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Weltweite Innovation: Erste Zahnprothesen für Pferde aus dem 3D-Drucker

Das gemeinsame Projekt des Zentrums für Werkstoffe und Technik in Diepholz, r3volutionD aus Lohne und der Tierklinik Lüsche liefert eine Antwort auf ein bisher nie gelöstes Problem in der Pferdewelt.

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In der Pferdezahnarztpraxis in Lüsche (von links): Mike Koene (r3volutionD, Lohne), Prof. Dr. Carsten Bye (ZWT, Diepholz) und Dr. Tim Steinberg (Tierklinik Lüsche) erläutern das neue Verfahren mit Zahnprothesen für Pferde aus dem 3D-Drucker.   Foto: ZWT

In der Pferdezahnarztpraxis in Lüsche (von links): Mike Koene (r3volutionD, Lohne), Prof. Dr. Carsten Bye (ZWT, Diepholz) und Dr. Tim Steinberg (Tierklinik Lüsche) erläutern das neue Verfahren mit Zahnprothesen für Pferde aus dem 3D-Drucker.   Foto: ZWT

Eine ungewöhnliche Aufgabe für das Zentrum für Werkstoffe und Technik (ZWT) in Diepholz: Ein Start-up-Unternehmen aus Lohne sucht nach einem Material, das sich dazu eignet, um im 3D-Druck Pferdezähne nachzubilden. "Wir haben die Herausforderung gerne angenommen, denn hier geht es um ein bisher nie gelöstes Problem in der Pferdewelt", erläutert Prof. Dr. Carsten Bye vom ZWT in einer Presseinformation. "Wenn Pferden Zähne gezogen werden müssen, dann entstehen Zahnlücken, die das gesamte Zahnsystem instabil machen und oft auch zu Entzündungen führen können. Uns war daher sehr daran gelegen, das Start-up aus Lohne und damit die gesamte Pferdewelt mit unseren Maschinen und Einrichtungen sowie mit unserem Know-how zu unterstützen.“

Und das ist nun mit einer weltweiten Innovation gelungen. Die Forscher aus Diepholz haben gemeinsam mit r3volutionD aus Lohne ein Material entdeckt und geprüft, das der Beschaffenheit des echten Zahns sehr nahe kommt. Und dieses kann für die Erstellung eines passgenauen Zahnersatzes aus dem 3D-Drucker nun der Pferdewelt zur Verfügung gestellt werden, heißt es in der Mitteilung weiter. Dazu hat r3volutionD ein spezielles System entwickelt. "Wir stellen Tierärzten dieses System komplett zur Verfügung", erläutert Mike Koene. Es enthalte einen 3D-Drucker, ein Starterset, eine eigens entwickelte 3D-Scan-App und die r3Dent-Web-App.

Aus gezogenen Zähnen wird der passende Prüfkörper herausgesucht

Die Entwicklung und erste Tests wurden gemeinsam mit der Tierklinik Lüsche, weitere Test in einer Klinik in den Niederlanden durchgeführt. Mit Erfolg. Die Prothesen sitzen wie angegossen und sind vom echten Zahn kaum zu unterscheiden. Das sei vor allem der Unterstützung der Mitarbeiter des Zentrums für Werkstoffe und Technik an der PHWT in Diepholz zu verdanken, so Koene. Dort seien verschiedene Materialien ausgewählt und für den 3D-Druck getestet worden.

Es wurden drei verschiedene Zähne als Proben verwendet. Hier bestand die Herausforderung darin, dass alle unterschiedlich waren und doch vergleichbar getestet werden mussten. Aus einer Tüte voll von Zähnen, die Mike Koene vorher selbst gezogen hat, musste sich das ZWT passende Prüfkörper heraussuchen und präparieren: Alles andere als normal, da sonst häufig mit Normteilen gearbeitet wird. Das ZWT hat dann an Testgeräten überprüft, wie sehr sich das Material abnutzt. "Wir haben dabei aber auch festgestellt, dass kein Material genauso hart und abriebbeständig ist wie ein echter Zahn", sagt Prof. Dr. Bye.

"Unser Zahnersatz ist ein 3D-gedruckter Zwilling, er passt haargenau in die jeweilige Zahnlücke."Mike Koene, r3volutionD (Lohne)

In der Tierklinik Lüsche wurden gemeinsam mit Dr. Tim Steinberg rund zehn Implantate aus dem 3D-Drucker eingesetzt, ganz ohne Komplikationen. Ein Erfolg für die gesamte Pferdewelt, denn das habe es bisher nicht gegeben. Bisher werde bei Zahnlücken eine Abdruckmasse in die Zahnhöhle eingesetzt, ein Propfen, der sehr schnell rausfallen könne, berichtet Koene. "Außerdem werden die benachbarten Zähne instabil. Ohne Gegenspieler reiben sich die Zähne zudem nicht ab und werden unkontrolliert länger."

Das sei nun vorbei, so Koene. "Unser Zahnersatz ist ein 3D-gedruckter Zwilling, er passt haargenau in die jeweilige Zahnlücke." Sein Start-up hat das genaue Vorgehen des Zahnersatzdrucks in einem Video Schritt für Schritt dokumentiert, sodass die Tierärzte vor Ort eine exakte Anleitung erhalten. Die Ärzte bekommen ein 3D-Druck-Starter-Set und können Implantate dann selbst leicht erstellen. Ziel sei eine europaweite Online-Vermarktung, erklärt Koene, daher gebe es die Anleitungen in Deutsch, Englisch und Französisch.

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