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Weniger Insolvenzen, weil sich die Rechtslage geändert hat

Die Kammer IHK stellt ihre Zahlen vor, warnt aber zugleich, sie könnten ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit wiedergeben. Die Folgen der Corona-Pandemie werden sich erst später zeigen.

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Zwar sank die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2020, doch die IHK Oldenburg befürchtet das dicke Ende im laufenden Jahr. Foto: pixelio / Wengert

Zwar sank die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2020, doch die IHK Oldenburg befürchtet das dicke Ende im laufenden Jahr. Foto: pixelio / Wengert

Die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (IHK) hat jetzt bekannt gegeben, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Oldenburger Land im Jahr 2020 um 6,6 Prozent gesunken ist. In den zum Kammerbezirk gehörenden 6 Landkreisen und 3 selbstständigen Städten meldeten laut den Erhebungen der IHK insgesamt 214 Unternehmen Zahlungsunfähigkeit an. Das sind 15 Unternehmen weniger als im Vorjahr. Für den Landkreis Cloppenburg wurden für das zurückliegende Jahr 47 Insolvenzen erfasst (2019: 61), für den Landkreis Vechta 21 (24).

Niedersachsenweit fiel die Zahl der Insolvenzen um über 14 Prozent. Grundlage der IHK-Erhebung sind Daten des niedersächsischen Landesamtes für Statistik. Am häufigsten wurde Zahlungsunfähigkeit aus dem Dienstleistungsbereich gemeldet. Waren es hier im Jahr 2019 noch 101 Insolvenzen, lag die Zahl 2020 bei 83.

Die aktuellen Insolvenzzahlen sind verzerrt, sagt Dr. Thomas Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer der IHK Oldenburg. Foto: Folkerts.Die aktuellen Insolvenzzahlen sind verzerrt, sagt Dr. Thomas Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer der IHK Oldenburg. Foto: Folkerts.

"Diese Zahlen geben nicht die tatsächliche Situation der Wirtschaft wider", so Dr. Thomas Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer der IHK. "Denn durch die Corona-Pandemie wurde das Insolvenzrecht mehrmals geändert, und Unternehmen waren zeitweise ganz von der Pflicht befreit, Insolvenz anmelden zu müssen. Auch derzeit gilt noch eine eingeschränkte Insolvenzpflicht. Das verzerrt den Vergleich zu den Vorjahren", so Hildebrandt. Zu befürchten sei, dass die Zahlen erheblich ansteigen werden, wenn die Regelungen wieder verschärft würden.

Zu berücksichtigen sei allerdings auch, so Hildebrandt, dass der Gesetzgeber zum 1. Januar 2021 die EU-Restrukturierungsrichtlinie ins deutsche Recht überführt habe. Damit werde ein neues, im Wesentlichen außergerichtliches und vom Unternehmen selbstverantwortlich geführtes Sanierungsverfahren etabliert. Betriebe könnten mit ihren Gläubigern Sanierungsmaßnahmen vereinbaren, zum Beispiel einen Schuldenerlass.

Die IHK bietet Unternehmen, die sich in Schwierigkeiten befinden, Beratung an. Der nächste Sprechtag "Unterstützung im Krisenfall: Runder Tisch" findet am 19. Februar als Videokonferenz statt.

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