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Wie ein junger Tischler mit schrägem Möbel zum Erfolg kommt

Philipp Schürmann aus Resthausen hat seine Gesellenprüfung mit Auszeichnung bestanden. Die Tischlerplatte dafür stand für die Prüflinge allerdings nicht fertig im Regal.

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Frisch aus der Lackiererei: Das Lowboard mit amerikanischem Nussbaum und heller Esche von Philipp Schürmann steht bald in Resthausen. Foto: Bernd Götting

Frisch aus der Lackiererei: Das Lowboard mit amerikanischem Nussbaum und heller Esche von Philipp Schürmann steht bald in Resthausen. Foto: Bernd Götting

„Rechtwinklig und gerade, das kann doch jeder“, hatte sich der Prüfungsausschuss bei den jüngsten Gesellenprüfungen im Tischlerhandwerk offenbar gedacht. Und so forderte das Gremium die Prüflinge auf, ein schräges Möbelstück in höchster Qualität zu bauen. „40 Stunden hat man uns dafür gegeben, ich habe 39 gebraucht“, erinnert sich Philipp Schürmann aus Resthausen, der die Prüfung jetzt mit Auszeichnung bestand.

Das Gesellenstück, in der Fachsprache auch „Lowboard“ genannt, wirkt auf den ersten Blick schlicht und unscheinbar. Aber für den Handwerker, der es aus Rohmaterial herstellen muss, hat es durchaus seine Tücken. So sollte der Korpus beispielsweise mit einem Echtholzfurnier aus dunklem, amerikanischem Nussbaum bestehen. Die Tischlerplatte dafür stand für die Prüflinge allerdings nicht fertig im Regal, sondern musste eigenhändig mit Furnier beklebt werden. Da waren durchaus Geschick und ein gutes Auge erforderlich. Ähnlich war es mit dem Schiebelement, das Schürmann aus optischen Gründen aus hellem und massivem Eschenholz herstellte.

„In dieser Schwalbenschwanzverbindung steckte die halbe Note für das ganze Gesellenstück.“Philipp Schürmann, Tischlergeselle

Die zwei Platten des Elements sollten nicht „stumpf“ voreinander sitzen, sondern mit hoch belastbaren Schwalbenschwanzzinken verbunden werden. Als „mehrfach keilförmig verzahnte Eckverbindung“, wie es die Fachleute nennen, ist diese nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch sehr dekorativ. „Hier musste ich besonders sauber und sorgfältig arbeiten. In dieser Verbindung steckte die halbe Note für das ganze Gesellenstück“, macht Philipp Schürmann den Anspruch deutlich.

Und so forderte das Lowboard den Mann und sein Fachwissen. Zuschnitt, Furnierung, Verbindungen und der Zusammenbau zu einem ansprechenden und funktionsfähigen Möbelstück sind am Ende gelungen und gefielen den Prüfern. Und als am Ende der Lack aufgetragen wurde, wirkte auch der künftige Tischlergeselle sehr zufrieden. Möglichkeiten, eine solche Ausbildung zu machen, gibt es nur bei Möbeltischlern, die häufig auch als Manufaktur oder Möseldesigner firmieren. Viele andere Betriebe haben sich offenkundig dem Trockenbau und den Kunststofffenstern verschrieben.

Auch der Chef ist stolz auf das Gesellenstück

Das sieht auch Thomas Fangmann so, der den 21-jährigen Resthauser in seinem Betrieb an der Westallee in Cloppenburg ausbildete. „Wir hatten in der Vergangenheit schon häufiger Lehrabschlüsse mit Auszeichnung“, sagt Fangmann und blickt stolz auf seinen ehemaligen Azubi und dessen Gesellenstück. Das Lowboard hat er Schürmann bereits geschenkt und freut sich auf dessen künftige Mitarbeit als Geselle.

Allerdings rechnet er über kurz oder lang damit, dass der erfolgreiche Lehrling den Betrieb wieder verlassen wird. Er sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits war klar, dass Schürmann, der vor der Lehre sein Abitur machte, noch einen weiteren Bildungsweg beschreiten werde, andererseits könne er derzeit in seinem komplett ausgerüsteten Betrieb mit 12 Mitarbeitern jede Hilfe gebrauchen. „Mich freut es aber trotzdem, wenn ich meine Leute später als Meister, Ingenieure oder Designer wiedersehe“, so Fangmann.

Philipp Schürmann selbst hat sich noch nicht genau entschieden, wie lange er noch im Betrieb bleibt. „Ich habe schon als Kind viel gebastelt und eine große Liebe zum Holz entwickelt“, blickt er auf seine frühen Jahre zurück. Nach einem Schulpraktikum in einer Tischlerei in Molbergen habe er schon eine erste Entscheidung getroffen. Jetzt habe er das Abi in der Tasche, einen Abschluss als Jahrgangsbester an der Berufsschule und eine Gesellenprüfung mit Auszeichnung. Deshalb könne er sich gut vorstellen, irgendwann zu studieren. „Ich will auf alle Fälle noch lernen, und es soll etwas mit Holz und im kreativen Bereich sein“, lauten seine Pläne. Die Voraussetzungen seien ja jetzt vorhanden, gibt er sich zuversichtlich.

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