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"Wir sind nicht die Deppen der Nation:" Metaller wollen mehr als nur 4 Prozent

Damian Piegsa, Vorsitzender des Betriebsrates im Dammer ZF-Werk, richtete scharfe Vorwürfe gegen die Unternehmensleitung. Sie habe viel zu wenig zur Sicherung der Arbeitsplätze am Dümmer getan.

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Kämpferisch: Damian Piegsa geißelte die Entscheidung zur Schließung des Dammer ZF-Werks. Foto: Lammert

Kämpferisch: Damian Piegsa geißelte die Entscheidung zur Schließung des Dammer ZF-Werks. Foto: Lammert

4 Prozent mehr Lohn und Gehalt: Mehr als 200 Mitarbeiter des Dammer ZF-Werks und von Boge Elastmetall haben am Donnerstag vor den Werkstoren bei einem von der IG Metall in der Zeit von 13.15 bis 14.45 Uhr organisierten Warnstreik diese Forderung unterstützt.

Zudem fordert die Gewerkschaft einen Zukunftstarifvertrag mit einer Beschäftigungssicherung sowie, falls in den Unternehmen noch nicht vorhanden, einen Tarifvertrag für die dualen Studenten.

"Wenn die Arbeitgeber kein Angebot vorlegen, dann brennt die Hütte nach Ostern."Fred Hartmann, IG Metall

Was passiert, wenn sich die Arbeitgeberseite in den laufenden Tarifgesprächen nicht von ihrer für dieses Jahr angebotenen Nullrunde verabschiedet, machte Fred Hartmann, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Nienburg-Stadthagen, deutlich. "Wenn die Arbeitgeber kein Angebot vorlegen, dann brennt die Hütte nach Ostern", gab er sich kämpferisch.

Bislang hätten die Arbeitgeber für 2022 eine Einmalzahlung angeboten, aber ohne eine Höhe zu nennen. "Das wird keiner hinnehmen. Wir sind nicht die Deppen der Nation", schimpfte Fred Hartmann.

Damian Piegsa, Betriebsratsvorsitzender im Dammer ZF-Werk, sagte, um eine Beschäftigungszahl von mindestens 3500 Arbeitnehmern am ZF-Multidivisionsstandort Dümmer zu halten, habe die Belegschaft bereits 2017 auf eine zweiprozentige Lohnerhöhung verzichtet.

Im Gegenzug sollte ZF langfristig für die Absicherung der Beschäftigung durch eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit sorgen. Das sollte durch Investitionen sowie Herstellung zukunftsfähiger Produkte in den Werken geschehen. Das sei 2017 bis 2019 nicht beziehungsweise zu wenig passiert. Und 2020 sei für die gesamte ZF ein schwieriges Jahr gewesen.

Piegsa: Im Dammer Werk wird Geld verdient

Mit Blick auf das Dammer Werk, das ZF definitiv zum 31. Dezember 2023 schließen will, erklärte Damian Piegsa: Die Talsohle sei durchschritten. In den ersten 3 Monaten dieses Jahres liege das Werk deutlich über dem Plan. Da sei es unverständlich, wenn gesagt werde, ZF verdiene in Damme kein Geld.

Als eine "Frechheit!" bezeichnete Toni Thölken, Vorsitzender des Boge-Elastmetall-Werkes in Damme, die Angebote der Arbeitgeberseite. Unter anderem kritisierte er, dass die das Urlaubs- und Weihnachtsgeld flexibilisieren und der Gewinnlage anpassen will. Die Forderung von 4 Prozent bezeichnete er als realistisch. Und er setzte sich für mehr Qualifizierungsmaßnahmen für die Mitarbeiter ein.

Mit Blick auf die Schließung des Dammer Werks erklärte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von ZF in Dielingen, Stefan Brandt, das sei ein Tabubruch und die erste Werksschließung in der Geschichte von ZF. Und es sei eine falsche Entscheidung.

"Die sollten sich was schämen."Andreas Rumpke, IG Metall

Aber die IG Metall und die Betriebsräte könnten wohl nur noch eine Schadensbegrenzung betreiben und darum kämpfen, dass die rund 350 im Dammer Werk Beschäftigten in den anderen ZF-Werken rund um den Dümmer einen neuen Arbeitsplatz finden werden.

Große Empörung löste unter den Warnstreikenden der Hinweis Andreas Rumpkes, Vertrauenskörperleiter der IG Metallen im Dielinger ZF-Werk, aus, die 7 ZF-Vorstandsmitglieder hätten sich im vergangenen Jahr eine Gehaltserhöhung um 250.000 Euro pro Person "zugeschanzt". "Die sollten sich was schämen", rief er.

7 von mehr als 200: Zahlreiche Beschäftigte von ZF und Boge traten am Donnerstag von 13.15 bis 14.45 Uhr in einen Warnstreik. Wegen Corona waren Abstände einzuhalten. Foto: Lammert7 von mehr als 200: Zahlreiche Beschäftigte von ZF und Boge traten am Donnerstag von 13.15 bis 14.45 Uhr in einen Warnstreik. Wegen Corona waren Abstände einzuhalten. Foto: Lammert

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