiter gekocht und gebrutzelt. Die Speisen sind telefonisch vorbestellt. Auch Grünkohl ist im Angebot. Junior-Chef Thorsten Grimme gibt allerdings zu: "Es sind verhältnismäßig wenig, die anrufen". 

Nebst Grünkohl gibt es auf der Karte auch Scholle oder Schweinerahmgeschnetzeltes zum Abholen.

"Wir machen weiter. So schnell geben wir nicht auf."Thorsten Grimme, Junior-Chef bei "Zur Schmiede"

Für den Goldenstedter Gasthofbesitzer ist der November ein harter Monat, aber kein Grund, sich graue Haare wachsen zu lassen. "Wir machen weiter", sagt er. "So schnell geben wir nicht auf." 

Visbeker Gasthaus Hogeback setzt aufs Wochenende

Auch das Gashaus Hogeback in Visbek wagt einen ersten Versuch,  Pinkel, Mettwurst und mit Speck und Kartoffeln durchmischten Grünkohl außer Haus zu verkaufen. Seit Montag hat das Restaurant 50 Portionen für eine Wochenration eingeplant. Die gibt es allerdings nur am Freitag und Samstag zu bestellen.

"Unter der Woche haben wir zu", sagt Henning Muhle vom Gasthof Visbek. Die Außer-Haus-Lieferungen innerhalb der Woche lohnten sich einfach nicht. Wobei: Beim Visbeker Betrieb gibt es nicht nur am Wochenende Winterkohl zu bestellen, sondern auch Schnitzel oder Rouladen.

"Wir sind guter Dinge, dass die Leute sich die eine oder andere Portion bei uns abholen", meint Muhle. Winterzeit sei schließlich Grünkohlzeit. 

Elo-Frost Geschäftsführer Henrik Witte hofft auf bessere Zeiten

Das gilt auch für Elo-Frost. Seit 1974 produziert der Langfördener Betrieb tiefgekühltes Obst und Gemüse – darunter auch Grünkohl. Für den November 2020 ist allerdings alles anders. Wie die Verkaufszahlen aussehen könnten, ist völlig offen.

"Wie viel letztlich im Handel an den Kunden geht, wird sich erst in ein paar Wochen zeigen", sagt Henrik Witte, Geschäftsführer von Elo-Frost. Für gewöhnlich legen 85 Prozent der Elo-Rohwaren weniger als 20 Kilometer zur Verarbeitung zurück. "Wir haben um die 10 Lieferanten im Oldenburger Münsterland", erklärt Witte. Etwa 80 Prozent der Gemüse- und Obstsorten kommen aus dem Landkreis Vechta, 20 Prozent fallen auf Landwirte aus dem Kreis Cloppenburg.

Trotz Corona: Das beliebte Winteressen soll nach wie vor auf den Teller kommen. Foto: dpaSchuldtTrotz Corona: Das beliebte Winteressen soll nach wie vor auf den Teller kommen. Foto: dpa/Schuldt

Trotz des Lockdowns bleiben die Produktionszahlen konstant, sagt Witte. "An den bisherigen Mengen, die wir an den Groß- sowie Lebensmitteleinzelhandel liefern, wird sich auch dieses Jahr nichts ändern", sagt Witte.

Wegen der derzeitigen Situation rund um den Lockdown light geht der Geschäftsführer allerdings davon aus, dass die sonstigen Reserven wie in den vergangenen Jahren nicht benötigt werden. 

"Ich hoffe, dass wir nach dem November wieder in einigermaßen gelenkte Bahnen gehen können."Henrik Witte, Geschäftsführer Elo-Frost, wünscht sich bessere Zeiten für die Gastronomie

Obwohl die Ernte gut verlaufen sei, ist für den Unternehmer noch unklar, wie viel Grünkohl letztlich aus den Tiefkühlregalen Abnehmer findet. "Die klassischen Großgebinde werden in diesem Jahr bestimmt weniger verkauft", meint er. Eher 1,5 Kilogramm-Tüten denn 2,5. Im "Normalfall" vertreibt das Unternehmen jährlich etwa 5.000 Tonnen Grünkohl aus der Region, berichtet Witte. 

Für die Zukunft wünscht er sich, dass die Gastronomiebetriebe gut durch den Lockdown light kommen. "Ich hoffe, dass wir nach dem November wieder in einigermaßen gelenkte Bahnen gehen können", sagt der Elo-Frost-Geschäftsführer. Gerade mit Blick auf die Feiertage und das neue Jahr werde das grüne Gold noch eine Rolle spielen. Bleibt zu hoffen, dass sich Mittel und Wege finden werden.

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