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Wie fm Möbel aus Bösel durch die Corona-Krise profitiert hat

Durch Corona wurde für viele das eigene Haus zum Arbeitsplatz. Das sorgte für einen Boom in der Möbelbranche. fm-Möbel-Geschäftsführer Dan Lühr berichtet von der Entwicklung.

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Ihm fällt ein Umbruch in der Branche auf: Dan Lühr, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei fm Büromöbel GmbH. Foto: dpa/Dittrich

Ihm fällt ein Umbruch in der Branche auf: Dan Lühr, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei fm Büromöbel GmbH. Foto: dpa/Dittrich

Es ist der Tag, an dem der eigene Schreibtisch „umzog“: Am 16. März 2020 wurde der erste Lockdown in der Corona-Pandemie beschlossen – viele Beschäftigte nahmen das zum Anlass, ihren Arbeitsplatz in die eigenen vier Wände zu verlegen. Der Arbeitsplatz daheim wurde für viele zur Dauereinrichtung. Nun wird das coronabedingte Homeoffice zwei Jahre alt. Die veränderten Arbeitswelten wirken sich auch auf das Geschäft von Büromöbel-Herstellern aus, die Branche ist im Umbruch.

Vielen Menschen dürften die Firmen wenig bekannt sein, obwohl sie bei der Arbeit vermutlich schon längst mit Stühlen, Tischen oder Regalen der Hersteller in Berührung gekommen sind: fm, Palmberg, Sedus, König +Neurath, Assmann oder Interstuhl. Die Branche ist mittelständisch geprägt – in Deutschland sind rund 80 Unternehmen ansässig, die sich komplett oder im Wesentlichen auf die Herstellung von Büromobiliar spezialisiert haben. 13.700 Menschen arbeiten in diesen Firmen, wie es vom Industrieverband Büro und Arbeitswelt (IBA) heißt. Im Jahr 2020 sackte der Branchenumsatz laut IBA um 11,8 Prozent auf 2,19 Milliarden Euro ab, 2021 stieg er um 5,7 Prozent auf 2,32 Milliarden.

Es war, wie die Zahlen zeigen, ein tiefer Fall, danach aber hat sich die Branche wieder berappelt. Dan Lühr von fm Büromöbel aus Bösel erinnert sich an das Frühjahr 2020 als „Stillstand, bei dem man geschluckt und sich gefragt hat: „Uff, wie geht das weiter?“„Firmenkunden hätten Investitionen erstmal auf Eis gelegt oder Aufträge stark reduziert. „Statt 100 haben wir dann nur noch 50 Arbeitsplätze neu gestalten können – wenn überhaupt.“ Die Erlöse sackten 2020 um 5,9 Prozent ab. Doch schon im darauffolgenden Jahr stieg der Umsatz um 8 Prozent auf gut 70 Millionen Euro, teilt die Firma aus Bösel mit.

Firmen müssen in Zukunft angenehme Arbeitsräume für ihre Mitarbeiter schaffen: In der Produktion von fm Büromöbel GmbH werden Holzplatten für Schreibtische automatisch zugeschnitten. Der Chef Dan Lühr geht davon aus, dass die Aufträge tendenziell hochwertiger werden. Foto: dpaDittrichFirmen müssen in Zukunft angenehme Arbeitsräume für ihre Mitarbeiter schaffen: In der Produktion von fm Büromöbel GmbH werden Holzplatten für Schreibtische automatisch zugeschnitten. Der Chef Dan Lühr geht davon aus, dass die Aufträge tendenziell hochwertiger werden. Foto: dpa/Dittrich

fm brachte die Homeoffice-Box auf den Markt

fm brachte damals ein neues Produkt auf den Markt: die Homeoffice-Box. Die enthielt einen Tisch, Stuhl, ein Regal und einen Rollcontainer. Andere Firmen peilten ebenfalls den Homeoffice-Nutzer als neue größere Zielgruppe an. Seither hat sich der Anteil der Möbel, die in Privatwohnungen landen und nicht mehr in Büros, erhöht – bei fm Büromöbel ebenso wie bei anderen Unternehmen. Die Höhe des Homeoffice-Anteils ist aber unklar, auch weil mitunter Firmen Möbel einkaufen und Mitarbeiter diese mitnehmen.

Dass mehr Menschen daheim einen Drehstuhl oder einen höhenverstellbaren Tisch brauchen, ist positiv für die Hersteller. Unsicherheit bringt aber die Frage mit sich, ob die Firmen zukünftig ihre Bürofläche reduzieren, weil viele Beschäftigte im Homeoffice bleiben und nur gelegentlich ins Büro kommen. Studien haben zwar ergeben, dass der Büromarkt bisher robust ist. Dass die Bürofläche schrumpfen könnte, bleibt aber die große Sorge in der Möbelbranche.

„Die Zeiten von grauen Teppichböden, weißen Raufaser-Tapeten und farblosen Möbeln sind vorbei – in so einem Umfeld will niemand mehr arbeiten“Dan Lühr

fm-Chef Lühr bleibt gelassen. Er ist der Auffassung, dass sich der Büromarkt nach Corona stabil entwickeln oder sogar wachsen werde. Klar sei aber auch, dass sich der Bedarf verändert habe. „Die Zeiten von grauen Teppichböden, weißen Raufaser-Tapeten und farblosen Möbeln sind vorbei – in so einem Umfeld will niemand mehr arbeiten“, sagt der Manager. Stattdessen würden die Büros immer wohnlicher – der Lounge-Bereich samt Sofa mit hoher Rückenlehne werde größer, Besprechungs- und Kreativräume würden immer wichtiger.

Der Trend zu einem wohnlicheren Büro habe schon vor Corona eingesetzt, die Pandemie habe ihn jedoch beschleunigt: Die Firmen wollten den Beschäftigten nach der Rückkehr aus dem Homeoffice ein kreatives Ambiente bieten – „sie sollen zurückkommen wollen und nicht zurückkommen müssen“, sagt Lühr. Der Branchenverband IBA verweist auf eine anziehende Nachfrage nach Produkten der Kategorie „Soft Seating“, also Polstermöbeln.

Für fm bedeutet das: Die Aufträge werden tendenziell hochwertiger und damit auch höherpreisiger – höhenverstellbare Tische, ergonomische Stühle sowie Sessel oder Sofas werden der Regelfall. Wichtiger werden zudem Akustikelemente – also Trennwände und andere Komponenten, um Lärm abzuschwächen.

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