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Wegweisendes Umweltschutz-Projekt feiert Jubiläum

Seit 25 Jahren liefert das Holzhackschnitzel-Heizwerk in Vrees die Wärme für das Beheizen von über 100 Häusern. Heute sind 60 Prozent aller Gebäude an ein Fernwärme-Netz angeschlossen.

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Jubiläumsfeier mit vielen Akteuren und Weggefährten: Das Holzhack- schnitzel-Heizwerk wurde vor 25 Jahren in Betrieb genommen. Foto: Siemer

Jubiläumsfeier mit vielen Akteuren und Weggefährten: Das Holzhack- schnitzel-Heizwerk wurde vor 25 Jahren in Betrieb genommen. Foto: Siemer

Mit vielen ehemaligen Weggefährten und Unterstützern feierten die Verantwortlichen in Vrees am Dienstag das Jubiläum eines, wie sich heute immer mehr zeigt, wegweisenden lokalen Projekts für Umwelt- und Klima-Schutz. Vor 25 Jahren nahm die kleine emsländische Gemeinde ihr Holzhackschnitzel-Heizwerk in Betrieb.

Seitdem versorgt es mehr als 100 Gebäude der sogenannten Baum-Siedlung und den Kindergarten über die verlegten Fernwärmeleitungen mit Wärme. Auch heute noch sei dieses System und seien die damit verbundenen Kosten „auf keinen Fall“, so Bürgermeister Heribert Kleene, höher als bei einer konventionellen Öl- oder Gasheizung mit den entsprechenden Wartungs- und Schornsteinfeger-Kosten. Das Projekt habe sich bewährt und funktioniere einwandfrei.

Anlage ist seit 2 Jahren schuldenfrei

Er würdigte alle Weggefährten und Unterstützer, die seit den ersten Ideen mit ihrer Unterstützung und Geld für die Umsetzung gesorgt hätten. Die mit 200.000 D-Mark von der Bundesumweltstiftung und 500.000 D-Mark vom damaligen Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke sowie 550.000 D-Mark Darlehen finanzierte Anlage und das  Leitungsnetz seien seit 2 Jahren schuldenfrei, es habe sogar eine kleine Rücklage gebildet werden.

Pro Haushalt und Jahr werden rund 15 Kubikmeter Holzhackschnitzel benötigt. Der Markt sei stabil, es gebe keine Probleme, die nötigen Rohstoffe zu bekommen, erläutert Kleene im Gespräch mit dieser Redaktion. Besonders stolz ist er darauf, dass dieses Projekt gemeinsam mit der Land- und Forstwirtschaft umgesetzt worden sei und immer noch werde. Verfeuert werden schadstofffreie Resthölzer der Industrie und Abfallholz aus 2000 Hektar Eleonorenwald und 500 Hektar Privatwald in der Gemeinde Vrees.

Heizwerk Ausgangpunkt für weitere Projekte

Das Heizwerk war dann Ausgangspunkt für weitere erfolgreiche Fernwärmeprojekte. Inzwischen würden 60 Prozent der Häuser und alle öffentlichen Gebäude mit Abwärme aus mehreren Blockheizkraftwerken geheizt. In Vrees, so erläuterte Kleene, würden auch 260 Prozent des vor Ort benötigten Stroms selbst hergestellt: „Wir haben uns daher den Titel Bioenergiedorf verdient.“ Ziel sei es,  zukünftig in diesem Bereich sogar noch mehr zu machen. In seiner Ansprache auf der Jubiläumsfeier - unter anderem mit Ex-Innenminister Rudolf Seiters, Ehren-Landrat Hermann Bröring und CDU-Politiker Heinrich Hövelmann - gab es von allen Rednern Lob für das auch aus heutiger Sicht wegweisende Projekt.

Bau als vorausschauendes Beispiel für Klimaschutz

Der Bau dieses Heizwerks sei ein kleines vorausschauendes Beispiel für Umwelt- und Klimaschutz gewesen, erklärte Seiters. Ausgangspunkt dafür, nicht nur vom Klimaschutz zu reden, sondern lokal zu handeln, sei der Klimagipfel in Rio de Janeiro 1992 gewesen, erinnerte auch der Bürgermeister an die Anfänge des gegen etliche Widerstände und mit etlichen Hindernissen gepflasterten Weges. Damals sei erstmals ins Bewusstsein der Menschen gerückt, dass man durch das Verfeuern gigantischer Mengen fossiler Brennstoffe und die so entstehenden Treibhausgase das globale Öko-System der Erde gefährde.

Er sei damals sehr skeptisch gegenüber einem Wohngebiet ohne Schornsteine gewesen, erinnerte Bröring. Heute bekenne er gerne, dass dies eine Pioniertat für den Umweltschutz gewesen sei. Er fahre mit Gästen aus den Entwicklungsländern immer gerne nach Vrees, um zu zeigen, was man an einem Ort mit Tatkraft schaffen könne, so Hövelmann. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen in ihren Heimatländern arbeiten und leben können. Wenn uns das nicht gelingt, dann werden Millionen an unseren Grenzen stehen.“

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