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„Wird der Bau stillgelegt, hätte das verheerende Folgen“

Firmenchef Ansgar Thees-Ovelgönne spricht über die Planungen für das Industriegebiet „Östlich Dinklager Ring“, die sich in die Länge ziehen.

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Trotz aller Probleme optimistisch: Firmenchef Ansgar Thees-Ovelgönne. Foto: Böckmann

Trotz aller Probleme optimistisch: Firmenchef Ansgar Thees-Ovelgönne. Foto: Böckmann

Ansgar Thees-Ovelgönne ist gut gelaunt. Der Geschäftsführer des Kunststoffrecyclers Thees spricht über die Geschichte des Dinklager Unternehmens und zeigt seine beiden Standorte am Wilder Pool und an der Benzstraße. Klar wird bei den kleinen Führungen durch die Firma aber auch: Die Kapazitäten des Kunststoffrecyclers stoßen an ihre Grenzen. Deshalb wird Ansgar TheesOvelgönne auch ernster, wenn es um das Thema „Östlich Dinklager Ring“ geht. Denn den Platz in dem Industriegebiet benötigt die Firma dringend für ihre Weiterentwicklung. Die Planungen gerieten im vergangenen Sommer ins Stocken, als Naturschützer die Rodung eines 0,6 Hektar großen Waldstücks in dem Industriegebiet verhindern wollten – schließlich mit Erfolg. Jetzt hat die politische Diskussion wieder Fahrt aufgenommen. Ansgar Thees-Ovelgönne stellt im OV-Interview klar: „Aufgeben ist für uns keine Option mehr.“ Er hofft auf ein Happy-End, um endlich mit dem Bauprojekt starten zu können.

Herr Thees-Ovelgönne, Sie haben die Verwaltung der Stadt Dinklage gebeten, den Flächennutzungsplan für das Industriegebiet in verkleinerter Form – also ohne das viel diskutierte Waldstück – noch einmal auslegen zu lassen. Das verwunderte Teile der Politik, weil sich das Genehmigungsverfahren dadurch noch einmal in die Länge ziehen wird. Warum sind Sie mit dieser Bitte an die Stadt herangetreten?

Um es gleich vorwegzunehmen: Der Wald bleibt bei der Neuplanung nunmehr unangetastet und vollständig erhalten. Aber gerade die sich auf das Waldgrundstück beziehende Diskussion hat uns sehr überrascht und zugleich deutlich vor Augen geführt, dass sich unser Ansiedlungsvorhaben – zurückhaltend formuliert – keiner ungeteilten Zustimmung gewiss sein kann. Umso größer ist unser Interesse an einer rechtssicheren Planung, die etwaigen Widersachern keine Angriffspunkte bietet. Um dem nicht ausschließbaren Vorwurf einer unzureichenden Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger vorzubeugen, haben wir die Stadt Dinklage ersucht, der Öffentlichkeit nochmals die Gelegenheit zu bieten, sich zu der Endfassung der 37. Änderung des Flächennutzungsplans zu äußern.

Der Planungsprozess zieht sich jetzt seit fünf Jahren.

Als wir vor fünf Jahren an die Stadt herangetreten sind, um die geplanten Investitionen durchführen zu können, hat sie uns nach langwierigen Absprachen mit allen Parteien im Stadtrat und Absprachen mit dem Landkreis als Oberbehörde dieses Grundstück östlich des Dinklager Ringes angeboten. Der lange Planungsprozess hat uns viel Zeit und Energie gekostet. Er hat unsere Wettbewerbsposition negativ beeinflusst. Wir haben einen deutlichen fünfstelligen Betrag bislang investiert. Deshalb sind wir nun an einem Punkt, wo wir sagen: Jetzt muss etwas passieren. Wenn sie so ein Bauprojekt stilllegen müssen, aus welchen Gründen auch immer, dann hätte das natürlich verheerende Folgen.

Welche Folgen?

Vor allem auf die langfristige Entwicklung unseres Unternehmens und einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden. Wir sind kein Konzern, wir sind ein Familienunternehmen. Dieses Grundstück ist für uns die Zukunft, auch für die nächste Generation. Das Grundstück ist ja keine kleine Fläche, allein der Kaufpreis ist nicht unerheblich. Das Bauvolumen ist nochmal eine Nummer größer. Unterlaufen in dem Prozess zur Realisierung unseres Vorhabens Fehler, die womöglich Rechtsstreitigkeiten einschließlich der sich hiermit verbindenden Verzögerungen nach sich ziehen, während laufende Kredite weiterhin pünktlich bedient werden müssen, dürfte jedem klar sein, dass hierdurch wirtschaftliche Schäden beträchtlichen Ausmaßes entstehen können. Deshalb ist die jetzige Phase, einschließlich der Festsetzung des Bebauungsplanes in Abstimmung mit der Stadt und dem Landkreis Vechta so wichtig für uns. Hier gilt Sorgfalt vor Schnelligkeit.

Haben Sie Sorgen, dass Sie möglicherweise gar nicht mehr bauen dürfen, etwa wenn Ihre Fläche auch als FFH-Gebiet ausgewiesen werden sollte?

Davor warnte Ratsherr und Naturschützer Ulrich Heitmann. Die von Herrn Heitmann geäußerte Befürchtung teile ich nicht. FFH-Gebiete werden zum Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenarten und bestimmter Lebensraumtypen ausgewiesen, wie sie namentlich im Dinklager Burgwald ausgeprägt sind, auf den ackerbaulich genutzten Flächen des Plangebietes aber nicht vorkommen. Die von Herrn Heitmann ausgesprochene Warnung entbehrt jeder sachlichen Grundlage und bietet keinen Anlass zur Sorge.

Sie glauben also nicht, dass Ihr Bauprojekt noch platzt?

Nein. Ich hätte mir nur sehr einen schnelleren und reibungslosen Ablauf gewünscht. Hätte ich im Vorfeld geahnt, dass wir auf diese Herausforderung stoßen, wäre es gut möglich gewesen, dass wir an einen anderen Standort gegangen wären. Aber eine Aufgabe ist nun keine Option mehr.

Wann hoffen Sie, mit den Bauarbeiten zu starten?

Im best case noch in diesem Jahr. Das wäre für uns enorm wichtig. Innerhalb von zwölf bis 24 Monaten hoffen wir dann, das Gelände beziehen zu können. Um dann sagen zu können: Zusammen mit der Stadt Dinklage haben wir alles richtig gemacht.

Welche Summe investieren Sie?

Einen relativ hohen siebenstelligen Betrag.

Warum haben Sie sich überhaupt für Dinklage als Standort entschieden, wenn Sie woanders schneller hätten starten können?

Wir fühlen uns Dinklage sehr verbunden, viele Familien unserer Mitarbeiter und unsere Familien leben hier und haben hier ihre Freunde. Wir schätzen die Lebensqualität und die Zusammenarbeit mit Dinklager Handwerkern und Unternehmen. In der Tat waren wir Ende 2017, Anfang 2018 schon in fortgeschrittenen Verhandlungen mit einer Nachbarkommune – dann kam aber ein klares Signal von der Stadt Dinklage, die sich stets sehr um uns bemüht, dass die Fläche „Östlich Dinklager Ring“ in einem überschaubaren Zeitrahmen für uns zur Verfügung gestellt werden kann. Diesem Angebot sind wir dann natürlich gerne gefolgt.

Was planen Sie genau auf dem Grundstück?

Neben der stationären und mobilen Aufarbeitung von Altkunststoffen haben wir uns in den vergangenen Jahren tief greifendes Know-how bei der Aufarbeitung von schwer-recycelbaren Kunststoffen und Stoffgemischen angeeignet. Hierauf aufbauend wollen wir zusätzliche mechanische und thermische Aufbereitungslinien aufbauen, um Kunststoffe verwertbar zu machen, die ansonsten in die Verbrennung und unwiederbringlich verloren gehen würden. Konkret planen wir eine Lagerhalle, eine Produktionshalle und ein Verwaltungsgebäude – möglichst ablauf- und energieeffizient konzipiert. Wir möchten unseren Mitarbeitern ein möglichst sicheres Arbeitsumfeld mit ausreichend Sozial- und Ruhebereichen innerhalb und außerhalb der Gebäude bieten.

Kommen wir noch einmal auf die öffentliche Diskussion im vergangen Sommer zu sprechen. Gibt es etwas, dass Sie rückblickend anders gemacht hätten?

Wir haben uns auch gefragt: Was haben wir eigentlich falsch gemacht? Aus wirtschaftlicher Sicht hätten wir uns für einen anderen Standort entscheiden müssen, weil wir jetzt schon mehrere Jahre hinter unseren Planungen sind. Ich meine auch, dass wir in der Vergangenheit den Einklang zwischen Naturschutz und unseren wirtschaftlichen Interessen gut hinbekommen haben. Alleine 2019 haben wir durch die Aufarbeitung von Altkunststoffen insgesamt mehr als 75000 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart. Hinzu kommt, dass wir durch den Einsatz unserer mobilen Recycling-Anlagen, die vor Ort direkt an den Anfallstellen obsolete Kunststoffe zerkleinern, pro Anlage circa 540 Lkw-Ladungen weniger auf den Straßen bewegen müssen. Wir leisten einen wertvollen gesellschaftlichen Beitrag und stehen für Umweltschutz.

Das sahen einige Naturschützer anders.

Wir leben gerade in einem extrem disruptiven Umfeld und manchmal bekommt man das Gefühl, das dem, der am lautesten schreit, am ehesten geglaubt wird. Hintergründe werden immer weniger hinterfragt und Facebook und Co. dienen zur Meinungsbildung. Dass wir ökologisch und ökonomisch umdenken müssen, ist klar. Aber bitte nicht in der Form, dass Schlüsselindustrien systematisch zugrunde gerichtet werden. Gerade wir als Recyling-Unternehmen können mit unseren Kompetenzen einen großen Beitrag für den Erhalt und den Schutz von Ressourcen leisten.

Wie soll das auf Ihrem Grundstück aussehen?

Wir tragen gegenüber der Umwelt, insbesondere dem Burgwald und den Bürgern der Stadt Dinklage Verantwortung. Wir planen eine ressourcenschonende Architektur inklusive der Nutzung von regenerativen Energien. Das Oberflächenwasser wird zur Speisung eines naturnah angelegten Regenrückhaltebeckens genutzt, wo sich neue Flora und Fauna ansiedeln können. Wo es die Symmetrie des Grundstückes anbietet und in den Bauverbotszonen, sollen Büsche und Grünanlagen angelegt werden, die gleichzeitig als Pufferzonen dienen werden. Die Zufahrt zum Betrieb, und somit das Hauptverkehrsaufkommen, erfolgt am zum Burgwald entferntesten Punkt.

Wie sehen Sie eigentlich die Zukunft Ihres Standortes am Wilder Pool? Die meisten Ihrer Mitarbeiter arbeiten ja jetzt schon am Standort an der Benzstraße.

Langfristig müssen wir auch wohl darüber nachdenken, unseren Ursprungsstandort Wilder Pool auszulagern, um Konflikte mit Besuchern der Sporteinrichtungen und den Lkw-Ladeverkehr zu minimieren. Für die langfristige innerstädtische Planung und den weiteren Ausbau der Sportstätten des TV Dinklage kann das sicherlich einmal von großer Bedeutung sein.


Fakten über die Firma

  • Gregor Thees gründete die Firma Thees Kunststoffverarbeitung 1976. Geschäftsführer sind jetzt Tochter Diana Thees-Ovelgönne und Schwiegersohn Ansgar Thees-Ovelgönne. Der Kunststoffrecycler hat es sich nach eigenen Angaben zur Aufgabe gemacht, „Kunststoffe, die entsorgt werden müssen, so aufzuarbeiten, dass sie doch wieder einem Materialkreislauf zugeführt werden können – und nicht deponiert, exportiert oder verbrannt werden müssen“. 
  • Die Firma beschäftigt an drei Standorten in Dinklage und Bakum rund 50 Mitarbeiter. Thees hat zusätzlich Lagerräume in Wulfenau und der ehemaligen Tennishalle angemietet. Durch den Neubau im Industriegebiet möchte das Unternehmen im ersten Schritt 20 neue Arbeitsplätze schaffen. Mittelfristig könnte sich die Zahl der Mitarbeiter auf 100 verdoppeln, glaubt Ansgar Thees-Ovelgönne. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Marktführer im Betrieb von mobilen Recycling-Anlagen in Europa.

Die politische Diskussion

  • 2014: Die Firma Thees nimmt die Gespräche mit der Stadt Dinklage auf. Der Kunststoffrecycler möchte seine drei Standorte zusammenführen und benötigt mittelbis langfristig für Erweiterungsmöglichkeiten eine Fläche von rund vier Hektar. 
  • 15. November 2016: Der Bauausschuss berät zum ersten Mal über ein Industriegebiet am Dinklager Ring. 
  • 25. Juni 2019: Der Stadtrat stimmt für den Flächennutzungs- und Bebauungsplan – bei einer Nein-Stimme von Uli Heitmann (Bürgerforum). 
  • 26. Juli 2019: Das Bürgerforum fordert per Petition die Abholzung des 0,6 Hektar großen, historischen Waldstücks aufzuheben. Der Umweltschutzverein Pro Natura reicht einen Einwand beim Landkreis Vechta ein. 
  • 30. Juli 2019: Naturschützer Carsten Nitschke (Lohne) startet eine Online-Petition, um die Überplanung des Waldes zu verhindern. 
  • 31. Juli 2019: Der Landwirt teilt via Stadt mit, aus Gründen des Natur- und Klimaschutzes das Waldstück doch nicht mehr zu verkaufen. 
  • 1. August 2019: Die Firma Thees verkündet über die Stadt Dinklage, sich auch ohne das Waldstück im Industriegebiet anzusiedeln. 
  • Herbst 2019: Der Landwirt verkauft das Waldstück doch an die Firma Thees. 
  • 17. Dezember 2019: Der Stadtrat votiert ohne Gegenstimme für die Änderung des Flächenutzungsplanes. Das Waldstück darf nicht gerodet werden. 
  • 24. März 2019: Der Stadtrat debattiert in seiner nächsten Sitzung über die Änderung des Flächennutzungsplans.

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