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Wie ein Forschungsstall in Höne die Schweinehaltung optimieren soll

Mit dem Demonstrationsbetrieb wollen die Projektpartner Bröring und Big Dutchman untersuchen, wie neue Haltungs- und Fütterungsverfahren entwickelt werden können (mit Video).

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Jetzt geht's los: Bernd Meerpohl (Vorstandsvorsitzender Big Dutchman), Bernd Bröring (Bröring-Geschäftsführer), Dr. Birgit Hinrichs (Projektleiterin Big Dutchman) und Frank Bergmann (Projektleiter Bröring) beim offiziellen Spatenstich für den Forschungsstall. Foto: Böckmann

Jetzt geht's los: Bernd Meerpohl (Vorstandsvorsitzender Big Dutchman), Bernd Bröring (Bröring-Geschäftsführer), Dr. Birgit Hinrichs (Projektleiterin Big Dutchman) und Frank Bergmann (Projektleiter Bröring) beim offiziellen Spatenstich für den Forschungsstall. Foto: Böckmann

Es wurde viel Lob ausgesprochen, es gab reichlich Danksagungen und ausschließlich strahlende Gesichter bei den beiden Schwergewichten aus der Ernährungsbranche: Der Spatenstich zum offiziellen Baubeginn des Forschungsstalls der Projektpartner Bröring und Big Dutchman in der Dinklager Bauerschaft Höne war natürlich auch eine kleine PR-Veranstaltung. Kritische Worte waren ohnehin nicht zu erwarten. Denn das Bürgerforum Dinklage, dessen Fraktionsspitze das Vorhaben in den Ratssitzungen massiv kritisiert hatte („Das ist eine Gelddruckmaschine“), hatte auf die Einladung dem Vernehmen nach nicht reagiert.

Also blieb es bei vielen warmen Worten im eigens aufgestellten Festzelt und mit dieser Botschaft: Der Forschungsstall sei ein außerordentlich wichtiges Projekt, um sich dem Wandel in der Landwirtschaft zu stellen. Es sollen neue Haltungs- und Fütterungsverfahren entwickelt werden, die zukünftig den hohen Tierwohlanforderungen der Gesellschaft und des Schweins gerecht werden sollen, hieß es.

Forschungsstall – was heißt das überhaupt?
Vereinfacht formuliert: Die Projektpartner möchten mit ihrer eigens gegründeten Havito GmbH erforschen, wie die Schweinehaltung in Zukunft funktionieren kann. Und sie möchten wissen, wie der Umbruch in der Tierhaltung im Einklang mit den Landwirten, der Umwelt und den Verbrauchern gefördert werden kann. Die übergeordneten Ziele sind: mehr Tierwohl, wirtschaftlicheres Arbeiten für die Landwirte und gleichzeitig Schutz für Klima und Natur. Dafür investieren die Projektpartner auf dem Hof von Ralf Jürgens an der Quakenbrücker Straße 82 zwischen 2,5 und 3 Millionen Euro. Im zweiten Halbjahr 2022 soll der Forschungsstall seinen Betrieb aufnehmen.

Wie funktioniert das Havito-Stallsystem?
Die Ferkel, die in diesem Stall geboren werden, bleiben bis zur Schlachtreife – das Gewicht beträgt dann etwa 30 Kilogramm – in ihrer Geschwistergruppe, erklärte Dr. Birgit Hinrichs als Projektleiterin von Big Dutchman. Die Partner nennen den Zyklus im geschlossenen System birth-to-finish; ein teilgeschlossenes System heißt birth-to-rear.

Es gibt zudem keine Spaltenböden, stattdessen einen planbefestigten Buchtenboden. Diesem schließt sich die Schweinetoilette an. Dieses System ermögliche die sofortige Trennung von Harn und Kot, hieß es. Die Schweine, so hätten es die ersten Untersuchungen gezeigt, gingen bewusst in ihre Toilettenecke. Dort sickert der Harn nach unten. Der Kot bleibe liegen und werde abtransportiert. 

Was bedeutet das alles für das Tierwohl?
Die Dreifachnutzung der Bucht biete nicht nur der Sau ausreichend Platz und Bewegung, sondern auch den Ferkeln und Mastschweinen, sagen die Projektverantwortlichen. Den Tieren soll bis zu 40 Prozent mehr Fläche zur Verfügung stehen. Durch den Verzicht auf Spaltenböden gebe es mehr Einstreu auf dem Boden, die Schweine könnten sogar wühlen. Kurzum: Man verabschiede sich vom Güllesystem.

Welche Vorteile soll der Havito-Stall noch bieten?
Ein weiterer Effekt nach Angaben der Projektpartner: Die Ammoniakemissionen werden sich deutlich reduzieren. Es gebe eine bessere Stallluft und geringere Emissionen in der Abluft. Und: Die Transportkosten für die Nährstoffüberschüsse (Stickstoff und Phosphor) sollen verringert werden.

Und wie kann das System den Landwirten helfen?
Weniger Arbeitszeit, geringere Produktionskosten und höhere Rentabilität – das verspreche das Havito-System den Landwirten, sagt Projektleiterin Hinrichs.

Soll in dem Forschungsstall denn auch tatsächlich geforscht werden? Ja, versprechen die Projektpartner. 18 Forschungseinrichtungen und Institutionen seien eingeladen worden, um das Havito-Stallsystem unter verschiedensten Aspekten (Tiermedizin, Haltungsformen, Futterkonzeptionen etc.) zu untersuchen. Es sollen Master- und Bachelorarbeiten geschrieben werden. Ein Besucherraum soll Landwirten und Gruppen einen Einblick in die Haltungssysteme ermöglichen.

Über welche Zahlen reden wir denn beim Forschungsstall?
Die Stallfläche hat eine Größe von 1.830 Quadratmeter. Dazu kommen ein Flüssiglager (1.125 Quadratmeter), eine Lagerfläche (470 Quadratmeter) und eine Versorgungsfläche (250 Quadratmeter). Es gibt die Genehmigung für 2 Stallkomplexe. Im ersten Komplex gibt es im vorderen Bereich Platz für 24 Sauen nach dem birth-to-finish-System, eine Sauengruppe und 330 Aufzucht- und Mastplätze. Im hinteren Bereich sind 60 Sauen nach dem birth-to-rear-Verfahren, 3 Sauengruppen und 280 Aufzuchtplätze untergebracht. Die Projektpartner wollen die Entwicklung beobachten und dann mit diesen gesammelten Erfahrungen entscheiden, wie der zweite Stallkomplex genau aussehen soll.

Was hält die Landwirtschaftskammer von dem Projekt?
Sie verspricht sich zumindest sehr viel. „Wir warten mit Spannung auf die Ergebnisse“, sagte Direktor Hans-Joachim Harms. "Wir brauchen Perspektiven – und keine neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird." Die Agrarwirtschaft stehe vor gewaltigen Herausforderungen, einem Transformationsprozess. Harms ist überzeugt: Der Forschungsstall könne Perspektiven für die Betriebe aufzeigen. Es brauche Unternehmer wie Böring und Big Dutchman, die  solche Projekte anstoßen und umsetzen würden. 

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