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Wie neue Technologien die Landwirtschaft verändern

Ob im Stall oder auf dem Acker: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sind längst Teil der Produktion. Der Vorsitzende des Agrar- und Ernährungsforums, Sven Guericke, fordert mehr Investitionen.

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Datensammlung per Kamera: Die Beobachtung der Schweine in der Versuchsstation der Landwirtschaftskammer in Wehnen soll helfen, das Tierwohl zu verbessern. Unter anderem sollen Krankheiten früher erkannt werden können. Foto: dpa / Ziegeler

Datensammlung per Kamera: Die Beobachtung der Schweine in der Versuchsstation der Landwirtschaftskammer in Wehnen soll helfen, das Tierwohl zu verbessern. Unter anderem sollen Krankheiten früher erkannt werden können. Foto: dpa / Ziegeler

Smarte Ställe, Roboter auf Feldern: Das ist schon Realität. Digitalisierung und der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) sind Teil der landwirtschaftlichen Produktion geworden. In der Branche sind die Hoffnungen hoch gesteckt, dass mit diesen Technologien mehr Effektivität möglich wird, um die Klima- und Umweltschutzziele zu erreichen sowie um die gesellschaftlichen Forderungen nach mehr Tierwohl zu erfüllen.

Denn durch Daten und Algorithmen soll der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln reduziert werden, der Ausstoß von Treibhausgasen verringert und der Verbrauch von Ressourcen gemindert werden. In der Tierhaltung kann durch Sensoren sowie durch die Sammlung und Auswertung von Daten die Gesundheit von Schweinen, Rindern und Geflügel besser gewährleistet werden. Krankheiten sollen frühzeitig erkannt werden. Die Tierbeobachtung per Kamera hilft auch dabei, Defizite im Stallsystem schneller ausfindig zu machen.

Zwei Projekte auf AEF-Tagung vorgestellt

Doch die Möglichkeiten dieser Präzisionslandwirtschaft sind noch längst nicht ausgeschöpft. Die Entwicklung ist im vollen Gange. Das veranschaulichte auch die Online-Veranstaltung „Digitale Zukunftsprojekte für die Agrar- und Ernährungswirtschaft“ am Donnerstag. Eingeladen hatte das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland (AEF). Der Verein, dem etwa 100 Unternehmen und Verbände der Region angehören, sieht sich als politisches Sprachrohr der Branche.

Durch die Veranstaltung führte Dr. Henning Müller, Sprecher der AEF-Arbeitsgruppe „Digitalisierung“. Vorgestellt wurde zunächst das Projekt „Digi-Schwein“; es erforscht das Potenzial intelligenter Haltungssysteme für Schweine. Durchgeführt wird dies an der Versuchsstation der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) in Wehnen.

Der Projektkoordinator Dr. Marc-Alexander Lieboldt, Veterinär für Tierernährung und Diätetik, stellte die Anlage in einem virtuellen Rundgang vor. Zu sehen waren unter anderem Sensorsysteme in mehreren Stallbereichen. Sie erfassen Daten, die fortlaufend über das Internet auf eine Datenplattform gelangen, die beim OFFIS in Oldenburg angesiedelt ist. Dort werden sie gespeichert, bearbeitet und analysiert.

Der Transfer von Wissen ist von zentraler Bedeutung

Die Steigerung des Tierwohls sei ebenso das Ziel wie die Transparenz und der Ressourcenschutz, erklärte Lieboldt. Auch der Wissenstransfer ist zentral. Denn am Ende soll es praxisnahe Anwendungen für Landwirte geben.

Das Verbundprojekt mehrerer Partner, das aus Mitteln des Bundes gefördert wird, ist auf drei Jahre angelegt (bis Februar 2023), Lieboldt hofft auf eine Verlängerung.

Das zweite vorgestellte Projekt trägt den Titel „Agri-Gaia“. Dabei handelt es sich um den Aufbau einer KI-Infrastruktur für die Agrar- und Ernährungswirtschaft. Das Ziel: Eine Schnittstelle für mehrere „KI-Frameworks“ bestimmter Hersteller soll geschaffen werden, um die Abhängigkeit von einzelnen Produzenten zu verhindern. Es geht also um eine Schnittstelle, wie Professor Dr. Joachim Hertzberg vom Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI) mit Sitz in Osnabrück erläuterte. Das Projekt läuft seit Anfang 2021.

Setzt auf Innovationen: Sven Guericke. Foto: TzimurtasSetzt auf Innovationen: Sven Guericke. Foto: Tzimurtas

Der AEF-Vorsitzende Sven Guericke betonte zu Beginn der Tagung, dass die deutsche Agrarwirtschaft mittlerweile zu einem Vorreiter der digitalen Transformation geworden sei. „Und gerade jetzt, wo die Anforderungen an die Landwirtschaft zusehends wachsen, brauchen wir innovative Lösungen“, sagte Guericke.

Um die Potenziale digitaler Technologien für den Umwelt- und Klimaschutz stärker zu nutzen, seien vor allen Dingen drei zusätzliche Maßnahmen notwendig. Als erstes müsse der geförderte Ausbau der digitalen Infrastruktur im ländlichen Raum weiter vorangetrieben werden. Außerdem seien „digitale Kompetenzen“ wichtig.

Das Feld der Digitalisierung und der KI müsse „stärker in die landwirtschaftliche Aus- und Weiterbildung“ integriert werden. Auch seien Investitionen in digitale Anwendungen und Software notwendig. Hier sieht Guericke auch den Staat mit Förderungen zukünftig in der Pflicht.

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