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Wegen Kälte: Spargel kommt verspätet aus den Startlöchern

Noch sprießt das Edelgemüse nur langsam. Anbauer wie Bernd Bahlmann müssen vor allem auf die Sicherheit der Mitarbeiter achten. Wie schnell Corona den Betrieb heimsuchen kann, hat er bereits erfahren.

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Mit dem Kopf voran: Die Spargelsaison hat begonnen. Foto: Meyer

Mit dem Kopf voran: Die Spargelsaison hat begonnen. Foto: Meyer

Für Spargelbauer Bernd Bahlmann hat die Erntezeit begonnen. Es sind die längsten Tage des Jahres. Seit kurz vor fünf ist der Molberger auf den Beinen. "Manchmal ist erst um 8 Uhr abends Schluss", sagt er und zuckt mit den Schultern. Das frühe Aufstehen macht ihm wenig aus. Er ist es seit vielen Jahren so gewohnt. 

Bahlmanns polnische Mitarbeiter müssen ebenfalls zeitig aus den Federn. Zwar gibt es zurzeit nicht viel Spargel zu stechen. Die kalte Witterung hat den Reifeprozess verlangsamt. Weniger Arbeit macht die vergleichsweise geringe Ausbeute aber nicht. "Die Reihen müssen trotzdem abgegangen und die Planen aufgedeckt werden", erklärt Bahlmann. Mit der Qualität der weißen Stangen ist er hingegen zufrieden. Ein normales Erntejahr erwartet er dennoch nicht. Die Coronakrise macht den Gemüseanbauern wie 2020 zu schaffen.

Da ist einer: Bernd Bahlmann inspiziert die Dämme. Noch gibt es nur wenig Spargel. Foto: MeyerDa ist einer: Bernd Bahlmann inspiziert die Dämme. Noch gibt es nur wenig Spargel. Foto: Meyer

Ein bisschen besser sei es geworden, sagt Bahlmann. Seine Mitarbeiter dürfen inzwischen wieder mit dem privaten Pkw anreisen. Im vergangenen Jahr mussten die Landwirte sie auf eigene Kosten einfliegen lassen. Mitte März kamen die ersten sechs - und wanderten direkt in die Quarantäne. Nach dem Schnelltest stellte sich heraus, dass sie allesamt positiv waren. Bahlmann vermutet, dass sie sich kurz vor ihrer Abreise in Polen angesteckt hatten. Drei Wochen lang waren sie zur Untätigkeit gezwungen. "Dabei benötigte ich sie dringend für die Feldarbeit." Der Betrieb vermehrt nämlich auch Jungpflanzen.

Erntehelfer werden komplett versorgt

In den Osterferien halfen Bahlmann stattdessen Schüler aus der Patsche. Inzwischen ist die Zahl seiner Erntehelfer auf 16 angewachsen. Er hat sie in Gruppen unterteilt und isoliert untergebracht. Sie sollen den Betrieb möglichst nicht verlassen. Die Bahlmanns  kaufen  für sie ein und sorgen auch für die Mahlzeiten. Die Hygienemaßnahmen wurden deutlich erhöht. Während das Einhalten der Abstände auf den Feldern kein Problem ist, trennen Plastikscheiben die Arbeitsbereiche in der Sortierhalle. Auf dem gesamten Betrieb herrscht Maskenpflicht. Dass dennoch der eine oder andere zum Einkaufen in den Ort geht, will Bahlmann nicht ausschließen. Er könne die Leute ja nicht einsperren. "Es sind doch Menschen." Viele von ihnen kennt der Landwirt schon seit Jahren. "Da hat sich ein Vertrauensverhältnis entwickelt", sagt er.

Viel Handarbeit: Sie ist weiterhin nötig und wird von polnischen Saisonkräften erledigt. Foto: MeyerViel Handarbeit: Sie ist weiterhin nötig und wird von polnischen Saisonkräften erledigt. Foto: Meyer

Im vergangenen Jahr hatte Bernd Bahlmann wegen der ungewissen Coronasituation die Anbaufläche reduziert. Diesmal wird wieder voll geerntet. Zwar fehlen weiterhin die wichtigen Bestellungen aus der Gastronomie. Den Spargel will er stattdessen über seine eigenen Verkaufsstände, den Hofladen  und andere Händler unter die Leute bringen. "Einige Restaurants bieten außerdem Spargelgerichte außer Haus an. Das läuft jetzt ganz gut", weiß er. Seine Familie baut das Edelgemüse bereits seit Mitte der 1950er Jahre an. "Anfangs kamen noch andere Kulturen hinzu. Schließlich haben wir uns komplett auf den Spargel konzentriert." Die Spezialisierung hat dem Hof bisher nicht geschadet. Auch die Arbeit hat sich erleichtert. Der frisch geerntete Spargel wird automatisch gereinigt. Gerade hat Bahlmann  eine neue Sortieranlage gekauft. Eine Kamera erkennt blitzschnell das Kaliber der einzelnen Stangen. Die Anlage befördert diese dann in unterschiedliche Fächer. "Das funktioniert sehr gut", lobt der Molberger. 

Die wohl wichtigste technische Entwicklung im Spargelanbau ist bereits einige Jahre alt. Seit 1993 wachsen Bahlmanns Pflanzen unter langen Folientunneln. Die Folie erwärmt den Boden im Frühjahr schneller auf und ermöglicht eine frühe Abreife. Zugleich kann Bahlmann den Ernteverlauf steuern, indem er einen Teil der Dämme freilässt. Die Folien sind jahrelang  benutzbar. "Einige habe ich schon seit fast einem Vierteljahrhundert". Irgendwann sind sie aber brüchig. Statt auf der Mülldeponie zu landen, werden sie industriell wiederverwertet. "Das ist für mich sogar billiger",  sagt der Landwirt.

Erst durch die Waschanlage: Der Spargel wird sauber ausgeliefert. Foto: MeyerErst durch die Waschanlage: Der Spargel wird sauber ausgeliefert. Foto: Meyer

Die Spargelernte dürfte in den kommenden Tagen an Tempo gewinnen.  Bernd Bahlmann hofft, dass seine Sicherheitsmaßnahmen greifen.  Ausländische Erntehelfer sollen jetzt 102 statt 70 Tage sozialversicherungsfrei in Deutschland arbeiten dürfen. Der Bundestag beschloss die Regelung am Freitag. Sie gilt befristet bis Ende Oktober. Bahlmann findet  die Regelung gut, geht aber davon aus, dass seine Saisonkräfte weniger als drei Monate auf dem Betrieb sein werden. Dann ist die meiste Arbeit getan und auch der Chef selbst wird es etwas ruhiger angehen lassen können und endlich wieder einmal ausschlafen.

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